Wie viele Katholiken es bei uns gibt, weiß nur der liebe Gott

Interview mit Pater Vladimir Fekete aus Aserbaidschan

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MÜNCHEN, 25. Mai 2012 (ZENIT.org). - Am Samstag wird in Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, der Sieger des „Eurovision Song Contest“ ermittelt. In dem muslimisch geprägten Land leben auch Katholiken. Karl-Georg Michel von „Kirche in Not“ hat mit Pater Vladimir Fekete gesprochen. Der Salesianerpater stammt aus der Slowakei und ist Apostolischer Präfekt in Aserbaidschan.

KIN: Seit wann leben in Aserbaidschan schon Christen?

P. Fekete: Wir haben eine lange Geschichte, die bis in die Zeit der frühen Kirche zurückreicht. Das Christentum fand seinen Weg direkt von Jerusalem hierher zu uns. Der kirchlichen Tradition zufolge hat uns der Apostel Bartholomäus das Evangelium gepredigt. Er wurde in Baku getötet.

KIN: Aber das Christentum ist eine kleine Gemeinschaft. Welchen Glauben hat die Mehrheit der Bevölkerung?

P. Fekete: Die große Mehrheit sind Muslime – vielleicht 90 bis 95 Prozent der Bevölkerung. Der Islam gehört zur Tradition unseres Landes, wobei sehr viele ihre Religion gar nicht oder nur sehr selten praktizieren. Zwischen drei und vier Prozent der Bevölkerung sind Christen, die überwiegend der russisch-orthodoxen Kirche mit mehreren hunderttausend Mitgliedern angehören. Außerdem gibt es noch einige zehntausend Juden. Aserbaidschan ist ein demokratischer säkularer Staat, der Religion als Privatsache betrachtet.

KIN: Wenn Religion als Privatsache gilt: Gibt es in Aserbaidschan Religionsfreiheit?

P. Fekete: Religionsfreiheit wird von der Verfassung des Landes garantiert. Alle Kirchen können eine staatliche Registrierung als Nichtregierungsorganisation erhalten, sofern sie gewisse Bedingungen erfüllen – religiöse Veranstaltungen dürfen laut Verfassung zum Beispiel nur innerhalb der offiziellen kirchlichen Räume stattfinden. Allerdings konnten diese Einschränkungen mit dem Konkordat aufgehoben werden, das im vergangenen Jahr zwischen dem Heiligen Stuhl und Aserbaidschan unterzeichnet wurde. Aserbaidschan ist stolz, ein Land mit großer Toleranz und wirklich guten Beziehungen zwischen den traditionellen Religionen zu sein.

KIN: Im Mai 2002 hat Papst Johannes Paul II. Aserbaidschan besucht. Welchen Einfluss hatte dieser Besuch auf das Verhältnis zwischen Staat und katholischer Kirche?

P. Fekete: Der Besuch war für die Katholiken in Aserbaidschan ein sehr glücklicher Moment und hatte mindestens drei wichtige Früchte: Die Bevölkerung konnte und kann seitdem im staatlichen Fernsehen die katholische Kirche kennen lernen. Durch den Besuch wurden wir außerdem als eine Kirche bestätigt, die traditionell zu Aserbaidschan gehört. Was aber vielleicht am wichtigsten ist: Staatspräsident Heydar Alijew hat uns damals ein Grundstück für den Bau einer neuen katholischen Kirche in Baku geschenkt. Die neu gebaute Kirche wurde im Jahre 2007 geweiht. Wir sind "Kirche in Not" sehr für die großzügige Unterstützung beim Bau der Kirche und unseres Pastoralzentrums dankbar. Unsere alte Kirche wurde 1931 von den Bolschewiken in die Luft gesprengt, Pfarrer Stefan Demurow und andere Gläubige wurden in der Zeit des Kommunismus ermordet. Wir glauben, dass das Blut dieser Märtyrer das Fundament für unsere Zukunft ist.

KIN: Wieviele Katholiken leben denn heute in Aserbaidschan?

P. Fekete: Es gibt im ganzen Land mit seinen rund neun Millionen Einwohnern nur diese eine Pfarrei hier in Baku. Wir sind seit dem Jahr 2000 kirchenrechtlich unabhängig und wurden mit dem Konkordat im August 2011 als "Apostolische Präfektur der Katholischen Kirche" bestätigt. Vorher haben wir zum Bistum Tiflis in Georgien gehört. Wie viele Katholiken es bei uns gibt, kann ich nicht sagen. Das weiß nur der liebe Gott …, aber im Taufmatrikel verzeichnen wir mehr als 300 getaufte Einheimische. Hinzu kommen noch die vielen ausländischen Katholiken, die in Aserbaidschan leben und arbeiten. Manche von ihnen sind praktizierende Katholiken. Betreut werden die Katholiken von uns Salesianern Don Boscos. Zurzeit sind wir hier fünf Patres und drei Laienbrüder. Außerdem gibt es noch eine Gemeinschaft der Schwestern von Mutter Teresa von Kalkutta.

KIN: Was sind die Schwerpunkte in Ihrer pastoralen Arbeit?

P. Fekete: Als Hauptaufgabe unserer Mission sehen wir es an, die Katholiken zu begleiten und zu befähigen, damit sie die Werte des Christentums und des Evangeliums in die Gesellschaft einbringen können. Ganz besonders liegen uns dabei Kinder und Jugendliche am Herzen: Wir haben hier ein Jugendzentrum, in dem wir ihnen eine schulische und berufliche Grundausbildung vermitteln.