Wien feiert Gedenkgottesdienste für russisch-orthodoxen Patriarchen Alexej II.

Patriarch Alexej und das Ende des Schismas zwischen der russischen Patriarchatskirche und der Emigrantenkirche

| 1489 klicks

WIEN 19. Dezember 2008 (ZENIT.org).- Die Vorbereitungen des geplanten Besuchs von Alexej II., Patriarch von Moskau und der ganzen Rus, in Österreich, der am kommenden Wochenende stattfinden sollte, fanden ein abruptes Ende: Seine Heiligkeit starb am 5. Dezember 2008 in seiner Residenz im Moskauer Vorort Peredelkino im 80. Lebensjahr.

An den Tagen, die dem Besuch von Patriarch Alexej in Wien mit vielfältigem Programm gewidmet waren, werden im Stephansdom und in der russischen-orthodoxen Kirche Gedenkgottesdienste gehalten.

Nach der Göttlichen Liturgie wird am Sonntag, dem 21. Dezember 2008, um 11.30 Uhr in der St.-Nikolaus-Kathedrale des Moskauer Patriarchats in Wien in der oberen Kirche ein Totengedenkgottesdienst für den verstorbenen Patriarchen zelebriert.

Danach werden der Bischof von Wien und Österreich, Hilarion Alfejew, der Verwalter der Christus-Erlöser-Kathedrale in Moskau, Erzpriester Michail Rjazancev, der Pfarrer der Kirche zum heiligen Nikolaus an der Tretjakov-Galerie Moskau, Erzpriester Nikolaj Sokolov, und der frühere Kulturminister der Russische Föderation, A. S. Sokolov, aus ihren Erinnerungen an den Patriarchen erzählen. Es singt der Chor der Kathedrale zum heiligen Nikolaus in Wien.

Am Montag, dem 22. Dezember 2008, um 18.00 Uhr wird die Abendmesse im Dom zu St. Stephan zum besonderen Gedenken des Patriarchen gefeiert. Sie wird musikalisch von den Moskauer Sängerknaben gestaltet.

Der Tod von Alexej II. hat in der ganzen Welt Trauer und Bedauern hervorgerufen. Alle orthodoxen Kirchen hatten Vertreter entsandt (Zenit berichtete).

„Als einer der bedeutendsten Erfolge seiner Amtszeit wird wohl die offizielle Beendigung des Schismas zwischen der russischen Patriarchatskirche und der Emigrantenkirche, der sogenannten ‚Russisch-Orthodoxen Kirche im Ausland’, 2007 in die Geschichte eingehen“, erklärt Dipl.-Ing. Mag. P. Sebastian Hacker OSB in seinem Nachruf auf den Patriarchen.

„Die Auslandskirche hatte sich vom Moskauer Patriarchat in der Zwischenkriegszeit getrennt, weil sie diesem eine allzu konziliante Haltung gegenüber der kommunistischen Diktatur vorwarf. Dass dieser jahrzehntelange Konflikt in relativ kurzer Zeit beigelegt werden konnte, hätten viele Beobachter nicht für möglich gehalten“.

„In einem erst kürzlich aufgenommenen Interview betonte der Patriarch seine Vorfreude auf den Besuch in Wien, weil ihn seine erste Reise in den Westen 1961 in die österreichische Hauptstadt geführt hatte“, so P. Hacker, der als Assistent beim Institutes Theologie und Geschichte des Christlichen Ostens der Katholischen Fakultät der Universität Wien arbeitet. „Im Jahr 1997 war er als Gast beim Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn, der noch im selben Jahr einen Gegenbesuch in Russland abstattete. In der Osterwoche 2008 reiste eine Delegation von Pro Oriente mit Erzbischof Alois Kothgasser an der Spitze nach Moskau und wurde vom Patriarchen herzlich empfangen“.

„Die Kontakte zu Bischöfen der Katholischen Kirche sind auf einem besonderen Hintergrund zu sehen. Einerseits gab es in den wirtschaftlich äußerst schwierigen 1990er Jahren eine intensive Zusammenarbeit des Moskauer Patriarchats mit der österreichischen Caritas. Patriarch Alexej betonte mehrfach, dass diese Unterstützung durch die Katholische Kirche einen besondern Stellenwert hat, weil sie ‚ohne Hintergedanken’ geschah (1991 in einem persönlichen Gespräch mit dem Wiener Benediktiner P. Bonifaz Tittel OSB zum Projekt der Minibäckereien in Klöstern)“, so der Benediktinerpater.

„Die Russisch-Orthodoxe Kirche sucht die Zusammenarbeit mit der Katholischen Kirche. Patriarch Alexej hat sich wiederholt positiv über die Wahl von Papst Benedikt XVI. und seine auf der Überlieferung der Kirche und der Kirchenväter beruhende Theologie geäußert. Beim Besuch des Europaparlaments hielt Patriarch Alexej eine viel beachtete und heftig kritisierte Rede zu den Menschenrechten, zur Frage gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und zum Lebensschutz. Aus seinen Äußerungen wurde deutlich, dass die Orthodoxie und die Katholische Kirche in ethischen Fragen im Konsens stehen und sich nach seiner Ansicht gemeinsam im säkularisierten Europa für die Bewahrung christlicher Werte einsetzen sollten“.

Die Wahl des neuen Patriarchen ist für Ende Januar 2009 im Rahmen eines Landeskonzils der Russischen-Orthodoxen Kirche vorgesehen, an dem Kleriker, Mönche und Laien teilnehmen werden. Es wird durch ein Bischofskonzil vorbereitet. Für die Koordination aller Aktivitäten der Kirche in diesem Zusammenhang wählte der Heilige Sinod Metropolit Kirill von Smolensk und Kaliningrad zum Patriarchenstatthalter.