Wie man heute Exorzist wird

Gespräch mit dem Autor des Buches „The Rite“ („Das Ritual“)

| 4759 klicks

Von Pater Alfonso Aguilar, LC

ROM, 6. April 2011 (ZENIT.org).- Gibt es den Teufel? Pater Gary Thomas aus der Diözese San Jose, Kalifornien, dachte früher, dass der Glaube an die Existenz des Teufels eine archaische und abergläubische Weise darstelle, den Glauben zu leben.

Pater Thomas, Pfarrer der Herz-Jesu-Kirche in Saratoga, wurde von seinem Bischof nach Rom gesandt, um an Päpstlichen Universität die Ausübung des Amtes eines Exorzisten zu erlernen. Durch den Unterricht bei einem berühmten Exorzisten und die Ausbildung durch einen Priester in Rom erlebte Pater Thomas selbst, dass es das personale Böse gibt, und dass es allgegenwärtiger ist, als er sich jemals hätte vorstellen können. Er führte mehr als 80 Exorzismen durch und wurde zum offiziellen Exorzisten der Diözese San Jose ernannt.

Dies ist die Geschichte, die das 2009 erschienene Buch „The Rite: The Making of a Modern Exorcist“ (Die Schule der Exorzisten: Eine Reportage, Sankt Ullrich Verlag, Augsburg 2010) von Matt Baglio erzählt. Angeregt durch eine wahre Begebenheit wird in „The Rite“ dem Weg eines skeptischen Priesters nachgegangen, der dann selbst ein Exorzist wird. In die Geschichte wurden die traditionellen theologischen Vorstellungen über die Dämonen eingeflochten,  bewegende Erfahrungen von besessenen Menschen, die sozusagen magische Kraft des Exorzismus-Ritus und der Einfluss mit dem Teufel in Person von Angesicht zu Angesicht.

Von dem Buch inspiriert wurde der Spielfilm „The Rite – Das Ritual“ gedreht, der seit dem 28. Januar in den amerikanischen Kinos läuft, mit keinem geringeren als Anthony Hopkins in der Hauptrolle. Unter der Regie von Mikael Håfström („1408“) wird „The Rite“ zu einem übernatürlichen Thriller, in dem sich die Reichweite des Teufels bis auf einen der heiligsten Orte der Welt ausdehnt.

Am 20. und 21. Januar, eine Woche vor dem Anlaufen des Films in den US-Kinos, sprach ZENIT mit P. Thomas über seine Berufung zum Dienst des Exorzismus, über seine Erfahrungen in den vergangenen Jahren in der Arbeit mit Menschen, die um seine Hilfe baten, und über die weite Verbreitung von dämonischen Einflüssen in unserer heutigen Gesellschaft.

Sowohl Pater Thomas wie Matt Baglio waren eingeladen worden, um bei den Dreharbeiten und der Produktion des Films beratend tätig zu sein. „Ich war bei den Dreharbeiten für eine Woche mit den Schauspielern zusammen“, sagte Pater Thomas, „und ich gab ihnen Anregungen im Hinblick auf das Verhalten bei einem Exorzismus und wie dessen Erscheinungsformen aussehen. Zum Beispiel lehrte ich Anthony Hopkins, wie er von rechts nach links und nicht von links nach rechts zu segnen hat, und viele andere Kleinigkeiten. Der Produzent Beau Flynn und der Regisseur Mikael Håfström wollten dies, um höchst präzise zu sein, und ich ebenso.“

Nach Angaben des kalifornischen Priesters ist „The Rite“ kein typischer Hollywood-Unterhaltungsfilm. „Es ist wirklich ein Film über den Glauben. Es ist kein blutrünstiger Film und kein Horrorfilm; es gibt keine grüne Erbsensuppe oder keine Köpfe, die um Körper gewirbelt werden.“

Notwendige Aufklärung

Pater Thomas äußerte die Überzeugung, dass das Lernen über Exorzismen heute mehr denn je notwendig sei, da es mehr Katholiken gebe, die sich mit Heidentum, Götzendienst und Okkultem (Hellsehen, Tarot-Karten, Ouija-Boards, Kristalle, Wicca, Séancen und dergleichen) beschäftigten, so dass es viele Menschen gewiebe, die Türen für das Teuflische öffneten.

Gewisse Anzeichen wiesem auf eine mögliche dämonische Aktivität in einem Menschen hin. Beispielsweise, „Wenn jemand in der Lage ist, in einer Sprache zu sprechen, die er vorher nicht gesprochen hat, wenn jemand Schaum vor dem Mund hat oder seine Augen sich sehr oft bewegen“, erklärte Pater Thomas.

Ein weiteres Zeichen für eine teuflischen Einfluss könne daran erkannt werden, „dass die Person nicht in der Lage ist, in eine Kirche zu gehen oder sich  allen katholischen Sakramenten und Sakramentalien verschließt: Weihwasser oder Kruzifix, dem Sakrament der Eucharistie, dem Sakrament der Krankensalbung oder jeglichem Tragen eines christlichen Symbols. Wenn diese eine Abwehrhaltung hervorrufen, kann es ein sichtliches Zeichen dafür sein.“

Ein anderes Zeichen könne „in einer unnatürlichen Menge von Kraft eines Menschen bestehen, die er normalerweise nicht besitzen kann. Manchmal nehmen Menschen ein schlangenartiges Aussehen an, ebenfalls als Reaktion auf Sakramente und Sakramentalien.“

Am heutigen Donnerstag hat Baglio seinen Roman an jener Universität vorgestellt, an der die Geschichte begann: der Päpstlichen Universität Regina Apostolorum, Via degli Aldobrandeschi 190, in Rom.

Die Veranstaltung wurde vom Pascal-Center, einer apologetischen Vereinigung, zusammen mit der Europäischen Universität Roms organisiert. Der namhafte spanische Exorzist Pater José Antonio Fortea und Pater Pedro Barrajón, Rektor der Päpstlichen Universität Regina Apostolorum und theologischer Experte für Dämonen, nahmen an der Vorstellung teil.

„Die Idee dazu entstand, als ich von einem universitären Kurs an einer dem Vatikan affiliierten Hochschule gehört hatte, bei dem angeboten wurden, zukünftige Exorzisten auszubilden“, so Baglio. Als freier Journalist, der in Rom lebt, dachte ich, es könne sich nur um einen PR-Gag handeln. Das Einzige, was ich über Exorzismus wusste, war das, was ich in Hollywoodfilmen wie 'Der Exorzist' gesehen hatte, und ich fragte mich, wie die katholische Kirche immer noch daran glauben könnte.“

Unter diesen Umständen traf Baglio mit Pater Thomas zusammen und erfuhr mehr über seinen spirituellen Weg. „Bei der Teilnahme an dem Kurs erkannte ich, dass die Wirklichkeit des Exorzismus weit anders aussieht, als ich es mir vorgestellt hatte.“

Gradliniger Journalismus

Baglio wurde in San Diego, Kalifornien, geboren und wuchs dort auf. Er studierte an der Kalifornischen Universität Santa Barbara und schloss 1996 mit dem Bachelor-Abschluss in englischer Literatur ab. Nach einer kurzen, internen und redaktionellen Mitarbeit beim „TransWorld SNOWboarding“ Magazin zog Baglio nach Los Angeles, um als Freiberufler weiterzuarbeiten.

Um seinen Horizont zu erweitern, unternahm Baglio im Jahre 2000 eine Reise nach Europa, auf der er in Rom seine zukünftige Frau kennenlernte. Kurz danach zog er dauerhaft nach Italien. Während des Jahres arbeitet er für eine Vielzahl von Nachrichtenorganisationen und Zeitschriften, darunter „The Associated Press“, „The American Magazine“, „The Snowboard Journal“, „COLORS“, „Bene“ und „Homeland Security Today“ sowie für viele andere.

Baglios Interessen sind mannigfaltig und durch seine Arbeit hat er sich mit vielfältigen Themen auseinandergesetzt, wie der Politik des Vatikans, der Anti-Mafia-Polizei, den Olympischen Spielen und den satanischen Kulten. Derzeit lebt er in Rom mit seiner Frau und seinem Sohn. „The Rite“ ist sein erstes Buch.

Der Roman regt die Gläubigen und die Agnostiker dazu an, die unleugbare Existenz des Teufels auf eine neue Weise zu betrachten. In diesem Sinne gehört es zu dem seltenen und geschätzten Genre jener Bücher, die es vermögen, den Leser auf die eine oder andere Weise zu verändern.

„Die Absicht dieses Buches besteht nicht darin, eine Art des Glaubens über eine andere zu stellen, sondern darin, detailliert den Weg eines Priesters von einem rationalen Skeptiker zu einem praktizierenden Exorzisten darzustellen“, erklärte Baglio. „Mir lag nicht daran, mit einer vorgefassten Einseitigkeit zu schreiben, deshalb ist das Buch in einem gradlinigen journalistischen Stil verfasst worden, das heißt, ich respektiere den Glauben und die Zeugnisse aller Seiten, einschließlich der medizinischen Wissenschaft.“

Aus theoretischer Sicht ist es sinnvoll zu glauben, dass, wenn die Existenz eines höheren Guten postuliert wird, die Personifizierung des Bösen vom Menschen unter bestimmten Umständen wahrgenommen werden können.

„Sei vorsichtig, Michael, die Entscheidung, nicht an den Teufel zu glauben, wird dich nicht vor ihm schützen“, sagt Pater Lucas Trevant (Anthony Hopkins) in dem Film.

Die grundlegende Frage, die wir alle bei der Lektüre des Buches  beantworten müssen, lautet wie der Titel der offiziellen Website des Films „Was glaubst du?“

[Übersetzung aus dem Englischen von Iria Staat]