Wie lange wird das Konklave dauern?

Das längste der vergangenen 150 Jahre erstreckte sich über fünf Tage

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Antonio Gaspari | 1080 klicks

Heute Nachmittag werden die 115 wahlberechtigten Kardinäle zum Konklave in die Sixtinische Kapelle einziehen, um mit den Abstimmungen zu beginnen und einen aus ihrer Mitte zum Papst zu wählen.

Es ist soweit. Nach zahllosen unerwarteten Wendungen, dem Amtsverzicht Benedikts XVI., der Einberufung der Kardinäle nach Rom und einer Woche intensiver Vorbereitungen bei den Generalkongregationen ist nun der Augenblick der Wahl gekommen.

Am Montag, dem 11. Februar 2013, vor genau einem Monat und einem Tag, verkündete Benedikt XVI. der Welt seinen Verzicht auf das Papstamt.

Das Kardinalskollegium reagierte auf die Nachricht zunächst mit Bestürzung, konnte die Kontrolle der Situation jedoch offenbar zurückgewinnen. Die Generalkongregationen verliefen ruhig; es kam zu offenen und lebhaften Redebeiträgen.

Die aussichtsreichsten Kandidaten, d.h., jene, die schon beim ersten Wahlgang eine signifikante Zustimmung für sich verbuchen können, wurden bereits identifiziert. Nun wird sich zeigen, wer als Erster das Mindestquorum von 77 Stimmen erreichen wird.

Über die mögliche Dauer des Konklaves besteht keinerlei Gewissheit. Doch angesichts der Abstimmungen über den Beginn des Konklaves, der offenbar zwischen einigen kontinentalen Gruppen getroffenen Vereinbarungen, der Gelassenheit verströmenden Wortmeldungen einiger Kardinäle sowie der Notwendigkeit, zur Feier der Karwoche in die jeweiligen Diözesen zurückzukehren, ist die Vermutung naheliegend, dass der neue Papst nach vier oder fünf Wahlgängen feststehen könnte.

Statistisch betrachtet vollzog sich die Wahl des Papstes in den vergangenen 150 Jahren innerhalb kürzester Zeit. So betrug die Dauer nicht weniger als zwei und nicht mehr als fünf Tage.

Aus der kürzesten Papstwahl gingen Leo XIII. (1878) und Pius XII. (1939) nach einem nur zweitätigen Konklave und drei Wahlgängen hervor. Pius XI. (1922) wurde nach einem fünftägigen Konklave und 14 Abstimmungen zum Papst gewählt.

Im Folgenden sind Details zur Wahl der römischen Päpste der letzten 150 Jahren in chronologischer Reihenfolge angeführt.

1846: Pius IX. (Giovanni Maria Mastai Ferretti) wurde nach nur vier Wahlgängen von 50 Kardinälen zum Papst gewählt.

1878: Leo XIII. (Vincenzo Gioacchino Pecci) ging nach einem zweitätigen Konklave und drei Wahlgängen als Papst hervor.

1903: Der hl. Pius X. (Giuseppe Melchiorre Sarto) wurde nach sieben Wahlgängen gewählt.

1914: Benedikt XV. (Giacomo della Chiesa) wurde nach zehn Wahlgängen zum neuen Oberhaupt der Kirche bestimmt.

1922: Pius XI. (Achille Ratti) wurde nach einem fünftägigen Konklave und 14 Wahlgängen auf den Stuhl Petri berufen. Es handelte sich um das längste Konklave der letzten 150 Jahre.

1939: Pius XII. (Eugenio Pacelli) stand nach zwei Tagen und drei Wahlgängen als Papst fest.

1958: Giovanni XXIII. (Angelo Giuseppe Roncalli) wurde nach 11 Wahlgängen gewählt.

1963: Paul VI. (Giovanni Battista Montini) wurde im sechsten Wahlgang zum neuen Papst gekürt. Bei seiner Wahl hatte sich die Anzahl der wählenden Kardinäle auf 80 erhöht.

August 1978: Johannes Paul I. (Albino Luciani) erhielt mit dem vierten Wahlgang die erforderliche Stimmenmehrheit. 111 Wahlberechtigte beteiligten sich an der Wahl.

Oktober 1978: Der selige Johannes Paul II. (Karol Wojtyla) wurde nach acht Wahlgängen zum Papst.

2005: Benedikt XVI. (Joseph Ratzinger) wurde nach vier Wahlgängen unter der Beteiligung von 115 Wählern bestimmt.