„Werden Sie aktiv“: Aufruf der Kirchen in Sachsen-Anhalt zum Widerstand gegen Rechtsextremismus

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MAGDEBURG, 22. Juni 2007 (ZENIT.org).- Die christlichen Kirchen in Sachsen-Anhalt haben sich mit einem gemeinsamen Aufruf an die mehr als 470.000 Christen des Bundeslands gewandt, um jede Form von Rechtsextremismus zu verurteilen und zum engagierten Einsatz für eine demokratische, weltoffene Gesellschaft aufzufordern. Das Dokument wird am Sonntag – genau ein Jahr nach der Verbrennung des „Tagebuchs der Anne Frank“ – bei einer Sonnenwendfeier in Pretzien in den Gottesdiensten verlesen.



„Unsere Gemeinschaft braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen für andere. Ohne glaubwürdige Vorbilder läuft die Suche vieler Jugendlicher nach Orientierung und Zukunft ins Leere.“

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Gemeinsames Wort
des Bischofs von Magdeburg,
des Bischofs der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen,
des Kirchenpräsidenten der Evangelischen Landeskirche Anhalts
und des Landesbischofs der Evangelisch-lutherischen Kirche in Braunschweig

Liebe Schwestern und Brüder,
besorgt über die Situation in unserem Land wenden wir uns an Sie mit einem gemeinsamen Wort.

Vor einem Jahr verbrannten Rechtsextremisten in Pretzien das Tagebuch der Anne Frank. Weitere Übergriffe extremistischer Gruppen und Einzelpersonen gab es an unterschiedlichen Orten in Sachsen-Anhalt, zuletzt auf erschreckende Weise in Halberstadt; Zeichen von geistiger Verirrung, Rohheit und fehlender Achtung vor dem Menschen. Intoleranz und Gewalt sind nicht vereinbar mit grundlegenden Werten des Zusammenlebens in unserer Gesellschaft. Sie sind erst recht nicht vereinbar mit der Botschaft des christlichen Glaubens.

Gemeinsam wollen wir Sie ermutigen, diese Situation nicht widerspruchslos hinzunehmen, sondern ihr mit Entschiedenheit zu begegnen.

Wir brauchen unter uns eine Kultur der Aufmerksamkeit. Schauen Sie nicht weg, wenn in ihrem Lebensumfeld extremistisches Gedankengut um sich greift! Widersprechen Sie rechten Parolen, die für gesellschaftliche Probleme radikale und einfach klingende Lösungen fordern! In der Freizeit, auf der Arbeit, in Nachbarschaft und Familie. Werden Sie aktiv, wenn Menschen zu Opfern von Gewalt werden! Stehen Sie denen bei, die Ihre Hilfe brauchen! Die Erfahrung zeigt, wo eine Gesellschaft aufmerksam hinschaut, da haben Neonazis es schwer, Fuß zu fassen.

Unsere Gemeinschaft braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen für andere. Ohne glaubwürdige Vorbilder läuft die Suche vieler Jugendlicher nach Orientierung und Zukunft ins Leere. Darum: engagieren Sie sich für die Jugend! Beteiligen Sie sich an Angeboten einer inhaltlich wertvollen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen! Suchen Sie das Gespräch mit demokratischen Parteien und Initiativen, bringen Sie sich und Ihre Überzeugungen ein in den gesellschaftlichen Diskurs! Begleiten Sie problematische Entwicklungen mit Ihrem Gebet!

Als Christen sind wir in besonderer Weise herausgefordert, unseren Beitrag dafür zu leisten, dass die Leben stiftende Kraft des Evangeliums ihren Ausdruck findet im Miteinander der Menschen, in Toleranz und Offenheit, in Solidarität und der Suche nach „der Stadt Bestem“.

Bischof Dr. Gerhard Feige
Bistum Magdeburg

Bischof Axel Noack
Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen

Kirchenpräsident Helge Klassohn
Evangelische Landeskirche Anhalts

Landesbischof Dr. Friedrich Weber
Evangelisch-lutherische Landeskirche in Braunschweig

[Vom Bistum Magdeburg veröffentlichtes Original]