"Wir bekämpfen einen gemeinsamen Feind"

Die Begrüßungsansprache der Präsidentin Brasiliens vor Papst Franziskus

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 383 klicks

Am Tag seiner Ankunft in Rio de Janeiro, dem 22. Juli 2013, wurde Papst Franziskus von der Präsidentin Brasiliens, Dilma Rousseff, zu einem Besuch empfangen. Bei dieser Gelegenheit versicherte Dilma Rousseff dem Papst, sich gemeinsam mit dem Heiligen Stuhl für soziale Gerechtigkeit, Solidarität, Menschenrechte und Frieden zwischen den Nationen einzusetzen.

Rousseff hob die besondere Sensibilität des Papstes in Bezug auf soziale Fragen hervor, wie auch seine Namenswahl „Franziskus“ zeige. Chancengleichheit und die Würde des Menschen stünden im Mittelpunkt des Interesses. „Wir bekämpfen einen gemeinsamen Feind: die Ungleichheit in all ihren Formen“, bekräftigte die Präsidentin.

Ein besonders dringliches Problem in Brasilien ist die soziale Ungerechtigkeit, die sich durch die Wirtschaftskrise noch weiter verstärkt hat. Rousseff äußerte ihre Übereinstimmung mit der Ansprache des Papstes vom 16. Mai, in der er seiner Sorge um wirtschaftliche Probleme und die Gleichgültigkeit in der Gesellschaft Ausdruck verliehen hatte.

Rousseff fügte hinzu: „Wir teilen nicht die Strategien, die sich allein auf eine harte Sparpolitik beschränken, ohne die enormen sozialen Kosten zu berücksichtigen, die durch diese verursacht werden.“ Die Armen und die jungen Menschen in aller Welt seien Opfer der Arbeitslosigkeit. Rücksichtslose Sparpolitik führe zu Fremdenhass, Gewalt und Mangel an Respekt gegenüber dem Nächsten, erklärte die Präsidentin.

Insbesondere in den letzten Jahren sei es in Brasilien gelungen, große Fortschritte zu verzeichnen, aber der Weg sei noch lang. Die Kirche habe bei diesem Prozess eine sehr wichtige Rolle gespielt: „Die pastoralen und karitativen Aktivitäten der katholischen Kirche sind wichtige Partner der brasilianischen Regierung bei der Verhandlung mit den benachteiligten Bevölkerungsgruppen.“ Dazu zählten die Förderung der Rechte von Kindern und Jugendlichen, die Verteidigung der Obdachlosen und die Rechte der Inhaftierten.

Brasilien engagiere sich im Kampf gegen den Hunger und exportiere landwirtschaftliche Technologien nach Afrika. Gerade der Kirche komme in diesem Zusammenhang eine bedeutende Aufgabe zu; ihre Unterstützung sei grundlegend, um weltweit die ausreichende Versorgung mit Lebensmitteln erzielen und die Armut besiegen zu können.

Papst Franziskus könne ein Brückenbauer dabei sein, gerade weil er selbst aus Lateinamerika stamme, den Hunger und die Armut weltweit vereint zu bekämpfen.

Brasilianern wohne ein tiefer Glaube und die Hoffnung auf Besserung inne. Die bisher erzielten Fortschritte, an denen die jungen Menschen maßgeblich beteiligt seien, seien aber nur der Anfang. Die jungen Menschen forderten mehr soziale Rechte, ein besseres Gesundheitssystem, mehr Sicherheit und Lebensqualität sowie Umweltschutz. Ethik und Transparenz sind Schlagworte, die Rousseff in diesem Zusammenhang nannte. Der Kampf gegen Gewalt und Missstände seien oberstes Ziel. Rouseff schloss mit den Worten: „Die Freude, der Optimismus, die Brüderlichkeit, der Mut und die christlichen Werte“, die zur Zeit die Straßen von Rio de Janeiro beherrschen, böten eine Gelegenheit, „um neue Werte zur Erneuerung der Hoffnung auf eine bessere Welt zu diskutieren und zu suchen“.