Wie kann ich lieben, den ich nicht kenne?

Imitatio Dei - Seminar zum interreligiösen Dialog zwischen Juden und Christen

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 413 klicks

Das Zentrum für den interreligiösen Dialog der Fokolarenbewegung hat gemeinsam mit Gruppen jüdischer Glaubensangehöriger ein Seminar zum jüdisch-christlichen Dialog mit dem Thema „Imitatio Dei“ organisiert, das vom 10. bis zum 13. Juni in Castel Gandolfo bei Rom stattfindet. An dem Seminar nehmen 12 Juden und 15 Christen teil, die unter anderem aus Argentinien, Uruguay, den USA und Italien stammen. Viele der Teilnehmer arbeiten außerdem an Projekten mit, die sich für den interreligiösen Dialog einsetzen.

„Heute haben die Möglichkeiten der Wechselwirkung zwischen den Kulturen beträchtlich zugenommen und geben Raum für neue Perspektiven des interkulturellen Dialogs – eines Dialogs, der, um wirkungsvoll zu sein, von den verschiedenen Gesprächspartnern als Ausgangspunkt das tiefe Bewusstsein ihrer spezifischen Identität verlangt“, wie Benedikt XVI. in seiner Enzyklika aus dem Jahr 2009 „Caritas in veritate“ feststellte. 

Das diesjährige im Seminar zur Diskussion gestellte Thema „Imitatio Dei“, so die Veranstalter, sei eines der Hauptthemen in der Heiligen Schrift und Grundlage für die Wahrnehmung des Menschen in seiner spirituellen, physischen und historischen Dimension.

Während der Pressekonferenz am Mittwoch, dem 12. Juni 2013, betonte Amelia Uelmen, Dozentin an der Fordham University in New York und Teilnehmerin des Seminars, dass die christlichen Werte eine Ressource für das Gemeinwohl sein könnten, und der interreligiöse Dialog, auch in Bereichen wie Arbeit und Forschung, nützlich sein könne. Der aus New York stammende Rabbiner Eric Tsyi Blanchard erklärte, dass der gemeinsame Dialog unerlässlich sei und der Weg oft nicht einfach. Hodara Rafael, Rabbiner aus Uruguay, stellte fest, dass Juden und Christen Gott zum gemeinsamen Vater hätten, und er unterstrich, wie wichtig es sei, einander kennen zu lernen. „Wenn es in beiden Religionen das Gebot der Nächstenliebe gibt, wie kann ich lieben, wen ich nicht kenne?“

Benedikt XVI. erklärte bei der Begegnung mit den Organisationen für den Interreligiösen Dialog am 11. Mai 2009 in Jerusalem: „Gemeinsam können wir Räume schaffen – Oasen des Friedens und der tiefen Reflexion –, wo man Gottes Stimme wieder hören kann, wo man seine Wahrheit in der Allgemeingültigkeit der Vernunft entdecken kann, wo jeder einzelne ungeachtet seiner Herkunft, ethnischen Zugehörigkeit, politischen Couleur oder seines religiösen Glaubens als Person, als Mitmensch geachtet werden kann. In einer Zeit des unmittelbaren Zugangs zur Information und sozialer Tendenzen, die eine Art Monokultur erzeugen, stärkt eine tiefe Reflexion auf dem Hintergrund von Gottes Gegenwart die Vernunft. Außerdem regt sie den schöpferischen Geist an, erleichtert die kritische Wertschätzung kultureller Bräuche und schützt den universalen Wert der Religion.“