"Wie viel Hilfe braucht doch ein Bischof, ein Kardinal, ein Papst!"

Die Worte des Papstes beim Angelus-Gebet

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 457 klicks

Papst Franziskus zeigte sich heute um 12.00 Uhr am Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast, um gemeinsam mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern das Angelus-Gebet zu sprechen.

Zur Einführung in das Mariengebet sprach der Papst die folgenden Worte, die wir hier in einer eigenen Übersetzung dokumentieren.

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[Vor dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

In der zweiten Lesung des heutigen Sonntags ermahnt Paulus: „Es soll sich niemand eines Menschen rühmen. Denn alles gehört euch; Paulus, Apollos, Kephas, Welt, Leben, Tod, Gegenwart und Zukunft: Alles gehört euch; ihr aber gehört Christus und Christus gehört Gott“ (1 Kor 3,23). Warum spricht der Apostel diese Worte? Das Problem, das er hier zu lösen versucht, sind die Spaltungen innerhalb der Gemeinde von Korinth. Denn es hatten sich Gruppen herausgebildet, die sich auf die einzelnen Prediger bezogen und sie als ihre Oberhäupter ansahen. Die Menschen sagten: „Ich halte zu Paulus - ich zu Apollos - ich zu Kephas …“ (1 Kor 1,12). Paulus erklärt ihnen, dass diese Denkweise falsch ist, weil die Gemeinde nicht den Aposteln gehört, sondern die Apostel der Gemeinde; die Gemeinde in ihrer Gesamtheit jedoch gehört Christus!

Aus dieser Zugehörigkeit ergibt sich, dass in den christlichen Gemeinden – Diözesen, Pfarreien, Vereine, Bewegungen – die Unterschiede nicht der Tatsache widersprechen dürfen, dass wir alle durch die Taufe dieselbe Würde besitzen: In Jesus Christus sind wir alle Kinder Gottes. Darin besteht unsere Würde: Wir alle sind Kinder Gottes in Jesus Christus. Wer ein Amt der Lehre, des Predigens, der Verwaltung der Sakramente innehat, dürfen sich nicht als Eigentümer besonderer Vollmachten betrachten; nicht als Herren, sondern als Diener gehören sie der Gemeinde an und helfen ihr, mit Freude den Weg zur Heiligkeit zu gehen.

Die Kirche gibt dieses Zeugnis eines pastoralen Lebensstils heute an die neuen Kardinäle weiter, mit denen ich heute Morgen die heilige Messe gefeiert habe. Lasst uns die neuen Kardinäle mit einem Applaus begrüßen! Das gestrige Konsistorium und die heutige Eucharistiefeier haben uns eine kostbare Gelegenheit gegeben, mit eigenen Augen zu sehen, wie katholisch, wie universal die Kirche ihrem Wesen nach ist, denn die Mitglieder des Kardinalskollegiums, die in tiefer Zusammengehörigkeit um den Nachfolger Petri versammelt sind, kommen aus allen Ländern der Welt. Möge der Herr uns die Gnade gewähren, alle zusammen für die Einheit der Kirche zu arbeiten, diese Einheit zu errichten, denn die Einheit ist wichtiger als die Spaltungen! Die Einheit der Kirche kommt von Christus; die Spaltungen sind Probleme, die nicht immer mit Christus zu tun haben.

Die Momente der Liturgie und der Feier, die wir in diesen Tagen zusammen erlebt haben, sollen dazu dienen, in uns allen den Glauben und die Liebe zu Christus und seiner Kirche zu stärken! Ich lade euch auch dazu ein, diese Hirten zu unterstützen und ihnen durch euer Gebet beizustehen, damit sie immer mit Eifer das Volk leiten, das ihnen anvertraut wurde, und allen die Liebe und Zärtlichkeit des Herrn zeigen mögen. Wie viel Hilfe braucht doch ein Bischof, ein Kardinal, ein Papst, um seinerseits fähig zu sein, dem Volk Gottes auf seinem Weg zu helfen. Ich sage „helfen“; damit meine ich, dem Volk Gottes dienen, denn die Berufung eines Bischofs, Kardinals oder Papstes ist diese: ein Diener zu sein, im Namen Christi zu dienen. Betet für uns, damit wir gute Diener werden: gute Diener, nicht gute Herren! Wir alle gemeinsam, Bischöfe, Priester, geweihte Menschen und Laien, müssen das Zeugnis einer Kirche bieten, die Christus treu ist, beseelt vom Wunsch, den Menschen zu dienen, und bereit, mit prophetischem Mut den Erwartungen und Bedürfnissen der Männer und Frauen unserer Zeit entgegenzugehen. Die Muttergottes begleite und beschütze uns auf diesem Weg.

[Nach dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern!

Ich grüße alle anwesenden Pilger, besonders die, die wegen des Konsistoriums gekommen sind, um die neuen Kardinäle zu begleiten, und ich danke herzlich allen Ländern, die durch staatliche Delegationen an diesem Ereignis teilgenommen haben.

Ich grüße die Studenten aus Toulouse und die Gemeinde der in Italien ansässigen Venezolaner.

Ich grüße die Gläubigen aus Caltanissetta, Reggio Calabria, Sortino, Altamura, Ruvo und Lido degli Estensi, die Jugendlichen aus Reggio Emilia und jene aus der Diözese Lodi; den Fahrradverein aus Agrigent und die Freiwilligen des Katastrophenschutzes der Provinz Padua.

Allen wünsche ich einen schönen Sonntag und gesegnete Mahlzeit. Auf Wiedersehen!

[Aus dem Italienischen übersetzt von Alexander Wagensommer]