Wie viel können wir lernen von Afrika!

Beschenkt mit Gastfreundschaft und Herzlichkeit - Eindrücke aus Tansania

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Von Johanna Hulatsch*



DODOMA, 3. Dezember 2008 (ZENIT.org).- Es ist kurz nach halb sieben in der Früh, vor wenigen Augenblicken ist die Sonne aufgegangen über der kleinen Pfarrei Uomboni, die schon ziemlich weit oben am Kilimanjaro liegt. Eine wunderschöne Region – mit saftig grünen Wiesen, vielen Bananen- und Maisplantagen, Wasserfällen, tropischen Wäldern und dem Blick auf den höchsten Berg Afrikas und seinen verschneiten Gipfel.

Die Kirche ist schon halbvoll mit Gläubigen: ein buntes Treiben, denn hier oben im Kilimanjaro-Gebirge ist die Luft dünn, und es ist kalt. Deshalb sind die Menschen in ihre traditionellen bunten Tücher gewickelt. Viele alte Menschen sind dabei, klein und gebückt, mit einem Schmunzeln im Gesicht, das zwar heimlich und geheimnisvoll, aber – wenn man ihnen zulächelt – mindestens ebenso hell leuchtet wie ihre bunten Tücher. Es ist selten, so viele alte Menschen zu sehen, wo die Lebenserwartung doch nur um die 45 Jahre ist und mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Tansania unter 15 Jahre alt ist.

Sie sind zufrieden, weil sie zur Messe kommen können und ihren Tag mit Gott beginnen dürfen. Wohl haben sie heute noch nicht gegessen, und wahrscheinlich wissen viele nicht, ob sie heute essen werden, aber das ist jetzt nicht wichtig. Jetzt sind wir beim Herrn!

Im Anschluss an die einfache, aber schöne Messe bittet der Priester mich noch spontan, den Menschen von „Radio Maria“ zu erzählen. Deshalb bin ich gekommen – weil wir hier eine neue Sendeanlage aufgestellt haben, um den Bewohnern dieser Region das Wort Gottes zu verkünden. Die Freude ist groß, und sie sind auch ein wenig stolz, dass der Sendemast in ihrer Pfarrei steht. Sie werden gut auf ihn aufpassen. Und ihre Herzen sind spätestens in dem Moment ganz aufgegangen, als ich nach meinen wenigen Sätzen noch auf Suaheli sage, dass ich die Muttergottes liebe… Da haben wir etwas gemeinsam!

Mir fallen die Worte Jesu ein: „Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen; ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war krank, war im Gefängnis, und ihr habt mich besucht.“ Überall in Afrika habe ich das Gefühl, dass ich als Gast so aufgenommen werde, wie sie den Herrn selbst empfangen würden. Wie berührt es zu sehen, dass sie alles auftischen, sogar die Vorräte für die nächsten Tage, ohne zu wissen, was sie dann essen werden. Es ist so stark zu sehen, dass sie in ihrer Gastfreundschaft nichts zurückbehalten und dann noch einmal an diese Bibelstelle zu denken…

Ich hab viel mehr und müsste helfen, und doch bin ich immer die, die beschenkt wird! Beschenkt mit Gastfreundschaft und Herzlichkeit, beschenkt durch ein neues Gefühl für das, was wirklich wesentlich ist für das Leben, beschenkt mit einer neuen Sehnsucht nach Einfachheit. Wie viel können wir lernen von Afrika!

* Die Autorin, Mitarbeiterin von Radio Maria Österreich, ist gegenwärtig Geschäftsführerin von Radio Maria Tansania, das sich im Aufbau befindet. Sie hat auch einen eigenen Blog: http://johannainafrika.blogspot.com