Wie die österreichischen Skifahrer dem Papst begegneten

Von Johanna Hulatsch

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WIEN/ROM, 8. Oktober 2007 (ZENIT.org).- „Liebe Freunde, seid nicht nur sportliche Wettkämpfer, sondern Athleten, die sich um den Siegespreis eines christlichen Lebens mühen.“ Mit diesen Worten empfing Papst Benedikt XVI. die österreichische Ski-Alpin-Nationalmannschaft am Samstag im Apostolischen Palast im Vatikan. Er würdigte die sportlichen Leistungen seiner Gäste und ermutigte jeden einzelnen, Vorbild zu sein, um andere anzuspornen, „in ihrer Lebenswelt für das Bleibende, für das Gute zu kämpfen und Athleten Christi zu sein, der den Menschen das wahre Leben schenken will.“



Dass es beim Skifahren um den Sieg geht, ist selbstverständlich. Aber wie ist das mit dem unvergänglichen Siegeskranz?

Die Spitzensportler bekundeten vor, während und nach der Audienz, dass es noch mehr gibt als den Jubel ob gewonnener Medaillen und dass auch sie als Stars, zu denen viele Menschen aufsehen, zu jemandem aufschauen: zum Heiligen Vater, dem Stellvertreter Christi.

Die persönliche Begegnung und die Gelegenheit, dem Papst die Hand zu schütteln und einige Worte mit ihm zu wechseln, war für jeden einzelnen ein ganz besonderer, überwältigender Moment, den jeder für sich bewahren und nie vergessen wird.

Auch ich selbst durfte dem Heiligen Vater begegnen und kurz mit ihm sprechen. Dabei habe ich in erster Linie die Grüße der Hörer von „Radio Maria Österreich“ überbracht, ihm unser intensives Gebet versichert und ihm für die Worte gedankt, die er uns bei seinem Besuch in Österreich (vgl. Tag 1, Tag 2, Tag 3 und Rückblick) geschenkt hat. Benedikt XVI. betonte die Bedeutung des Evangeliums für unsere Zeit und ermutigte uns, weiterhin durch diesen Dienst im Radio den Glauben zu stärken und in Gebet und Gemeinschaft zusammenzustehen. Wörtlich kann ich es nicht wiedergeben, denn der Augenblick war so intensiv, und ich war sehr aufgewühlt und bewegt. Einigen anderen ist es ähnlich ergangen.

Fasziniert hat mich, wie sehr die Sieger und Siegerrinnen von Abfahrtsläufen, Slaloms und anderen Skirennarten den Heiligen Vater achten und schätzen. So war dieser Tag für die österreichischen Rennläufer geprägt von Anspannung und Freude, großen Erwartungen, tiefer Ehrfurcht und sichtlicher Ergriffenheit. Gesamtweltcupsiegerin der Saison 2007/2007 Nicole Hosp, die vor Papst Benedikt eine kurze Ansprache halten durfte, bestätigte das: „Ich war schon ein bisschen aufgeregt. Es war ein ganz besonderes Gefühl, wenn er den Raum betritt – es ist fast eine Erscheinung. Wir haben die Leute beobachtet, und jedes Mal, wenn jemand vom Papst weggegangen ist, hat man das Lachen im Gesicht gesehen. Und da sieht man, dass es etwas Besonderes ist und einen Moment der Kraft gibt, und auch in seiner Ansprache war sicher für jeden etwas dabei, das er sich mitgenommen hat.“

Hermann Maier etwa hat für sich einiges mitgenommen, und das hat er auch im Interview für „Radio Maria“ gleich nach der Begegnung mit dem Heiligen Vater hervorgehoben: „Was der Papst über den Sport gesagt hat und über die Tugenden, das war sicherlich sehr, sehr gut. Es ist das Um und Auf, diese zu trainieren, und das ist auch im Sport das Schöne, wenn man diese mitnimmt.“ Außerdem sagte er: „Im Großen und Ganzen bin ich sicherlich ein gläubiger Mensch. Der Glaube ist etwas, auf das man sich verlassen kann und das Kraft gibt. Und dies war eine besondere Begegnung – wirklich einzigartig und kaum mit etwas zu vergleichen. (Man glaubt es erst, wenn’s soweit ist.) Es ist das Erlebnis für die nächsten zehn Jahre – vielleicht für das ganze Leben.“

Nach dem Besuch im Apostolischen Palast waren Sportler, Trainer, Betreuer und Journalisten eingeladen, an einer kurzen Führung durch den Petersdom teilzunehmen. Die Skifahrer haben sich für die Meisterwerke in der größten Kirche der Christenheit interessiert, und viele von ihnen verweilten vor dem Allerheiligsten in der Anbetungskapelle. Auch beim anschließenden Mittagessen in der österreichischen Botschaft beim Heiligen Stuhl war die Stimmung immer noch feierlich; eine andächtige Freude lag in der Luft.

Als beim Rückflug im Flugzeug die Fotos dieser Momente verteilt wurden, waren alle – einschließlich uns Journalisten, die wir ebenfalls dem Papst die Hand hatten geben dürfen – ganz enthusiastisch. Jeder konnte sehen, wie sehr er Benedikt XVI. angestrahlt hatte, und so manchem ist da noch einmal bewusst geworden, welche Ehre ihm zu Teil wurde.

Stark beeindruckt haben die Glaubenszeugnisse der Skistars, die in den Ansprachen von Nicole Hosp – „Für uns ist der Glaube etwas Wichtiges, zu dem wir uns bekennen!“ – und ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel – „In einer Zeit materieller Werte freut es mich besonders, dass unsere Sportler aktiv zu ihrem Glauben stehen!“ – zum Ausdruck kamen.

In allen Gesprächen und Interviews war es fast selbstverständlich, dass man zu seinem Glauben steht. Michael Walchhofer wollte nicht ausschließen, dass für ihn auch der Priesterberuf denkbar gewesen wäre. Er hat ja einen Onkel, der Priester und Rektor im Borromäum ist, und so sagte er schmunzelnd: „Gedanken hat man viele im Leben; es ist alles möglich. Ich wollte auch einmal Pistenfahrer werden. Aber bei mir hat es sich eben zum Skifahrer ergeben.“ Er erzählte mir auch, dass vom Heiligen Vater eine besondere Kraft ausgehe und dass die Begegnung mit ihm für einen Sportler, der seinen Glauben lebt, ein ganz besonderer Moment sei, bei dem auch die eigene Familie wie immer im Herzen mit dabei sei.

Manfred Pranger findet es sogar „cool“, sich klar zu seinem Glauben zu bekennen. „Ich habe den Glauben von den Eltern mitbekommen, und extrem gläubig bin ich seit etwa 15. In der Zeit, als es sportlich nicht so gut lief, hat mir der Glaube sehr geholfen. Aber auch im Privatleben zähle ich auf den Glauben.

Wenn man betet, fühlt man, dass es etwas ganz Besonderes ist, vor dem Papst zu stehen. Der Glaube bleibt für mich der gleiche, aber es war ein schönes Erlebnis, den Segen vom Papst zu bekommen und ihm die Hand zu schütteln – das bekommt nicht jeder, und das werde ich sicher für mich behalten.

Er hat uns gesagt, dass der Glaube über den Sport hinaus wichtig ist, und ich weiß, dass es nicht selbstverständlich ist, dass man eine gesunde Familie hat. Und wenn ich sehe, wie meine Tochter wächst und sich entwickelt, ist das für mich das Schönste.

Für mich ist der Glaube sehr viel wert, und das sage ich auch und dazu stehe ich. Auch wenn andere sagen, der Glaube ist nicht cool: Für mich persönlich ist der Glaube sehr viel wert, und wenn das dann andere auch anspornt, ist das umso besser!“

Wir können also nicht nur in sportlicher Hinsicht mächtig stolz sein auf die sympathischen und – ungeachtet ihrer Erfolge – doch bescheidenen Mitglieder der Österreichischen Alpinen Ski-Nationalmannschaft, die – wie es der Heilige Vater ausdrückte – „Botschafter dieser bedeutenden Ski- und Wintersportregion vor der Welt“ und „Integrationsfiguren“ in ihrer Heimat sind.