Wer waren die Sterndeuter?

Rom, (ZENIT.org) | 919 klicks

Betrachtungen zum Fest Epiphanie von Benedikt XVI.:

Nun ist aber vor allem zu fragen: Was waren das für Männer, die Matthäus als „Magier“ aus dem „Land des Sonnenaufgangs“ bezeichnete? Der Begriff Magier (mágoi) hat in den in Frage kommenden Quellen eine erhebliche Bedeutungsbreite, die vom ganz Positiven bis ins ganz Negative hineinreicht.

Die erste von den vier Hauptbedeutungen versteht unter Magier Angehörige der persischen Priesterklasse. Sie galten in der hellenistischen Kultur als „Walter einer eigentlicher Religion“, ihre religiösen Vorstellungen wurden aber zugleich als „stark beeinflusst durch philosophisches Gut“ angesehen, so dass man die griechischen Philosophen vielfach als ihre Schüler dargestellt hat. Es gibt wohl irgendeinen nicht ganz zu bestimmenden Wahrheitskern in dieser Meinung; schließlich sprach auch Aristoteles von der philosophischen Arbeit der Magier.

Die anderen Bedeutungen die Gerhard Delling aufführt , sind: Inhaber und Ausüber eines übernatürlichen Wissens und Könnens sowie Zauberer. Und schließlich: Betrüger und Verführer. In der Apostelgeschichte finden wir diese letztere Bedeutung: Ein Magier namens Barjesus wird von Paulus als „Sohn des Teufels, Feind jeder Gerechtigkeit“ (13,10) bezeichnet und in die Schranken gewiesen. Die Ambivalenz des Begriffs Magier, auf die wir hier stoßen, zeigt die Ambivalenz des Religiösen als solchen auf. Es kann Weg wahrer Erkenntnis, Weg zu Jesus Christus hin werden. Wo es sich aber angesichts seiner Gegenwart nicht für ihn öffnet, sich gegen den einen Gott und den einen Erlöser stellt, wird es dämonisch und zerstörerisch.

Im Neuen Testament begegnen wir so beiden Bedeutungen des „Magiers“: in der Magiergeschichte des heiligen Matthäus ist offenbar die religiöse und philosophische Weisheit eine Kraft, die Menschen auf den Weg bringt; die Weisheit, die zuletzt Chzu Christus hinführt. In der Apostelgeschichte hingegen finden wir die andere Seite des Magiers. Er stellt seine eigene Macht gegen den Boten Jesus Christi und tritt so auf die Seite der Dämonen, die aber von Jesus schon überwunden sind.

[Benedikt XVI., Jesus von Nazareth, III, Prolog, 101-102]