Wie sollte der Bußakt eingeleitet und vollzogen werden?

Die Stille gehört sicherlich zum Ritus, kann ihn aber nicht ersetzen

Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 531 klicks

P. Edward McNamara, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet Leserfragen.

P. Edward McNamara: In Bezug auf unseren Artikel über den Bußakt (14. Juni) standen noch ein paar Fragen offen, die ich gerne bei dieser Gelegenheit behandelt hätte.

Ein Leser aus Maryland stellte folgende Frage: „In einer Pfarrei begann die hl. Messe mit der Begrüßungsformel, worauf dann das Tagesgebet folgte. Es gab also keinen Bußakt. Später wurde mir gesagt, dass der Bußakt in dieser Pfarrei schweigend gehalten würde. Darf aber der Bußritus bei der hl. Messe allein im Schweigen vollzogen werden?“

Ein weiterer Leser aus Pennsylvania wollte wissen: „Statt einer der im Römischen Messbuch angegebenen alternativen Formen des Bußritus benutzt unser Pfarrer eigene Worte, meistens um über das Tagesevangelium oder den Festtag zu sprechen. In dem Moment also, in dem wir uns eigentlich unserer Sündhaftigkeit erinnern und ,bekennen‘ sollten, ,dass wir gesündigt haben‘, denkt er mit uns über die Botschaft des Evangeliums, den Tagesheiligen usw. nach. Ich habe ihn daraufhin angesprochen und er meinte, dass es Alternativen gäbe und dass dies eine davon wäre.“

Ich möchte hierzu noch einmal die einschlägige Vorschrift aus der Grundordnung des Römischen Messbuchs (Nr. 51) zitieren:

„Dann lädt der Priester zum Bußakt ein; er wird nach einer kurzen Stille von der ganzen Gemeinschaft mit den Worten des Allgemeinen Schuldbekenntnisses vollzogen und durch die Vergebungsbitte des Priesters abgeschlossen, die jedoch nicht die Wirkung des Bußsakramentes besitzt.“

„Am Sonntag, vor allem in der Osterzeit, kann anstelle des üblichen Bußaktes, wenn es möglich ist, zum Gedächtnis an die Taufe die Segnung des Wassers und die Besprengung damit vollzogen werden.“

Außerdem heißt es unter Nr. 31 derselben Grundordnung: „Dem Priester, der das Amt des Vorstehers der Versammlung ausübt, kommt es ebenso zu, einige im Ritus selbst vorgesehenen Hinweise zu geben. Wo die Rubriken dies festlegen, darf der Zelebrant die Hinweise bis zu einem gewissen Grad anpassen, damit sie der Auffassungsgabe der Teilnehmenden entsprechen. Der Priester hat aber dafür zu sorgen, dass er am Sinn des Hinweises, so wie er im Messbuch vorgegeben ist, immer festhalte und ihn mit wenigen Worten zum Ausdruck bringe. Dem Priester als Vorsteher obliegt es auch, die Liturgie des Wortes Gottes zu leiten und den Schlussegen zu erteilen. Er kann außerdem nach dem eröffnenden Gruß und vor dem Bußakt mit ganz kurzen Worten die Gläubigen in die Messe des Tages einführen, vor den Lesungen in die Liturgie des Wortes, in das Eucharistische Hochgebet vor der Präfation, niemals aber während des Eucharistischen Hochgebetes selbst. Vor der Entlassung kann er die ganze heilige Handlung mit einem kurzen Wort beschließen.“

In den Rubriken, die diesen Ritus begleiten, heißt es: „Der Priester, …, kann eine knappe Einführung in die Feier geben.“ und: „Es folgt das allgemeine Schuldbekenntnis mit Einladung und Stille.” Und jeweils nach den drei angegebenen Einladungsformen erscheint die Maßgabe: „Oder: Eine andere, frei formulierte Einladung.“

Für diese letzte Alternative kann also gültig optiert werden. Es sei nur bemerkt, dass im lateinischen Messbuch die Möglichkeit, die Einleitung zum Bußakt frei zu formulieren, nicht vorgesehen ist. Wenn neue Übersetzungen approbiert und eingeführt werden, muss daher beachtet werden, welche Maßgabe diese geben.

Es gibt also verschiedene Aspekte, die hierbei zu beachten sind.

Zunächst einmal gehört die Stille sicherlich zum Bußakt. Doch die Normen enthalten nichts, was darauf hinweisen würde, dass der Ritus durch einen Moment des Schweigens ersetzt werden könne, – also dass er jeder Einleitung, jedes allgemeinen Schuldbekenntnisses und jeder Vergebungsbitte entbehren dürfe.

Bisweilen, so zum Beispiel wenn der hl. Messe andere Riten wie der Feier eines Sakraments oder des Stundengebets vorausgehen, sehen die Rubriken die Möglichkeit eines Wegfalls des Bußaktes vor. Das trifft jedoch nicht auf den an erster Stelle erwähnten Fall zu.

Im zweiten Fall scheint der Priester die Möglichkeit, eine kurze Einleitung in die Tagesmesse zu geben, unmittelbar mit der Option zu verbinden, eine „frei formulierte Einladung“ zu benutzen, um den Bußritus einzuleiten.

Er ist natürlich völlig frei, beides zu tun, doch sollte er beide Elemente wohl voneinander unterscheiden. Wie es im oben aufgeführten Text aus der Grundordnung heißt (Nr.31), hat der Priester bei der Benutzung alternativer Formulierungen dafür zu sorgen, „dass er am Sinn des Hinweises, so wie er im Messbuch vorgegeben ist, immer festhalte und ihn mit wenigen Worten zum Ausdruck bringe.“

Übersetzt von P. Thomas Fox, LC, aus dem englischen Originalartikel Mass in 2 Languages and More on the Penitential Rite