Wie die Jünger von Emmaus (Teil 1)

Interview mit Pater Eric Jacquinet, Mitarbeiter des Päpstlichen Rates für die Laien und Mitveranstalter des WJT

Rom, (ZENIT.org) Daniele Trenca | 632 klicks

Pater Eric Jacquinet ist verantwortlich für die Jugendabteilung des Päpstlichen Rates für die Laien. Im Rahmen eines Interviews stellten wir ihm einige Fragen, um ein tieferes Verständnis der pastoralen Dynamik dieser vom seligen Johannes Paul II. initiierten missionarischen Begegnungen mit jungen Menschen aus aller Welt zu erlangen. So kennzeichnet das Treffen in Rio de Janeiro keinen Endpunkt, sondern den Beginn eines Weges der Evangelisierung in der Welt von heute.

Pater Eric, aus welchem Grund steht der Weltjugendtag (WJT) unter dem Motto „Geht hin, und macht zu Jüngern alle Völker1“? Inwiefern steht diese Wahl mit dem Jahr des Glaubens in Zusammenhang?

Pater Eric Jacquinet: Die Begegnung in Rio de Janeiro wurde während der Bischofssynode für die Neuevangelisierung vorbereitet. In diesem Kontext begannen die geistlichen Vorarbeiten in Rio mit der vor einem knappen Jahr verfassten Botschaft Benedikts XVI. Ferner hatten die Bischöfe Lateinamerikas den Wunsch nach einer Kontinentalmission geäußert. Unter diesen beiden Voraussetzungen entschloss sich Papst Benedikt dazu, den WJT in das Zeichen der Neuevangelisierung zu stellen, denn viele jungen Menschen kennen Christus nicht. Wer, wenn nicht sie, kann missionarische Arbeit an dem Glauben fernstehenden Jungen und Mädchen leisten? Johannes Paul II. zufolge wächt der Glaube, wenn er weitergegeben wird. Durch den Akt der Mission können junge Menschen zu reifen Christen werden, wenn sie in eine missionarische Haltung einnehmen. Aus diesem Grund ist die Mission für junge Menschen nichts Freiwilliges, sondern eine Verpflichtung. Sie ist ein Teil ihrer christlichen Identität, ein Wachsen im Glauben, ein Wachsen in der Mission.

Es ist nicht immer einfach, mit jungen Menschen über Gott zu sprechen. Unter den Teilnehmern am WJT werden sich jedoch auch zahlreiche von der Kirche distanzierte Jugendliche befinden. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Pater Eric Jacquinet: Dies hat mehrere Gründe. Viele von ihnen kommen zum WJT und erfahren diesen als einen Ort der Freundschaft. Papst Benedikt XVI. hat in Madrid auf die Frage eines Journalisten folgendermaßen geantwortet: „Ich bin mir sicher, dass viele Freundschaften entstehen und dass diese Gefühle der Zuneigung Gott dienen werden.“ Es handelt sich um eine Freundschaft, die nicht auf Spaß beruht, sondern auf einer Erforschung der Tiefe. Dieser Verbindung ist ein Zeichen der Liebe Gottes. Viele junge Menschen sind einsam und ohne Vertrauen. In Madrid wurde uns anhand der „Indignados“ klar vor Augen geführt. Viele sind auf der Suche nach neuer Hoffnung, die Christus ihnen geben kann. Diese Tage sind gekennzeichnet durch viele wichtige Augenblicke des Zuhörens, des Nachdenkens und des Gebetes. Zur Pilgerfahrt nach Köln lud Papst Johannes Paul alle Jugendlichen ein, auch die nicht Getauften, denn er glaubte, dass der WJT auch für sie eine Erfahrung sein könnte. Ein letzter Aspekt ist die Tatsache, dass der Wunsch nach Kontakt zur Welt in den Jugendlichen von heute sehr stark hervortritt. Über Internet und Facebook möchten sie mit sehr unterschiedlichen Lebensbereichen und Ethnien in Kontakt treten. Dieser Kontakt zur Welt ist nicht immer einfach. Der Weltjugendtag ist eine Bestätigung für das Gelingen dieser Erfahrung. Man kann in Ruhe Gespräche mit Menschen aus unterschiedlichen Ländern führen und Gemeinschaft bilden. Papst Benedikt XVI. sagte in diesem Zusammenhang Folgendes in Madrid: „Wir erleben, dass wir alle Brüder in Christus sind.“

Schildern Sie bitte die pastorale Dynamik des WJT, insbesondere jene des bevorstehenden Ereignisses in Rio de Janeiro.

Pater Eric Jacquinet: Der WJT ist eine Pilgerreise nach dem Vorbild der Jünger von Emmaus. Diese befanden sich auf dem Weg und sprachen mit Jesus, erkannten ihn jedoch nicht. Auch für den WJT existiert eine Vorbereitung: Der Heilige Vater verfasste eine wunderbare Botschaft und die jungen Menschen brachen auf. Wenn man eine Pilgerreise unternimmt, lässt man Dinge zurück — sein Zuhause, seine Gewohnheiten —, um für das Wesentliche offener zu sein. Vor der Ankunft in Rio wird in den Diözesen eine Missionswoche stattfinden. Dabei werden alle aus dem Ausland nach Brasilien kommenden Gruppen von den Familien aufgenommen und Augenblicke des Gebetes und der Mission erleben. Am Montag, dem 22. Juli 2013, ist der Umzug nach Rio de Janeiro vorgesehen. Dort wird der WJT mit der Eröffnungsmesse am Dienstag beginnen. Mittwoch, Donnerstag und Freitagvormittag werden im Zeichen der Katechesen stehen. Diese werden an mehr als 200 Orten in 26 Sprachen abgehalten werden. Die jungen Menschen werden die Möglichkeit haben, den Bischöfen Fragen zu stellen. Für Freitagnachmittag ist der Kreuzweg vorgesehen, im Rahmen dessen wir all unsere Fragen und all unser Leiden an Christus in seiner Passion hintragen können. In Brasilien herrscht derzeit großes Leid, dem in Form von Demonstrationen Ausdruck verliehen wird. Wir können Christus um seine Hilfe bitten, um seine Gnade und um seinen Trost. Am Samstag ist der große Fußmarsch zum „Campus Fidei“ von Guaratiba geplant, wo die Vigil mit dem Heiligen Vater gefeiert werden wird. Die Nacht wird in Erwartung der Abschlussmesse am Sonntagvormittag im Freien verbracht werden. Bei dieser Messe der missionarischen Sendung werden einige Jugendlichen im Namen aller eine Sendung für ihren Kontinent erhalten. Jeder Jugendliche wird dazu eingeladen, das Evangelium zu überbringen. Wie die Jünger von Emmaus, die mit geöffneten Augen nach Jerusalem zurückkamen und sich der Verkündigung des auferstandenen Christus annahmen, kehren auch wir im Glauben gestärkt nach Hause zurück, um ihn anderen mitzuteilen.

(Der zweite Teil des Interviews erscheint am morgigen Freitag, dem 19. Juli 2013)

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FUSSNOTE

1 Mt 28,19 EU