Widerspruch gegen Agenda 21

Kardinal Dominique Mamberti bei der 67. Generaldebatte der UNO

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ROM, 3. Oktober 2012 (ZENIT.org). – Gestern nahm Msgr. Dominique Mamberti, Sekretär für die Beziehung zwischen den Staaten und Leiter der Delegation des Heiligen Stuhls bei der UNO, an der 67. Generaldebatte teil.

In seiner Rede sprach der Kardinal nach einigen Dankesworten und Ausrichtung der Grüße des Papstes an die Versammelten die blutigen Konflikte in der Welt an und betonte, dass der Heilige Stuhl das Thema begrüße, das die Debatte leiten sollte: „durch friedliche Mittel und Lösungen Streitigkeiten auf internationalem Niveau zu lösen“.

Er gab einen kurzen geschichtlichen Abriss der UNO und ihrer Arbeiten wieder. Seit der Entstehung der Vereinten Nationen habe es es zahllose Entwicklungen auf friedliche Konfliktlösungen hin gegeben, beispielsweise die Wiener Konventionen, Abrüstungsverträge oder soziale Verträge, die den Frieden förderten.

In diesen 67 Jahren habe sich die Welt grundlegend geändert. Die wirtschaftliche und technische Unabhängigkeit sei gewachsen, ebenso wie auch die Kommunikation, sodass die Welt in dieser Hinsicht zu einem globales Dorf geworden sei.

Mit diesen Verwandlungen seien auch Situationen einhergegangen, in denen Menschen Unrecht widerfahren sei. Auch Kriminalität und Terrorismus oder Krieg im Namen von Ideologien nähmen zu.

Im Gegensatz zu den 90er Jahren, in denen noch die Nuklearwaffen im Mittelpunkt der Diskussion gestanden, eskalierten heute zumeist Konflikte auf lokalem Niveau.

Die UNO sei zu Zeiten des Kalten Krieges ein Ort der Begegnung und der Bemühung gewesen, einen Ausgleich zwischen gegensätzlichen Mächten herzustellen. Die Organisation habe zur Unabhängigkeit von Staaten beigetragen. Sie habe einen wichtigen intellektuellen, politischen und juristischen Beitrag zur allgemeinen Anerkennung der Menschenrechte geleistet wie auch des lokalen Wirtschaftswachstums.

Die heutige Situation allerdings setze die UNO, der die Kraft der Einheit fehle, der Gefahr aus, Spielball von Einzelinteressen und Vorteilsnahme zu werden.

Die Zukunftsperspektive am Ende des Kalten Krieges schien eine eventuelle Stärkung der institutionellen Präsenz der UN anzukündigen. Woran scheitert eine globale Regierfähigkeit trotz UN-Carta und der menschlichen Grundrechte?

Dieser Frage wolle der Heilige Stuhl mit einer Antwort aus dem moralischen Bereich beantworten, mit Bezug auf jene Werte, die notwendigerweise Fundament jeder menschlichen Gesellschaft seien.

Es sollte die Frage gestellt werden, ob die aktuelle Krise nicht aus einem Misstrauen gegenüber den kollektiven Werten der UN-Carta entspringe und ihr nicht vielleicht eine anthropologische Krise zu Grunde liege, also ein Fehlen einer allgemeinen Erkenntnis, was der Mensch ist.

Es fehle an Vertrauen in den Dialog, und es besteht die Tendenz, in einem Konflikt eine Partei zu bevorzugen. Auch die aktuelle Lage Syriens bringe dies zum Ausdruck. Es könne keine Lösung außerhalb des internationalen Rechts und der Menschenrechte geben, wie es die UNO selber betone.

Nur eine internationale Gemeinschaft, die sich auf authentische Werte der menschlichen Würde berufe, werde praktische Lösungen für die Konflikte finden können.

Es sei illusorisch, mit einer anthropologischen Weltanschauung eine Harmonie zwischen den Völkern herstellen zu wollen, in der der Mensch, obwohl er oberflächlich gewürdigt erscheint, nach anderen Faktoren an zweiter Stelle steht und nur Element eines vagen Kollektivs ist. Die menschliche Person sei keine Nummer in der Masse einer globalen Bevölkerung, und man könne ihm nicht nicht mit Gleichgültigkeit begegnen. Es handle sich um Männer und Frauen mit ihrer jeweils eigenen Würde, daran dürften auch Ideologien nichts ändern.

Aus diesem Grunde müsse der „Agenda 21“ für die Entwicklung nach 2015 insofern widersprochen werden, als sie eine reduktivisische Vision des Menschen vertrete und mit gestelzten und unklaren Formulierungen das Recht auf Leben bedrohe sowie an der Dekonstruktion der Familie arbeite.

Der Heilige Stuhl wolle den Versammelten zur Seite stehen, um durch harmonischen Dialog und nicht durch Streit an Lösungsversuchen teilzunehmen, damit die UN weiterhin ihre unabdingbare Rolle im Dienste des Friedens und der Entwicklung leisten könne. [jb]