Werde der Mann, zu dem Gott dich bestimmt hat

Interview mit Doug Barry, Leiter von RADIX

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LINCOLN, Nebraska, 9. September 2008 (ZENIT.org).- Gebet, Studium und Sport sind die Schlüssel, damit der Mensch für all das zu kämpfen vermag, was in der heutigen Welt gerecht und gut ist. Das bekräftigt Doug Barry; Gründer und Leiter eines apostolischen Werkes in den USA, das Familien stärken will. RADIX erreicht das durch die Weitergabe des katholischen Glaubens.

Im vorliegenden Interview mit ZENIT erläutert Barry das Apostolat von RADIX und seinen Einsatz, jungen Männern zu helfen, wirkliche Männer zu sein.

ZENIT: Sie sind der Gründer von RADIX, einem apostolischen Werk. Was bedeutet der Name, und was steht im Zentrum Ihres Dienstes?


Barry: RADIX ist ein lateinisches Wort und bedeutet „Wurzel“. Von diesem Wort, kommt auch der Ausdruck „radikal“. Ich habe dieses Wort gewählt, weil ich zu dieser Zeit in meiner Pfarrei mit einer Jugendgruppe arbeitete und eine Menge junger Leute antraf, die die Grundlagen des katholischen Glaubens nicht kannten. Wenn wir über solche Dinge wie die Sakramente, die Zehn Gebote, die Werke der Barmherzigkeit oder die Seligpreisungen usw. sprachen, wussten sie sehr wenig darüber. Man hatte sie nicht einmal über die grundlegenden Tugenden oder die Gaben des Heiligen Geistes unterwiesen, geschweige denn ihnen beigebracht, im Einklang mit diesen Tugenden und Gaben zu leben.

Sehr früh stieß ich auf die Verse 19:16,17 bei Matthäus, in denen der Herr dem reichen Mann sagt, dass er, wenn er das ewige Leben erlangen will, die Zehn Gebote halten muss. Auch in Johannes 14:15 sagt Jesus, dass wir, wenn wir ihn lieben, seine Gebote halten. Wir können nicht jemandem folgen oder etwas halten, was wir nicht kennen. Offensichtlich ist das Kennen, das Aufnehmen und Lieben dieser Grundlagen des Glaubens für unsere Erlösung unbedingt nötig. Es berührt die Wurzel dieser unserer Erlösung.

ZENIT: Teil Ihres Dienstes ist die Ein-Mann-Aufführung der Passion Christi, mit der Sie lange vor der Uraufführung des Kinofilms „Die Passion Christi“ begannen. Was hat Sie dazu inspiriert, und wie hat man sie in den folgenden Jahren aufgenommen?

Barry: Vor fast 17 Jahren fiel mir ein Artikel aus einer medizinischen Zeitschrift in die Hände, der ausführlich über die medizinischen und historischen Aspekte einer römischen Kreuzigung berichtete. Es haute mich um! Nie hatte ich davon gehört, welche Skala von Misshandlungen in einer Kreuzigung enthalten war. Ich wollte unbedingt mehr darüber wissen und durchforschte die Berichte über Heilige und andere historische, biblische und medizinische Schriften, die ich über dieses Thema finden konnte. Dabei achtete ich immer sorgfältig darauf, nur das anzunehmen, was von der katholischen Kirche, besonders was Privatoffenbarungen angeht, anerkannt wird. Es gibt da ja vieles, was einen in die Irre führen kann.

Ich begann damit, die Geschichte der Passion unseres Herrn in Gruppenstunden, im Schulunterricht, bei Einkehrtagen, Tagungen usw. zu erzählen. Schließlich kam zum Erzählen Musik hinzu, und wir merkten, dass diese Kombination ein wirkungsvolles Schauspiel hervorbrachte und die Menschen diesem Ereignis und seiner Relevanz für ihr Leben ganz eindeutig näher brachte.

Im Laufe der Jahre haben wir dieses Drama überall in den Vereinigten Staaten und darüber hinaus in fünf oder sechs anderen Ländern live aufgeführt. Durch die Live-Aufführungen und die DVD ist diese Geschichte von der Liebe Gottes zu den Menschen in viele Häuser und durch die Gnade Gottes in das Leben vieler gelangt. Ich kann ihnen nicht sagen, wie demütig es einen macht, wenn man diese Geschichte erzählt und sieht, welch mächtigen Eindruck sie hinterlässt, welche Heilung und Bekehrung sie in das Leben vieler bringt. Dank sei Gott!

ZENIT: Möchten Sie uns das neue Unternehmen beschreiben, das RADIX für Väter und Söhne auf den Weg bringt? Warum, glauben Sie, ist so etwas heutzutage nötig?

Barry: Während der letzten vier Jahre habe ich das RADIX-Camp für Väter und Söhne entwickelt. Es stellt eine Gelegenheit für männliche Teenager und ihre Väter dar, von den Vorstellungen, die die Welt über Männlichkeit hat, und von den Lügen, die damit Hand in Hand gehen, wegzukommen und zu erkennen, was Gott immer schon als Ziel für einen Mann im Sinne gehabt hat. Diese RADIX-Camps nehmen sich anständiger Jugendlicher an und fordern sie dazu heraus, heroische Jugendliche zu werden.

Wir konzentrieren uns auf die drei Bereiche des Mannes: Körper, Geist und Seele. Ein Mann, will er sich selbst als einen ganzen Mann bezeichnen, muss die Ehre Gottes in allen drei Bereichen seines Lebens suchen. Die Täuschung, die sich der Herzen so vieler Männer bemächtigt hat und die von vielen in der Gesellschaft in sich aufgenommen worden ist, hat zu großer Zerstörung und großem Chaos im Leben zahlloser Menschen geführt. Die Männer müssen aufwachen und erkennen, dass jenes Leben, über das Gott uns Einfluss und für das Gott uns Verantwortung gegeben hat, in vielerlei Hinsicht Schaden erleidet, wenn wir uns nicht anstrengen und den Kampf für Wahrheit, Schönheit und Ordnung aufnehmen.

Die Formung eines heroischen Mannes beginnt in den frühesten Jahren, und es gibt viele Dinge, die zu dieser Formung beitragen. Das RADIX-Camp ist eine starke Erfahrung, die auf das Leben von Männern aller Alterstufen eine enorme Wirkung ausüben kann.

Wir sind gerade dabei, den Bau einer neuen Einrichtung inmitten eines besonders gut geeigneten Landstücks von 100 Acres (1 Acre = 3047 Quadratmeter) in Angriff zu nehmen. Einige der Geldmittel, die wir zur Erreichung unseres Ziels benötigen, haben wir schon beisammen, obwohl wir noch ein schönes Stück Weges vor uns haben, bevor wir das Projekt fertigstellen können.
Bisher grenzen die Spenden ans Wunderbare. Wir brauchen viel Gebet und finanzielle Unterstützung, um weiter voranzukommen. Wir alle wissen, dass es dringend notwendig ist, dass Männer inspiriert werden und erkennen, wie wichtig ihre Rolle in dieser Welt ist. Ich bin davon überzeugt, dass Gott ihr Herz und ihren Sinn anrühren und zu diesem unseren Einsatz auch die Mittel und Fähigkeiten schenken wird.

ZENIT: Welchen Gewinn erhoffen Sie von RADIX für die Familien, die Gesellschaft und die Kirche?


Barry: Der Gewinn dieses Einsatzes wird erst in den kommenden Generationen erkannt und erfahren werden. Bei den RADIX-Camps geht es um die Formung des Mannes von innen nach außen. Es geht um die Verbindung von Leib, Geist und Seele, wobei durch Gebet, Studium und harte körperliche Herausforderung diese drei Aspekte des Mannes gleichsam zu einem Schwert geschmiedet werden, das Gott in die Hand nehmen kann, um in dieser Welt eine Schlacht zu schlagen und für alles, was gut und gerecht ist, zu kämpfen.

Wir sehen, wie in der ganzen Welt Ehe, Familie, Regierungen, Wirtschaft und andere Bereiche der Gesellschaft an vielen verschiedenen Fronten leiden. Vieles von diesem Leiden hat seine Wurzeln in der mangelhaften oder nicht vorhandenen Führerschaft der Ehemänner, der Väter, der Politiker, der religiösen Führer, Geschäftsleute usw.

Angefangen von der Geschäftswelt über die Fabrik bis hin in die politische Arena ist es so, dass wenn ein Mann seine Pflicht versäumt oder seine Verantwortung ignoriert und den Leidenschaften der Welt und des Fleisches nachgibt, er sich selbst und all jenen, die in seiner Umgebung leben, schadet. Er wird zu einer Quelle des Chaos.

Als gottgegebene Bestimmung des Mannes galt Jahrhunderte lang, ein Kämpfer zu sein, ein Verteidiger, Beschützer, Ernährer, in einem Wort: ein Held! Dies wird uns in vollkommener Form in Christus vor Augen gestellt. In seiner Kraft, seinem edlen Charakter, seinem Dienst und seinem aus freiem Willen und ohne Klage angenommenen Opfer haben wir das vollkommene Modell für die Rolle des Mannes. Die starke Wirkung eines heroisch geformten Mannes ist noch nach vielen Jahren zu spüren.

ZENIT: Man hört heute viel vom neuen Feminismus. Glauben Sie, dass es auch eine entsprechende neue Männlichkeit geben sollte?

Barry: Unordnung ist immer gefährlich. Sie führt zu einem gewissen Maß an Zerstörung. Jedes Mal, wenn ein Mann oder eine Frau im Widerspruch zu Gottes Plan lebt, wird es Probleme geben. Viele Männer scheinen einfach einzuknicken vor dem Anspruch, sich in der Kirche als wirklicher Mann zu erweisen. Und wenn ich „als wirklicher Mann“ sage, so meine ich die Rolle, die Gott für den Mann bestimmt hat.

Wie diese Rolle zu verstehen ist, wird sehr deutlich an dem Beispiel, das der Mann gibt, den Gott zum wichtigsten Beschützer und Verteidiger sowohl des Erlösers als auch der Mutter des Erlöser auserwählt hat: der heilige Joseph. Gott hat den Männern und Frauen ihre Rollen gegeben, ihre Stärken und ihre Schwächen.

Das Wunderbare am Geheimnis dieser Rollen ist die Tatsache, dass sie einander dann, wenn wir sie nach Gottes Plan im Leben erfüllen, auf wirksame Weise ergänzen und der Welt als ganzer großen Nutzen bringen. Jene Menschen, die versuchen, die Wahrheit dieses Geheimnisses zu verdrehen oder sich ängstlich ducken und nicht diesen von Gott gegebenen Plan verteidigen, verstärken nur vieles von dieser Verwirrung und das Chaos, das wir in den Bereichen Ehe, Familie, Kirche und anderswo sehen, und tragen dazu bei, dass das alles beim Alten bleibt.

Es ist absolut notwendig, dass die Männer – durch die Gnade Gottes – die Ketten der Selbstgefälligkeit und Apathie abschütteln und sich aus den Banden des Egoismus und dem Aufgehen in weltlichen Genüssen befreien.

Ein fortdauernder Kampf wütet überall um uns herum. Es ist ein Kampf um die Seelen. Gott hat uns seine Marschbefehle gegeben. Wir alle sind dazu aufgerufen, diesen Befehlen treu zu sein. Jeder Mann, ungeachtet seiner Berufung, muss dies zuerst klar erkennen, wenn er schließlich verstehen will, wie ernst er seine Rolle in dieser Welt nehmen muss.

[Das Interview führte Carrie Gress; Übertragung ins Deutsche von Christine und Gerhard Gutberlet]