"Wie weh die Gleichgültigkeit der Menschen den Bedürftigsten tut!"

Die Worte des Papstes beim heutigen Angelus-Gebet

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 414 klicks

Heute um 12.00 Uhr zeigte sich der Heilige Vater Franziskus am Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast des Vatikans, um gemeinsam mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern den sonntäglichen Angelus zu beten.

Zur Einführung in das Mariengebet sprach der Papst die folgenden Worte.

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[Vor dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Das heutige Sonntagsevangelium enthält die folgende Einladung Jesu: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen“ (Mt 11,28). Während Jesus dies sagt, denkt er an jene Menschen, denen er jeden Tag auf den Straßen von Galiläa begegnet: Darunter befinden sich viele einfache, arme und kranke Menschen, viele Sünder und Ausgegrenzte… Diese Menschen sind stets zu ihm gekommen, um sein Wort zu vernehmen – dieses Wort hat Hoffnung geschenkt wie alle Worte Jesu – oder auch nur um einen Gewandzipfel zu berühren. Jesus selbst suchte diese müden Mengen, die Schafen ohne Hirten gleichen (vgl. Mt 9,35-36), um ihnen das Reich Gottes zu verkünden und viele in Leib und Geist zu heilen. Nun ruft er alle mit den folgenden Worten zu sich: „Kommt zu mir“, und verspricht ihnen Erleichterung und Ruhe.

Diese Einladung Jesu  gilt auch für unsere Tage, um viele Brüder und Schwestern zu erreichen, die von den Umständen eines prekären Lebens, von schwierigen existenziellen Situationen unterdrückt sind und zuweilen keinen gültigen Bezugspunkt haben. In den ärmsten Ländern, aber auch an den Peripherien der reichen Länder, sind viele Menschen müde und erschöpft von der unerträglichen Last der Verlassenheit und der Gleichgültigkeit. Wie weh die Gleichgültigkeit der Menschen den Bedürftigsten tut, und noch mehr die Gleichgültigkeit der Christen! An den Rändern der Gesellschaft befinden sich viele Männer und Frauen, die von Armut, aber auch von der mangelnden Befriedigung im Leben und von Frustration geprüft sind. Viele sind dazu gezwungen, ihre Heimat zu verlassen, und riskieren so ihr Leben. Noch mehr Menschen unterliegen Tag für Tag der Last eines Wirtschaftssystems, das den Menschen ausnutzt und ihm ein unerträgliches Joch auferlegt, welches die wenigen Privilegierten nicht zu tragen bereit sind. An jedes dieser Kinder des Vaters im Himmel richtet Jesus wiederholt seine Einladung: „Kommt alle zur mir“. Die Einladung Jesu gilt für alle und in besonderer Weise für die, die am meisten leiden.

Jesus verspricht, allen Ruhe zu schenken, erteilt uns aber auch gleichsam in Form eines Gebotes die folgende Ermahnung: „Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele“ (Mt 11,29). Das „Joch“ des Herrn besteht darin, die Last der Mitmenschen mit geschwisterlicher Liebe auf sich zu nehmen. Nachdem wir die Ruhe und den Trost Christi erhalten haben, sind wir dazu aufgerufen, nach dem Beispiel des Meisters selbst mittels einer durch Milde und Demut geprägten Haltung zu Quellen der Ruhe und des Trostes für unsere Mitmenschen zu werden. Die Milde und Demut des Herzens hilft uns dabei, nicht nur die Lasten unserer Mitmenschen zu tragen, sondern bewahrt uns auch davor, sie mit unserer eigenen Sichtweise, unseren Urteilen und unserer Kritik oder Gleichgültigkeit zu belasten.

Bitten wir die Allerheiligste Jungfrau Maria darum, unter ihrem Mantel alle müden und erschöpften Menschen zu schützen, auf dass wir durch einen erleuchteten und im Leben sichtbaren Glauben jenen Menschen Trost spenden, die Hilfe, Zärtlichkeit und Hoffnung vonnöten haben.

[Nach dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern,

einen herzlichen Gruß richte ich an euch alle, ihr Römer und Pilger!

Ich begrüße die Gläubigen der Pfarrgemeinde Salzano, aus der Diözese Treviso, in der Don Giuseppe Sarto, der spätere heiliggesprochene Papst Pius X., als Pfarrer wirkte, dessen hundertster Todestag begangen wird.

Ebenso empfange ich die kleinen Missionare von Santa Paola Frassinetti, den Gläubigen aus Melìa und Sambatello (Reggio Calabria), dem Kindergarten der Pfarrei Verdellino, der Gruppe „Brenna 60“ und den Teilnehmern am Oldtimertreffen.

Ein besonderer und zärtlicher Gruß gilt den guten Menschen aus der Molise, die mich gestern in ihrer schönen Region aufgenommen und mich auch in ihr Herz geschlossen haben. Der Empfang war geprägt von Wärme und Herzlichkeit: Ich werde ihn niemals vergessen! Vielen Dank.

Ich bitte euch, nicht zu vergessen für mich zu beten: auch ich tue das für euch.

Euch allen wünsche ich einen schönen Sonntag und gesegnete Mahlzeit. Auf Wiedersehen!

[Aus dem Italienischen übersetzt von Sarah Fleissner]