Wer zuhört und schweigt, versteht die Argumente anderer

Erzbischof Claudio Celli kommentiert die Botschaft Benedikts XVI. anlässlich des Welttages der Sozialen Kommunikationsmittel (Teil II)

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Von José Antonio Varela Vidal

VATIKANSTADT, 24. Mai 2012 (ZENIT.org). – Am Sonntag nach Himmelfahrt feiert die Weltkirche jedes Jahr den Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel. Für seine Botschaft, mit der er sich an die Menschheit wendet, hat Papst Benedikt dieses Jahr folgendes Thema gewählt: „Schweigen und Wort: Weg der Evangelisierung“.

Um über die Bedeutung des Lehramts Benedikts XVI. in diesem Bereich und über die Herausforderungen zu sprechen, denen sich die Kirche in der modernen Welt der Kommunikationsmittel gegenübergestellt sieht, hat ZENIT mit Erzbischof Claudio Celli, dem Präsidenten des Päpstlichen Rats für die Sozialen Kommunikationsmittel, ein Interview geführt.

 [Teil I des Interviews wurde am Mittwoch, dem 23. Mai veröffentlicht]

ZENIT: Worin wird der wichtigste Beitrag Ihres Dikasteriums zur Synode über die Neuevangelisierung bestehen?

Erzbischof Celli: Unser Beitrag besteht darin, darüber zu informieren, welche Neuigkeiten sich im Kommunikationsbereich abzeichnen. Schon seit einiger Zeit geht das päpstliche Lehramt auf die Tatsache ein, dass wir hier nicht mehr nur von Kommunikationsmitteln reden, sondern, dass die neuen Technologien eine neue Kultur geschaffen haben, die wir „digitale Kultur“ nennen. Von Neuevangelisierung zu sprechen, bedeutet, die Herausforderung anzunehmen, einen respektvollen Dialog mit der Digitalkultur von heute zu führen und in diesem Zusammenhang so zu handeln, dass das Wort des Herrn immer deutlicher erklingt.

ZENIT: Wie finden sich die Kommunikationsmittel des Vatikans in dem neuen digitalen Universum zurecht?

Erzbischof Celli: Ich würde sagen, dass wir mit der Botschaft des Papstes zur Fastenzeit, die auf 40 „tweets“ reduziert worden ist, eine großartige Erfahrung gemacht haben. In Zusammenarbeit mit dem Päpstlichen Rat Cor Unum haben wir jeden Tag ein „tweet“ ausgesandt, auf das hin die Welt der Jugendlichen dann jeden Tag „zurück-getweetet“ hat. Ich glaube nicht, dass eine Botschaft des Papstes zur Fastenzeit jemals einem so breiten Publikum unter den Jugendlichen bekannt gewesen war. Unser Päpstlicher Rat hat auch im Auftrag des Staatssekretariats das neue Internetportal news.va freigeschaltet; zurzeit bieten wir unseren Dienst dort in vier Sprachen an und ich hoffe, dass wir bis zum Sommer auch eine portugiesische Ausgabe anbieten können. Etwa 10.000 Mal am Tag wir unsere Seite besucht.

ZENIT: Es geht also um die Evangelisierung der digitalen Welt?

Erzbischof Celli: Man muss dem Wort Gottes die größtmögliche Verbreitung garantieren. Unserer Meinung nach kann der Mensch auf den großen Verbindungsstraßen der kybernetischen Welt noch die Liebe jenes Gottes finden, der unermüdlich auf der Suche nach ihm ist, denn Gott liebt den Menschen, er kann ihm diese Liebe mitteilen und den Menschen von heute auch am Rande der breit angelegten Verkehrsadern der kybernetischen Welt ausfindig machen.

ZENIT: Welche Projekte verfolgt derzeit der Päpstliche Rat für die Sozialen Kommunikationsmittel?

Erzbischof Celli: Es handelt sich vor allem um Ausbildungsprojekte. Der Päpstliche Rat für Soziale Kommunikationsmittel hilft jungen Priestern in verschiedenen Ländern beim Eintritt in die Welt der Kommunikation und dabei, sich an den Päpstlichen Universitäten ein Doktorat zu erwerben. Weiterhin veranstalten wir Ausbildungskurse für Bischöfe und Priester. Vergangenes Jahr haben wir einen Kurs in Brasilien geleitet. Vor kurzer Zeit war ich im Libanon gewesen und habe dort die Bischöfe aus dem Nahen Osten getroffen. Dabei haben wir für fünfzig Bischöfe und viele Priester, Laien und Ordensschwestern, die alle in der Welt der Kommunikationsmittel arbeiten, ein großartiges Seminar gehalten. Am kommenden 20. Juni, einem Sonntag, werde ich in die Ukraine reisen, wo auch Begegnungen mit den Bischöfen, Priestern und Laien vorgesehen sind, um gemeinsam zu entdecken, wie die Kirche die Herausforderung der digitalen Kultur akzeptieren sollte und wie in diesem Rahmen das Wort des Herrn erklingen kann.

ZENIT: Könnten Sie uns über den „gemeinsamen Tisch“ berichten, den Sie ‚on line‘ anbieten, um Materialien auszutauschen?

Erzbischof Celli: Innerhalb unserer Möglichkeiten versuchen wir, den verschiedenen Teilkirchen dabei zu helfen, auf angemessene Weise den Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel zu leben, indem wir dafür sorgen, dass so viele Menschen wie möglich die klare und aussagekräftige Botschaft des Papstes kennen lernen. Der Papst hat eine glückliche Hand dabei, nicht immer sehr einfache Themen auf klare Weise zu behandeln und dabei neue Aspekte freizulegen. Deswegen ist es unser Wunsch, dass die Botschaft so weit wie möglich verbreitet wird und hierzu sollten auch die von den Bischofskonferenzen und Bistümern vorbereiteten pastoralen Ressourcen eingesetzt werden; wir benutzen in diesem Zusammenhang den ‚Hashtag‘ „Silence2012“.

ZENIT: Welche Botschaft möchten Sie an unsere Leser weitergeben, die den Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel am Sonntag gefeiert haben?

Erzbischof Celli: Meine Botschaft soll folgende sein: Lasst uns mit Freude und Verantwortung die Sendung leben, die uns der Herr anvertraut hat. Wir sind nicht ausgesandt worden, um uns selbst, sondern um Jesus Christus zu verkünden. Unser Ruf besteht darin, das einzige Wort zu verkünden, das die Macht hat, zu erlösen. Deswegen müssen wir diesem Ruf mit großem Einsatz, mit großer Professionalität, aber auch mit Zufriedenheit darüber nachkommen, Werkzeuge für die Verkündigung der Wahrheit zu sein.

[Übersetzung des italienischen Originals von P. Thomas Fox LC]

Zur weiteren Vertiefung hier.