Wir fühlen uns wie Abraham und Sara: wie zwei alte Menschen, die ein neues Land betreten

Die Konversion zum Katholizismus eines prominenten ehemaligen Pfingstpastors und dessen Frau erweckt in Skandinavien Aufmerksamkeit

Rom, (ZENIT.org) Federico Cenci | 297 klicks

Der Anteil der Katholiken in Schweden an der Gesamtbevölkerung – 150.000 gegenüber 9 Millionen – lässt keine sehr große Zahl der Gottesdienstteilnehmer in St. Lars, der einzigen katholischen Kirche Uppsalas, erwarten. Daher ist davon auszugehen, dass eine Vergrößerung der Pfarrgemeinde um zwei Mitglieder nicht unbemerkt bleibt – vor allem, wenn es sich bei besagten Mitgliedern um zwei zumindest in Skandinavien  bekannte Persönlichkeiten handelt.

Die Rede ist von Ulf Ekman und dessen Frau Brigitta, deren Geschichte in Nordeuropa großes Aufsehen erregt. Anfang der 1980er Jahre gründete der seit 1979 als Pfingstpastor tätige Ekman die „World of Life Church“ und begeisterte deren im Laufe der Zeit auf über 3.000 gewachsene Gläubige mit seinen Predigten. Die letzte und wichtigste in den langen Jahren seines Wirkens hielt er am vergangenen 9. März. An diesem Tag kündigte er an, dass er und seine Frau der katholischen Kirche beitreten würden.

In einem Brief an die Gemeinschaft des ehemaligen Pastors ist dazu zu lesen: „Unsere Entscheidung ist das Ergebnis eines vieljährigen Prozesses des Gebetes und der Reflexion“. Wie Ulf Ekman in einem in der schwedischen Tageszeitung „Daegens Nyheter“ publizierten Leitartikel betonte, sei er nach dreißig Jahren im Zeichen von Reisen, Auslandsmissionen, Konferenzen sowie der Gründung einer Universität, einer Bibelschule und einer beliebten Fernsehsendung zu der Einsicht gelangt, dass die von ihm verkörperte Bewegung „trotz ihrer Erfolge ein Teil der protestantischen Fragmentierung des Christentums“ darstelle.  

In der katholischen Kirche habe das Ehepaar Ekman eine „große Liebe zu Jesus und eine gesunde in der Bibel begründete Theologie” beobachtet. Als Pastor einer evangelikalen Strömung erfuhr Ulf darüber hinaus den „Reichtum des sakramentalen Lebens“. Gemeinsam erklärten die beiden ehemaligen Pfingstler, den „Sinn der soliden Struktur des Priestertums“ erkannt zu haben, die den Glauben der Kirche erhalte und an die nachfolgende Generation weitergebe. Im Bewusstsein der den Katholiken in einem stark säkularisierten Land wie Schweden begegnenden Herausforderungen gaben Ulf und Brigitta darüber hinaus bekannt: „Wir haben ethische und moralische Stärke und Beständigkeit entdeckt, die es wagt, sich mit der allgemeinen Meinung auseinanderzusetzen, ebenso wie Güte gegenüber den Armen und Schwachen“.

Wesentlich für die volle Übernahme des Glaubensaktes war für das Ehepaar der Kontakt mit dem lebendigen Glauben durch die „Vertreter von Millionen von charismatischen Katholiken“. Sie führten aus: „All dies hat unsere protestantischen Vorurteile herausgefordert, und wir erkannten, dass wir in vielen Fällen ohne Grundlage kritisiert hatten. Wir hätten die katholische Kirche besser kennen sollen“.

Brigitta Ekman erläuterte in diesem Zusammenhang: „Bei der Entdeckung dieser positiven Aspekte des Katholizismus fragte ich mich, warum sie mir nicht vermittelt worden waren. Jemand hat sie vor mir verborgen. Meine Unwissenheit beschämte mich“. Nach diesem demütigen Eingeständnis wird das in ihren Herzen brennende Verlangen nach Wissen und Liebe nun schrittweise gestillt werden. In den Worten Ulf Ekmans kommt dieser Wunsch folgendermaßen zum Ausdruck: „Wir brauchen das, was Jesus in der katholischen Kirche ist, die Sakramente, das Lehramt, den Papst. Ich brauche die apostolische Tradition; ich brauche die Kirche für meine Rettung“.

Dem ehemaligen Pastor bot sich auch die Gelegenheit zu einer Neubetrachtung des Ecksteins seines früheren Glaubens. So nahm er zur lutherischen Reform folgendermaßen Stellung: „Es kam zu einer Abschaffung des Lehramtes und der apostolischen Kontinuität. Man versuchte einen Neubeginn, doch dieser brachte letzten Endes nicht eine bessere und freiere, sondern eine zunehmend gespaltene und säkularisierte protestantische Kirche sowie einen individualisierenden Glauben hervor“.

Der Schritt löste durchaus kritische Reaktionen aus, doch das Ehepaar versuchte diese in Grenzen zu halten. Nun fühlen sie sich „ein wenig wie Abraham und Sara: wie zwei alte Menschen, die ein neues Land betreten; aber unter der Führung Gottes“. Ihre Reise hat sie vorerst auch physisch nach Rom geführt. Dort konnten sie im Rahmen der Generalaudienz vom 9. April Papst Franziskus die Hand schütteln und sich mit ihm fotografieren lassen. „Die Begegnung mit ihm war ein großer Segen!“, so Brigitta Ekman abschließend.