Wir brauchen wieder Volksmissionen

Interview mit Ladislav Nemet SVD, Bischof von Zrenjanin (Serbien)

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Von Jan Bentz

VATIKANSTADT, 19. Oktober 2012 (ZENIT.org). – Bei der 17. Generalversammlung verlas Bischof Ladislav Nemet SVD die Studienergebnisse der deutschen Sprachsektion. ZENIT interviewte ihn über seine Arbeit in Serbien.

ZENIT: Würden Sie kurz Ihren Werdegang bei den Steyler Patres umschreiben und erklären, welche Aufgaben Ihnen als Bischof anvertraut sind?

Bischof Ladislav Nemet: Ja, sehr gerne. Ich bin 1977 in die Gesellschaft des Göttlichen Wortes eingetreten. Meine Oberen haben mich nach Polen geschickt, wo ich mein Noviziat und meine Studien absolviert habe. 1983 wurde ich zum Priester geweiht, meine Arbeitsstelle war im damaligen Jugoslawien. Danach habe ich in Rom studiert und mein Doktorat abgeschlossen, später auch Theologie doziert. Zwischen 2004 und 2007 war ich Provinzial in Ungarn und Sekretär der Bischofskonferenz von Ungarn. Der Heilige Vater hat mich im Juli 2008 zum Bischof ernannt. Damit bin ich also nach 30 Jahren nach Jugoslawien zurückgekehrt, selber bin ich gebürtiger Jugoslawier, ein Land, das in der Geschichte verschwunden ist. Meine Diözese ist im Norden des Landes, sie besteht aus 650.000 Seelen, davon knapp 11 Prozent Katholiken. Wir sind also in der Minderheit neben der großen Konfessionsgruppe der Serbisch-Orthodoxen. Wir haben 32 Pfarreien, aber leider keine Schule.

ZENIT: Was steht der Gründung einer Schule im Weg?

Bischof Nemet: Der Hauptgrund sind fehlende Finanzmittel. Die Güter der Kirche, die während des Zweiten Weltkrieges enteignet wurden, sind noch immer nicht der Kirche zurückgegeben worden. Eine Klage darüber wurde vor kurzem wieder im Jahre 2006 vorgelegt. Für eine Schulgründung braucht man eben nicht nur den Geist und gute Menschen, sondern auch finanzielle Mittel. Wir sind also eine Kirche in der Diaspora.

ZENIT: Leidet die Kirche noch an den Auswirkungen des Krieges in den 90er Jahren?

Bischof Nemet: Ja, die Kriege 1994 und 1995 haben die Kirche gezeichnet. Gerade die jüngeren Familien haben das Land, und damit auch unsere Kirche, verlassen. Die Arbeitslosigkeit beträgt offiziell immer noch 35 Prozent, inoffiziell ist sie noch viel höher. Der Dienst der Caritas ist sicherlich einer der größten Dienste der Diözese. Und natürlich auch die Jugendpastoral. Gerade diese beiden Aspekte sprechen mich als Steyler Pater ganz besonders an.

ZENIT: Was zeichnet denn die Arbeit des Steyler Paters in ihrem Amt aus?

Bischof Nemet: Für uns ist vor allem die Bibelpastoral sehr wichtig. Dann geht es uns an ganz oberster Stelle auch um die Jugendlichen, die Jugendlichen wieder in die Kirche zurückzubringen. Da ist die Lage ebenso wie in anderen europäischen Ländern. Die Säkularisierung ist nicht ganz so verbreitet, das liegt wohl daran, dass bei uns noch viele Menschen traditionell eingestellt sind. Familien sind als Sozialnetz noch recht stark, die Mobilität ist allerdings nicht sehr groß.

ZENIT: Es gibt auch viel Kontakte mit der orthodoxen Kirche?

Bischof Nemet: Ich würde von einem „Dialog des Lebens“ sprechen, wie es auch unsere Dokumente nennen. Es gibt einen Dialog des Zusammenarbeitens. Einen Dialog der Hierarchien ist nicht existent. Seit dem Krieg von 1991 ist es unmöglich, eine Ökumene der Hierarchie aufzubauen. Es gibt nur persönlich Kontakte mit Vertretern der orthodoxen Kirche.

ZENIT: Der Heilige Vater war in Serbien noch nicht zu Besuch, richtig?

Bischof Nemet: Richtig, Serbien ist eines der wenigen Länder in Europa, in dem noch kein Papst gewesen ist: Moldawien, Weißrussland und Serbien.

ZENIT: Die Steyler Patres sind ein Missionsorden. Welchen der Aspekte, der in den Synodenvorträgen angesprochen wurde, fanden Sie besonders interessant ? Wo gibt es am meisten zu tun?

Bischof Nemet: Ich glaube, es gibt zwei Felder, in denen ich die hier empfangenen Ideen weiterentwickeln werde: Das ist zum einen die Begegnung mit den neuen geistlichen Bewegungen. Wir haben viele davon in unserer Diözese, ich möchte den Dialog mit ihnen stärken, sie mehr einbinden. Vor allem die Charismatiker sind sehr präsent bei uns. Die zweite Sache ist Mission „ad populares“, die Volksmission. Wir haben ein neues Modell ausgearbeitet, was ich auch als Steyler in meiner Arbeit in Ungarn als sehr erfolgreich umgesetzt gesehen habe. In diesem Modell senden wir Priester, Laien und Ordensleute in Gruppen in der Pfarrei aus. Die Teilnehmer wohnen dann in den Familien. Das bietet eine große Chance, den Glauben von wahren Zeugen sprichwörtlich nach „Hause“ einzuladen. Wir haben beispielsweise auch Missionare aus Ghana dabei, das ist eine tolle Erfahrung für die Menschen. Gerade die Afrikaner verkünden die Frohe Botschaft wirklich als „frohe“ und nicht nur als „Botschaft“.

ZENIT: Was war Ihr persönlicher Grund, bei den Steyler Patres einzutreten?

Bischof Nemet: Nun, man kann von „Zufall“ sprechen, es war aber Fügung! Ich wollte Diözesanpriester werden und hatte auch schon alles vorbereitet. Am letzten Tag habe ich am Abend einen Steyler Pater kennengelernt. Dem habe ich erzählt, dass ich Priester werden will, und er schlug mir vor, doch als Missionar tätig zu werden. So habe ich meinen Antrag geändert. Das war der Heilige Geist. Ich liebe das Leben als Ordensmann, ich reise viel und habe viele Länder wirklich kennen gelernt.