Wien: Kardinal Schönborn würdigt 175-jährigen Dienst der Barmherzigen Schwestern

"Wir brauchen vorbildlich gelebte Barmherzigkeit und Nächstenliebe"

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WIEN, 2. März 2007 (ZENIT.org).- Die Barmherzigen Schwestern haben nach Worten des Wiener Erzbischofs Christoph Kardinal Schönborn Wien und Österreich mit einem Netzwerk von Armenschulen, Waisenhäusern, Spitälern und Heimen überzogen, das „in vielem ein Vorläufer des heutigen Sozialnetzes“ gewesen sei. In dieser „Alltagsgeschichte der Nächstenliebe“ liege ein spannendes Arbeitsfeld für die Geschichtsforschung, betonte der Kardinal am Donnerstagabend anlässlich des Festakts zum 175-Jahr-Jubiläum der Barmherzigen Schwestern im Wiener Rathaus.



Für die barmherzigen Schwestern gebe es keine Denkmäler, aber aus Anlass der 175-Jahr-Feier solle dankbar an sie erinnert werden, erklärte Kardinal Schönborn nach einer Presseerklärung der Erzdiözese Wien. „Sie haben gepflegt, geholfen, geheilt, getröstet. Sie haben unter großen Entbehrungen soziale Einrichtungen geschaffen, noch lange bevor es den heutigen Sozialstaat gab.“ Das Anliegen dieser Frauen sei es gewesen, „mitten hinein zu gehen in die Brennpunkte sozialer Not“. Sie hätten die Augen vor keiner Not die Augen verschlossen und sich nicht „auf der Seite der schon Erfolgreichen“ etabliert; vielmehr seien dorthin gegangen, „wo die Not am größten war“.

Die christliche Nächstenliebe, die die Barmherzigen Schwestern und andere sozial-karitative Ordensgemeinschaften beseele, sei in Wien zur Selbstverständlichkeit geworden. Aber die hohen karitativen Standards in Wien und Österreich seien nicht mit einer „Bestandsgarantie“ ausgerüstet, sondern bedürften der Pflege im Geist des Evangeliums. Die heutige Aufgabe der Barmherzigen Schwestern bestehe deshalb darin, die „Prägekraft des Evangeliums“ zu erhalten. Wörtlich sagte Kardinal Schönborn: „Wir brauchen vorbildlich gelebte Barmherzigkeit und Nächstenliebe. Wir brauchen Menschen, die uns zeigen, wo dafür die Quellen sind, wie wir es anstellen, dass sie nicht austrocknen. Wir brauchen weiter die Barmherzigen Schwestern.“

Wie die Erzdiözese Wien berichtete, leben die Barmherzigen Schwestern nach der Regel des Heiligen Vinzenz von Paul (1581-1660). Der Priester galt im Frankreich des 17. Jahrhunderts als „das Gewissen des Königreichs“. Er wird als Begründer der neuzeitlichen Caritas betrachtet.

Die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul in Wien-Gumpendorf wurde am 2. März 1832 gegründet. An diesem Tag bezog Schwester Josefa Nikolina Lins aus Zams in Tirol mit drei Gefährtinnen ein kleines Haus im damaligen Wiener Vorort Gumpendorf. Von dort wurden bald neue Niederlassungen gegründet, etwa in Linz, im mährischen Kremsier (Kromeriz) oder im heute zu Rumänien gehörenden Satu-mare. Die Kongregation erlebte eine große Blütezeit vom Ende des 19. bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nach dem Ersten Weltkrieg wirkten fast 1.000 Schwestern in 59 Niederlassungen.

Heute gehören zu der vom Orden gegründeten „Vinzenz Gruppe“ Krankenhäuser und Altersheime, Schulen, Landwirtschaftsbetriebe und Kindergärten. In diesen Betrieben sind insgesamt rund 5.000 Menschen beschäftigt; die Schwestern bemühen sich, ihre Mitarbeiter im Geist des Heiligen Vinzenz von Paul zu bilden.