"Wir haben alles verloren"

Südsudanesische Diözese Malakal durch Gewalt und Plünderungen stark geschwächt

Wien, (KIN Ös) | 206 klicks

Ganze Landstriche einer Region im Südsudan sind von der Bevölkerung verlassen worden, die nach Angaben von Msgr. Roko Taban nach einem brutalen Angriff während des „sogenannten Waffenstillstandes“ um ihr Leben flohen. 

Der Apostolische Administrator der Diözese Malakal beschrieb, wie in Teilen der Bundesstaaten Unity, Upper Nile und Jonglei infolge von Übergriffen Massenevakuationen durchgeführt wurden. An den Gewalttaten waren Rebellen unter der Führung vom Riek Machar, dem ehemaligen Vizepräsidenten des Südsudans, beteiligt.  .

Msgr. Taban berichtete, dass alle seine Diözesanpriester und Ordensschwestern in Richtung Süden geflohen seien, ohne etwas mitnehmen zu können, und dass sie verzweifelt versucht hätten, der Gewalt zu entkommen, die trotz des im vergangenen Januar zwischen den Rebellen und den Regierungstruppen des Südsudan vereinbarten Waffenstillstands andauere.

Als Reaktion darauf hat das katholische Hilfswerk “Kirche in Not” eine Nothilfe von 25.000 Euro beschlossen, die für die Priester und Ordensschwestern bestimmt ist, die nach Juba geflohen sind und Nahrung, Unterkunft und medizinische Versorgung benötigen.

Msgr. Taban beschrieb, wieviel von seiner Diözese “vollkommen zerstört” worden sei, und sagte gegenüber „Kirche in Not“. „Wir haben alles verloren: unser ganzes Hab und Gut. Viele Kirchen, Wohnhäuser und andere Gebäude sind bis auf die Grundmauern zerstört worden, und alles wurde geplündert.“

In dem Gespräch mit „Kirche in Not“, das am 13. März stattfand, erklärte er, die letzten vier Priester seiner Diözese hofften, „noch heute oder morgen Malakal verlassen zu können, je nach Verfügbarkeit von Verkehrsmitteln“. Der Apostolische Administrator, der gemeinsam mit seinen Priestern vorläufig im katholischen Seminar von Juba untergekommen ist, unterstrich seine Sorge um seine Gläubigen in Malakal. Er sagte, sie seien „in den Busch“ geflohen, wobei viele Zuflucht in abgelegenen Dörfern gefunden hätten, die nun durch die Anzahl der ankommenden Flüchtlinge überfordert seien.

Quellen aus der katholischen Kirche geben an, dass die 250.000 Einwohner zählende Bevölkerung von Malakal in dringender Not sei und viele von ihnen Hilfe in einem nahegelegenen Flüchtlingscamp der Vereinten Nationen suchten.  

„In Malakal ist niemand mehr. Sie rannten um ihr Leben. Niemand konnte dort bleiben. Die Diözese ist vollständig leer. Wir haben als Diözese alles verloren. Wir sind in Juba und haben nichts. Alle Dokumente sind weg, ebenso alle Fahrzeuge. Absolut nichts ist übriggeblieben.” 

In seiner an “Kirche in Not” gerichteten Bitte um Hilfe sagte Msgr. Taban, seine Priester bräuchten Nahrungsmittelhilfe für sechs Monate sowie Gebetbücher und Messgewänder. Alles das hätten sie in Malankal zurücklassen müssen.

Kirchenvertreter im ganzen Land bitten dringend um Hilfe für die Menschen in ihrer Region, die ihre ganze Lebensgrundlage verloren haben. So sagte Msgr. Taban: „Wir brauchen besondere Aufmerksamkeit in Form von Liebe und Solidarität. Wir sind im Elend. Bitte beten Sie für uns!“

Auch die Combonianerschwester Elena Balatti, die ebenfalls aus Malakal nach Juba geflohen ist, sagte: „Malakal ist vollständig verlassen, obwohl uns garantiert wurde, dass wir in Sicherheit seien. Jedoch wäre es vollkommen nutzlos gewesen, dort zu bleiben, denn dort gibt es niemanden mehr, für den wir sorgen könnten. Dort sind nur noch Rebellen“. 

In ihrer an den katholischen Fidesdienst gerichteten Nachricht teilte Schwester Elena mit, Malakal sei dreimal von Rebellentruppen angegriffen worden: an Weihnachten, am 14. Januar sowie am 18. Februar. Jeder Angriff habe eine Fluchtwelle aus Malakal ausgelöst. Vor fast zwei Wochen haben die Vereinten Nationen Alarm geschlagen und davor gewarnt, dass der ganze Südsudan vor Jahresende zusammenbrechen könnte. Es seien seit Ausbruchs des Konfliktes Mitte Dezember bereits 900.000 Menschen innerhalb des Landes auf der Flucht. 

Für nächsten Donnerstag (20. März) ist die Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen zwischen den unter der Führung von Riek Machar stehenden Rebellen und der Regierung des Südsudan angesetzt. Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig, den Waffenstillstand, der am 23. Januar beschlossen wurde, zu brechen.