"Wir dürfen keine Angst haben, Christen zu sein und als Christen zu leben!"

Die Worte des Papstes beim heutigen Regina-Caeli-Gebet

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 875 klicks

Heute um 12.00 Uhr zeigte sich der Heilige Vater Franziskus am Fenster seines Arbeitszimmers im apostolischen Palast des Vatikans, um gemeinsam mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern das „Regina Caeli” zu beten.

Zur Einführung in das österliche Mariengebet sprach der Papst folgende Worte, die wir in einer eigenen Übersetzung dokumentieren:

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[Vor dem Regina Caeli]

Lieber Brüder und Schwestern! Guten Tag!

An diesem Sonntag zum Abschluss der Osteroktav erneuere ich mit den Worten des Auferstandenen meinen Osterwunsch an euch alle: „Friede sei mit euch!“ (Joh 20,19.21.26). Dies ist kein Gruß und ebenso wenig ein einfacher Wunsch. Vielmehr handelt es sich um ein Geschenk: das kostbare Geschenk Christi an seine Jünger, nachdem er durch den Tod und die Unterwelt gegangen ist. Er schenkt ihnen den verheißenen Frieden: Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch“ (Joh 14,27). Dieser Friede ist die Frucht des Sieges der Liebe Gottes über das Böse, die Frucht der Vergebung. Genauso verhält es sich: Der wahre, tiefe Friede entspringt der Erfahrung der Barmherzigkeit Gottes. Der heutige Sonntag steht nach dem Wunsch des seligen Johannes Paul II., dessen Todestag in unmittelbarer Nähe zu diesem Datum liegt, im Zeichen der Göttlichen Barmherzigkeit.

Das Evangelium des hl. Johannes berichtet uns von zwei Erscheinungen Jesu vor den im Abendmahlssaal eingeschlossenen Aposteln. Die erste vollzog sich am Abend der Auferstehung. Thomas, der gesagt hatte: "wenn ich nicht sehe und nicht berühre, glaube ich nicht", war dabei nicht anwesend. Bei der zweiten Erscheinung acht Tage später war auch Thomas zugegen. Jesus wandte sich ihm zu und forderte ihn dazu auf, die Wunden anzusehen und zu berühren. Thomas rief aus: „Mein Herr und mein Gott!“ (Joh 20,28). Daraufhin sagte Jesus zu ihm: „Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig die, die nicht sehen und doch glauben“ (V. 29). Wer aber waren jene, die geglaubt hatten ohne zu sehen? Andere Jünger, andere Männer und Frauen aus Jerusalem, die dem auferstandenen Jesus zwar nicht begegnet waren, aber dem Zeugnis der Apostel und der Frauen Glauben schenkten. Ein sehr bedeutungsvolles Wort in Zusammenhang mit dem Glauben ist die so genannte „Seligkeit des Glaubens“. Selig die, die nicht gesehen haben und doch glauben: Genau darin liegt die Seligkeit des Glaubens! Zu allen Zeiten und an allen Orten selig die, die durch das in der Kirche verkündete und von den Christen bezeugte Wort Gottes glauben, dass Jesus Christus die Liebe des menschgewordenen Gottes, der menschgewordenen Barmherzigkeit, ist. Und das gilt für jeden einzelnen von uns!

Zusammen mit seinem Frieden schenkte Jesus den Aposteln den Heiligen Geist, damit sie die Vergebung der Sünden auf der Welt verbreiten konnten, jene Vergebung, die allein Gott geben kann und die das Blut des Sohnes gekostet hat (vgl. Joh 20,21-23). Die Kirche erhielt vom auferstandenen Christus die Sendung, die Vergebung der Sünden an die Menschen heranzutragen und so das Reich der Liebe wachsen zu lassen, die Saat des Friedens in die Herzen zu streuen, auf dass sie auch in den Beziehungen, in der Gesellschaft und in den Institutionen ihre Wirkung entfalte. Der Geist des auferstandenen Christus vertreibt die Angst aus den Herzen der Apostel und drängt sie dazu, den Abendmahlssaal zu verlassen, um das Evangelium zu überbringen. Lasst auch uns den Glauben an den auferstandenen Christus mit mehr Mut bezeugen. Wir dürfen keine Angst haben, Christen zu sein und als Christen zu leben! Wir müssen den Mut haben, hinauszugehen und den auferstandenen Christus zu verkünden, denn er ist unser Friede, er ist der Urheber des Friedens kraft seiner Liebe, seiner Verzeihung, seines Blutes und seiner Barmherzigkeit.

Liebe Freunde, heute Nachmittag werde ich die Eucharistie in der Lateranbasilika, der Kathedrale des Bischofs von Rom, zelebrieren. Lasst uns gemeinsam zur Jungfrau Maria beten, auf dass sie dem Bischof und seinem Volk auf dem Weg des Glaubens und der Barmherzigkeit ihre Hilfe zuteilwerden lasse und uns im Vertrauen auf die Barmherzigkeit des Herrn bestärke: Er wartet stets auf uns, liebt uns, hat uns mit seinem Blut die Vergebung geschenkt und verzeiht uns jedes Mal, wenn wir zu ihm gehen und ihn um Vergebung bitten. Lasst uns Vertrauen auf seine Barmherzigkeit haben!

[Nach dem Regina Caeli]

Einen herzlichen Gruß richte ich an jene Pilger, die an der hl. Messe teilgenommen haben, die der Kardinalvikar Roms in der Kirche „Santo Spirito in Sassia“ gefeiert hat, einem bedeutenden Ort der Verehrung der Göttlichen Barmherzigkeit.

Liebe Brüder und Schwestern, seid Boten und Zeugen der Barmherzigkeit Gottes!

Mit großer Freude grüße ich die zahlreichen Mitglieder der Bewegungen und Verbände, die diesen Moment des Gebetes mit uns teilen, insbesondere die neokatechumenalen Gemeinschaften Roms, die sich ab heute der Erfüllung einer besonderen Mission in den Plätzen der Stadt widmen. Ich lade alle dazu ein, die Frohbotschaft in alle Lebensbereiche „bescheiden und ehrfürchtig“ (1 Petrus 3,16) zu tragen! Geht hinaus auf die Plätze, und verkündigt Jesus Christ, unseren Retter.

Ich möchte alle anwesenden jungen Menschen willkommen heißen, vor allem die Schüler des „Collège Saint-Jean de Passy“ in Paris und jene der „Scuola Giuseppe Mazzini“ in Marsala und die aus Taranto gekommene Ministrantengruppe.

Ich begrüße den „Coro della Basilica di Collemaggio” aus L’Aquila, die Gläubigen aus Campoverde di Aprilia, Verolanuova und Valentano, sowie die Gemeinschaft „Scout Foulard Bianchi”.

Der Herr segne euch. Gesegnetes Mittagessen!