Wie der 265. Papst gewählt wird

Längstes Konklave des 20. Jahrhunderts dauerte 4 Tage

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ROM, 15. April 2005 (ZENIT.org).- Am kommenden Montag werden die 115 wahlberechtigten Kardinäle aus allen Teilen der Welt zum Konklave in der Sixtinischen Kapelle des Vatikans zusammentreten, um den künftigen Nachfolger Johannes Pauls II. und somit den 265. Stellvertreter Christi auf Erden zu wählen. Alle Details dieser Wahl sind genauestens geregelt, nur die Anzahl der notwendigen Wahlgänge ist ungewiss.



In der Apostolischen Konstitution "Universi Dominici Gregis – Hirte der gesamten Herde des Herrn“ (UDG) legte Papst Johannes Paul II. am 22. Februar 1996 die Wahlordnung seiner Nachfolger auf dem Apostolischen Stuhl fest. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um eine Zusammenfassung von traditionellen Vorschriften und Gepflogenheiten, von denen einige den heutigen Zeiten entsprechend leicht abgeändert wurden. So hatte etwa Papst Pius XII. im Jahr 1945 festgelegt, dass eine Papstwahl nur mit Zweidrittel-Mehrheit und einer zusätzlichen Stimme erfolgreich sei. Gemäß den Anordnungen von Papst Johannes Paul II. ist heute die Zweidrittel-Mehrheit ausreichend.

Dem Papst aus Polen war es ein großes Anliegen, dass die Wahl des neuen Papstes nicht von menschlichen Überlegungen und Gefühlen motiviert sei, sondern von einer übernatürlichen Sicht, die nicht primär auf das Ansehen der Person schaut. Deshalb schreibt er in Abschnitt 83 seiner oben angeführten Konstitution: "Schließlich ermahne ich mit dem gleichen Nachdruck wie meine Vorgänger die wahlberechtigten Kardinäle eindringlich, sich bei der Wahl des Papstes nicht von Sympathie oder Abneigung leiten zu lassen, sich weder durch Begünstigung noch von den persönlichen Beziehungen zu einem beeinflussen zu lassen, noch sich von der Einwirkung angesehener Persönlichkeiten oder Druck ausübender Gruppen oder vom Einfluss der sozialen Kommunikationsmittel, von Gewalt, Furcht oder vom Verlangen nach Popularität bestimmen zu lassen.

Vielmehr sollen sie einzig die Ehre Gottes und das Wohl der Kirche vor Augen haben und ihre Stimme nach Anrufung des göttlichen Beistandes demjenigen auch außerhalb des Kardinalskollegiums geben, den sie vor allen anderen für geeignet halten, die Gesamtkirche zum Segen und Nutzen aller zu leiten.”

Das Konklave beginnt am Montag, dem 18. April, um 10.00 Uhr mit einem feierlichen Gottesdienst im Petersdom, an dem alle Kardinäle teilnehmen werden. Jene Gläubigen aus der ganzen Welt, die sich in diesen Tagen in Rom aufhalten, sind vom Heiligen Stuhl offiziell zur Mitfeier der Heiligen Messe eingeladen worden, um von der Einheit der Kirche Zeugnis zu geben.

Nach der Eucharistiefeier ziehen die 115 wahlberechtigten Kardinäle mit verschiedenen Begleitern gemeinsam zur Sixtinischen Kapelle. Dabei stimmen sie die Heiligenlitanei und den Gesang des "Veni Creator Spiritus" ("Komm Schöpfer Geist") an, um so die Fürsprache der Heiligen und den Beistand des Heiligen Geistes zu erbitten.

"Komm, Heilger Geist, der Leben schafft, erfülle uns mit deiner Kraft.
Dein Schöpferwort rief uns zum Sein: Nun hauch uns Gottes Odem ein.
Komm, Tröster, der die Herzen lenkt, du Beistand, den der Vater schenkt;
aus dir strömt Leben, Licht und Glut, du gibst uns Schwachen Kraft und Mut.

Dich sendet Gottes Allmacht aus im Feuer und in Sturmes Braus;
du öffnest uns den stummen Mund und machst der Welt die Wahrheit kund.
Entflamme Sinne und Gemüt, dass Liebe unser Herz durchglüht
und unser schwaches Fleisch und Blut in deiner Kraft das Gute tut.

Die Macht des Bösen banne weit, schenk deinen Frieden allezeit.
Erhalte uns auf rechter Bahn, dass Unheil uns nicht schaden kann.
Lass gläubig uns den Vater sehn, sein Ebenbild, den Sohn, verstehn
und dir vertraun, der uns durchdringt und uns das Leben Gottes bringt.

Den Vater auf dem ewgen Thron und seinen auferstandnen Sohn,
dich, Odem Gottes, Heilger Geist, auf ewig Erd und Himmel preist.


Der Einzug in die Kapelle wird mit folgendem Gebet beschlossen:

Gott, Herr und Hüter deiner Kirche,
erfülle deine Diener mit dem Geist der Einsicht,
der Wahrheit und des Friedens,
damit sie das, was dir wohlgefällt, mit ganzem Herzen erkennen
und mit ganzer Kraft dem Erkannten folgen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Amen.


Nach der Vereidigung, einer ermahnenden Betrachtung und der Entlassung all jener, die nicht wahlberechtigt sind, kann die Wahl schließlich beginnen. Für Montagnachmittag ist gemäß der Apostolischen Konstitution "Universi Dominici Gregis" nur ein Wahlgang vorgesehen. Wenn es dabei zu keinem Ergebnis kommt, werden am nächsten Tag für gewöhnlich vor- und nachmittags jeweils zwei Wahlgänge durchgeführt.

Sollte es auch am dritten Tag zu keiner erfolgreichen Papstwahl kommen, werden die Kardinäle am vierten Tag eine Pause einlegen: "Im Falle, dass die wahlberechtigten Kardinäle Schwierigkeiten haben sollten, sich über die zu wählende Person zu einigen, werden die Abstimmungen, nachdem diese drei Tage hindurch in der in Nr. 62 ff. beschriebenen Weise ergebnislos durchgeführt worden sind, höchstens einen Tag unterbrochen, um eine Pause für das Gebet, für ein zwangloses Gespräch unter den Wählern und für eine kurze geistliche Ansprache durch den ranghöchsten Kardinal aus der Ordnung der Diakone zu haben“ (UDG, 72).

Danach werden "die Abstimmungen (…) wieder fortgesetzt", heißt es anschließend. "Wenn nach weiteren sieben Wahlgängen keine Wahl erfolgt ist, wird erneut eine Pause eingelegt zum Gebet, zur gegenseitigen Aussprache und zu ermahnenden Worten durch den ranghöchsten Kardinal aus der Ordnung der Priester. Danach sollen wiederum sieben Abstimmungen durchgeführt werden. Falls auch diese ergebnislos verlaufen, folgt eine neue Pause des Gebets, des Kolloquiums und einer vom ranghöchsten Kardinal aus der Ordnung der Bischöfe gehaltenen Ermunterung. Darauf werden die Abstimmungen in der gleichen Form wieder aufgenommen, die, falls sie nicht zur Wahl führen, sieben sein müssen."

Nach 34 erfolglosen Wahlgängen oder rund zehn bis zwölf Tagen kann, sofern sich die Kardinäle dafür entscheiden, mit einfacher Mehrheit gewählt werden: "Wenn die Abstimmungen auch nach der in der vorangehenden Nummer festgelegten Vorgehensweise nicht zum Erfolg führen, wird der Camerlengo die wahlberechtigten Kardinäle einladen, über den einzuschlagenden Weg ihre Meinung zu bekunden. Darauf wird nach dem weiter verfahren, was die absolute Mehrheit von ihnen beschlossen hat“ (UDG, 75).

Das längste der 8 Konklave, die im 20. Jahrhundert abgehalten worden waren, dauerte 14 Wahlgänge oder 4 Tage (Wahl von Pius XI. im Jahr 1922), das kürzeste nur 3 Wahlgänge oder 2 Tage (Wahl von Pius XII. im Jahr 1939).

Ist der mittlerweile 265. Papst der Geschichte schließlich gewählt worden, endet das Konklave nicht sofort, sondern wartet zunächst auf die Reaktion dieses neuen "Dieners der Diener Gottes". In der Regel wird das Konklave beendet, wenn “der neu gewählte Papst seine Wahl angenommen hat, es sei denn, er verfügt etwas anderes. Von diesem Zeitpunkt an können zum neuen Papst der Substitut des Päpstlichen Staatssekretariats, der Sekretär für die Beziehungen zu den Staaten, der Präfekt des Päpstlichen Hauses und jeder vortreten, der mit dem gewählten Papst in diesem Moment notwendige Angelegenheiten behandeln muss" (UDG, 91).

Papst Johannes Paul I. wollte nach seiner Wahl im Jahr 1978 zunächst noch eine Ansprache vor den wahlberechtigten und nicht-wahlberechtigten Kardinälen halten, ehe er das Konklave für beendet erklärte.

Nach erfolgter Wahl, Annahme und Beurkundung danken die Kardinäle Gott für den neuen Papst und beten das "Te Deum" ("Großer Gott").

"Dich, Gott, loben wir
dich, Herr, preisen wir.
Dir, dem ewigen Vater huldigt das Erdenrund.
Dir rufen alle Engel, die Himmel und Mächte
insgesamt, die Kerubim und die Seraphim
mit nie endender Stimme zu:
Heilig, heilig,
heilig, Herr, Gott der Scharen.
Voll sind Himmel und Erde
von deiner erhabenen Herrlichkeit (…)."