Wie man zer werlte solte leben

Impuls zum 18. Sonntag im Jahreskreis

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 909 klicks

Im Sonntagsevangelium will der Herr uns zwei Gedanken nahe bringen.

Der erste ist der, dass er “den heiligen Dingen einen heiligen Namen geben will und den weltlichen Dingen einen weltlichen Namen”. Mit einfachen Worten ruft uns Jesus dazu auf, Weltliches und Geistliches zu trennen. Bei anderer Gelegenheit wird er sagen: “Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist” (Lk 20,25). Als jemand ihn auffordert, zwischen ihm und seinem Bruder den Schiedsrichter zu spielen, gibt der Herr ihm eine ziemlich barsche Abfuhr: “Mensch, wer hat mich zum Richter oder Schlichter bei euch gemacht?” (Lk 12,14) Und recht deutlich macht er darauf aufmerksam, dass es bei den meisten Streitereien doch nur um den schnöden Mammon geht. “Hütet euch vor jeder Art von Habgier!” (Lk 12,15).

Worum es dem Herrn immer, also auch diesmal, geht, ist im Grunde leicht zu verstehen, und dies ist der zweite Gedanke, den dieses Evangelium uns vermitteln will. Jesus will uns auf die einfache Tatsache hinweisen, dass unser Leben hier auf Erden nicht ewig währt.

Das weiß natürlich jeder Mensch, der ein Minimum von Denkvermögen besitzt. Und dennoch benehmen sich die meisten Menschen, auch die Christen, als würden sie immer hier bleiben. Der Mann im Gleichnis trifft kluge Vorsorge, dass seine gute Ernte sorgfältig aufbewahrt wird und ihm noch lange Zeit zur Verfügung steht. Nach normalem menschlichen Ermessen ist das ja auch gut gedacht. Es ist aber auch ganz im Sinne des Herrn, dass wir die irdischen Angelegenheiten in Ordnung halten.

Der Mann im Gleichnis aber begeht den kapitalen Fehler, dass ihm nur die irdischen Angelegenheiten wichtig sind und das ewige Leben ihn gar nicht interessiert. Dabei verliert er nicht nur die Vergänglichkeit des Irdischen aus dem Auge. “Ruh dich aus, iss und trink und freu dich des Lebens!” (Lk 12,18) Er vergisst vollkommen, dass das Leben auch plötzlich enden kann, nicht erst wenn man schon alt ist. Ziemlich drastisch führt ihm der Herr vor Augen, dass dann alles Planen und Arbeiten sinnlos geworden ist.

Noch einmal: der Herr sagt nicht, dass wir nicht arbeiten und vorsorgen sollen. Im Gegenteil, wir sollen in der Arbeit sogar ein Mittel der Heiligung sehen. Auch heute noch ist es für viele Menschen die Entdeckung ihres Lebens, wenn sie feststellen, dass man nicht nur im Gebet, sondern auch in der Arbeit Gott begegnen kann.

Aber was immer vorhanden sein soll, ist der übernatürliche Blick auf die Dinge dieser Welt. Der natürliche genügt nicht. Wenn wir die Begrenztheit aller Dinge auf Erden vor Augen haben, wird uns klar: “Wir haben hier keine bleibende Stätte” (Hebr. 13,14).

Das ist sicher das Problem der Wohlstandsgesellschaft, dass sie sich hier doch eine “bleibende Stätte” einrichtet, komfortabel ausgestattet und vor allem gut versichert. Welcher Christ denkt, wenigstens gelegentlich, daran: “Unsere Heimat ist im Himmel” (Phil. 3,20). Dabei liegt hier – auch wenn wir es geflissentlich ignorieren – die ganz große Verheißung. Das Wort von der “nicht bleibenden Stätte” ist realistisch, aber zunächst negativ. Die Ergänzung, dass nämlich alles das, was wir uns unter Heimat vorstellen, hier aber auf Erden kaum einmal erleben, im Himmel uns geschenkt wird. Warum nur sind wir so verblendet und machen uns so wenig aus den herrlichen Geschenken, die unser Vater Gott uns macht?

Manch einer erinnert sich noch an den Deutsch-Unterricht damals im Gymnasium, als wir das wunderbare Gedicht von Walter von der Vogelweide kennen lernten mit seiner zeitlos gültigen Frage: „wiemanzerwerltesolteleben“.

Wie man sein Leben hier auf Erden gestalten soll, sagt uns allein der Glaube. Einerseits sind wir keine Fremdlinge auf Erden, wir „lieben die Welt leidenschaftlich“ (Hl. Josefmaria Escrivá) und sollen sie gestalten (und tatsächlich sollen wir Christen das in die Hand nehmen, denn wir es nicht tun, tun es die anderen – aber anders), andererseits aber liegt vor uns etwas unendlich Größeres und Schöneres, was mit dem Wort Himmel nur allzu unvollkommen benannt ist.

Ist nicht bei dieser Sicht der Dinge das Leben des Christen herrlich?

Die Frage ist also nicht: Diesseits oder Jenseits?

Sondern Diesseits und Jenseits.

Aber immer mit dem übernatürlichen Blick auf die Dinge. Maria ist Mutter Jesu und Mutter Gottes. Sie zeigt uns, wie sich menschliche und übernatürliche Sicht der Dinge vereinigen lassen und wir dadurch wirklich „vor Gott reich sein“ (Lk 12,21) können.

Ich wünsche Ihnen eine angenehme und gesegnete Ferienzeit und gute Erholung für Leib und Seele! Pfr.v.Steinitz

Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt “ und „Leo - Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich).