Widerspruch

Impuls zum 5. Sonntag im Jahreskreis

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Von Msgr. Dr. Peter von Steinitz*

MÜNSTER, 5. Februar 2012 (ZENIT.org). - So wie das Fest Darstellung des Herrn (Maria Lichtmess) eine Art Nachklang zur Weihnachtszeit ist, so ist auch dieser 5. Sonntag im Jahreskreis, an dem wir Jesus „voll in Aktion“ sehen, gewissermaßen ein Nachklang zum Lichterfest des 2. Februar.

Vierzig Tage nach der Geburt Jesu – so wollte es die Gesetzesvorschrift der Juden, an die Jesus und Maria sich hier, wie immer, grundsätzlich gehalten haben – bringt Maria, begleitet von Josef, den neugeborenen Jesus, „der im Sinne des Gesetzes der Erstgeborene ist, in den Tempel. Der Brauch bedeutet nicht nur, dass man das Kind dem Allmächtigen „darstellt“, d.h. es Gott zeigt und ihm dafür dankt, sondern es geht auch darum, die „männliche Erstgeburt“, von Gott loszukaufen, denn sie gehört ihm.

Seit jenen fernen Tagen, da Gott das Volk Israel aus dem Sklavenhaus Ägypten herausgeführt hatte“, und dabei die Erstgeburt der Ägypter geschlagen hatte (denn erst nach dieser drakonischen Maßnahme ließen sie Israel ziehen), galt für die Juden das Gesetz, dass jeder erstgeborene Junge Gott gehörte, und man ihn von Gott zurückkaufen müsse. Der „Kaufpreis“ war ein Paar Turteltauben oder für weniger Betuchte ein Paar gewöhnliche junge Tauben.

Als Maria und Josef den Tempel betreten, kommt niemand auf die Idee, dass dieses Kind, das sie auf den Armen tragen, Gottes Sohn ist. Von Anfang an also geht Christus den Weg der „kenosis“, der Demut und Bescheidenheit: ein Paar wie viele andere, das den üblichen Ritus vollzieht. Nur einer ist da, der die ganze Realität sieht, der Prophet Simeon, der eine besondere Erleuchtung vom Hl. Geist erfährt. Er sagt: „Meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel“.

Kommt uns nicht auch manchmal der Gedanke: warum sehen wir nicht alle die ganze Realität? Warum zeigt sich Gott nicht? Dann würden doch sicher alle Menschen glauben und sich ihm zuwenden.

In der Szene, die das Evangelium des heutigen Sonntags beschreibt, ist es ausnahmsweise so. Simon und seine Begleiter sagen zu Jesus: „Alle suchen dich!“ Und sie suchen Jesus nicht nur aus dem letztlich eigennützigen Beweggrund heraus, dass er ihre Krankheiten heilt, sondern auch, weil er ihnen das Reich Gottes verkündet. Ja, gelegentlich ist es tatsächlich so, dass die Menschen begreifen: das wichtigste für mich ist das ewige Leben, denn alles andere vergeht.

Hand aufs Herz, geht es uns selbst aber nicht auch manchmal so, dass wir die schönen Gleichnisse Jesu vom Reich Gottes zwar bejahen – der Schatz im Acker, die kostbare Perle, das kleine Senfkorn, das zu ungeahnter Größe und Weite heranwächst – aber, dass wir uns dennoch immer wieder von den Dingen dieser Welt faszinieren lassen, die uns dann ja doch wieder aus den Händen gleiten?

Dennoch ist auch das die Realität: um zu der vollkommenen Herrlichkeit zu gelangen (die ja im Grunde jeder Mensch erstrebt), müssen Widerstände überwunden werden.

„Widerspruch“ nennt das der Prophet Simeon. Ausgerechnet dem Retter und Helfer, Jesus, wird widersprochen. Warum das? Simeon sagt den Grund: „Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden“. Da ist also etwas im Menschen, das sich dem „Licht“ widersetzt, etwas Dunkles in uns. Wir wissen darum, es ist uns nicht wirklich fremd, aber damit es überwunden werden kann, muss es heraus. Das ist oft schmerzlich, aber seien wir beruhigt, den Hauptanteil an diesem Schmerz trägt Maria, die Mutter. Während ihres ganzen Lebens und in gewissem Sinne auch jetzt und bis zum Ende der Welt durchdringt ihre Seele ein Schwert.

Hilfreiche Stichworte:

Gewissenserforschung, Reue, Beichte, Vorsatz, neuer Anfang, Beharrlichkeit, Treue, Jesus und Maria, und dann ... unendliche Freude.

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt “ und „Leo - Allah mahabba“.