"Wir hatten eine persönliche Begegnung mit Christus und möchten, dass auch andere sie haben" (Erster Teil)

Pater Eduardo Robles-Gil LC erläutert, wie er die Legionäre Christi und das Regnum Christi in diesem neuen Abschnitt ihrer Geschichte führen wird

Rom, (ZENIT.org) Luca Marcolivio, Antonio Gaspari, H. Sergio Mora | 336 klicks

Die Legionäre Christi erleben zurzeit einen epochemachenden Umbruch in ihrer mehr als 70-jährigen Geschichte. Nach seiner während des Generalkapitels am vergangenen 20. Januar erfolgten Wahl und der Bestätigung durch Papst Franziskus steht der neue Generaldirektor, Pater Eduardo Robles-Gil LC, der Aufgabe gegenüber, eine erneuerte Kongregation zu leiten, mit neuen Konstitutionen und einem besser definierten Charisma, wie es Papst Benedikt XVI. nach der apostolischen Visitation verlangt hatte.

So endet eine Übergangszeit, während derer die Kongregation von einem päpstlichen Delegaten geleitet worden war, von Kardinal Velasio De Paolis. Ein Übergang, der vier Jahre gedauert hat und vom schweren Skandal über das „Doppelleben“ des Ordensgründers Marcial Maciel überschattet gewesen war. Das Charisma der Legion und des Regnum Christi besteht jedoch unabhängig von den Fehlern des Gründers.

Die Geschichte der Legionäre Christi und der Bewegung Regnum Christi geht weit über diese Schattenseiten hinaus. Es ist eine Geschichte mit viel Licht, und die Zukunft stellt viele Herausforderungen, die schwierig und zugleich auch interessant sind.

In einem Interview für ZENIT sprach Pater Eduardo Robles-Gil über seine persönliche Berufungsgeschichte und darüber, wie er seine neue Aufgabe erfüllen wird.

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Pater Eduardo, wann haben Sie Ihre Berufung zum Priester gespürt? Warum haben Sie die Legion Christi gewählt?

Pater Eduardo Robles-Gil: Ich kann wirklich sagen, dass meine Berufung schon in meiner Kindheit entstand. Ich habe die Grundschule im Cumbres-Institut besucht; daher waren die ersten Priester, die ich näher kennengelernt habe, Legionäre Christi. Obwohl ich zwei Onkel habe, die Priester sind – Cousins meiner Mutter, ein Jesuit und ein Marist – und auch wenn ich bei den Dominikanern zur Messe ging und beichtete, waren die Priester, zu denen ich den meisten Kontakt hatte, Legionäre Christi.

Mein Studium habe ich an der Universität Anáhuac absolviert, die ebenfalls von den Legionären Christi betrieben wird. Damals bin ich der Bewegung Regnum Christi beigetreten. Ich habe nie daran gedacht, mein Priestertum außerhalb der Legion leben zu können, denn in dieser Bewegung bin ich Christus begegnet und habe meine Berufung vernommen.

1969 wurde in Mexiko-Stadt die Jugendabteilung des Regnum Christi eröffnet. Als ich mein Universitätsstudium begann, trat ein Freund von mir – dessen Bruder heute auch Legionär ist – der Bewegung bei und lud mich 1972 ein, ebenfalls beizutreten. 1975 schloss ich mein Maschinenbau-Studium ab und weihte mich Gott als Mitglied der Laienbewegung Regnum Christi. Zwei Jahre später trat ich der Legion bei.

Hätten Sie je gedacht, dass Sie eines Tages eine so verantwortungsschwere Position innerhalb der Legion übernehmen würden?

Pater Eduardo Robles-Gil: Ich habe noch zu Beginn des Generalkapitels im Januar nicht gedacht, dass man mich wählen würde. Viele von uns dachten an Pater Sylvester Heereman, der meiner Ansicht nach eine hervorragende Arbeit geleistet hat, als er im vergangenen Jahr Pater Álvaro Corcuera ersetzt hat. Doch dann hat Papst Franziskus uns gebeten, unseren neuen Generaloberen nach den Regeln der Konstitutionen von 1994 zu wählen, die für dieses Amt ein Mindestalter von 40 Jahren vorsehen. Pater Sylvester ist 39 und konnte daher nicht gewählt werden.

Der Gedanke, dass die Wahl auf mich fallen könnte, kam mir erstmals bei meiner Abreise aus Mexiko, als Freunde mir scherzhaft sagten, es könnte mir ergehen wie dem Papst, als er zum Konklave in den Vatikan reiste. Kein Kardinal weiß sicher, ob er zum Papst gewählt oder heimkehren wird. Deshalb habe ich angefangen mich zu fragen: Was geschieht, wenn sie mich wählen? Aber in der Legion habe ich gelernt zu sagen: „Herr, ich werde dir folgen, wohin immer du gehst, wohin auch immer du mich führen willst.“ Ich habe auch früher schon Aufgaben annehmen und in Länder reisen müssen, auf die ich gerne verzichtet hätte, weil ich mit meinem früheren Posten zufrieden war. Im Grunde habe ich immer gewusst, dass ich annehmen musste. Schon deshalb, weil wir laut unserer Statuten zum Gehorsam verpflichtet sind und das Kapitel die höchste Instanz in unserer Kongregation ist.

Wie wird in dieser neuen Phase der Geschichte der Kongregation das Charisma der Legionäre Christi wieder aufleben, nachdem die Kongregation sich von ihrem Gründer distanziert hat? Und was können Sie als Generaloberer zu diesem Charisma sagen?

Pater Eduardo Robles-Gil: Wir dürfen nie vergessen, dass das Johannesevangelium (vgl. Joh 15,16) ausdrücklich sagt, dass nicht wir den Meister gewählt haben, sondern er uns auserwählt und in die Welt entsandt hat, damit wir als Gesandte unseres Herrn Früchte tragen. Die Kirche, die Jünger und Apostel, die Ordensgründer und alle Seelsorger sind Gesandte des Herrn. In einer Kongregation ist das Charisma eine übernatürliche Kraft, in der du dich wiederfindest und die dich ruft. In meinem Fall war es so, dass ich dem Regnum Christi beigetreten bin, einer apostolischen Bewegung, die darauf abzielt, das Leben der Einzelnen und der Gesellschaft durch eine persönliche Begegnung mit dem lebendigen Christus zu verändern, damit er selbst aus jedem Menschen einen Apostel und Missionar macht. Wenn du ein Charisma empfängst, verstehst du, dass Gott dir begegnet ist und du auf seinen Ruf geantwortet hast. Man kann die Art, wie man diesem Ruf Folge leistet, immer weiter verbessern, doch das Charisma a sich bleibt immer bestehen, denn es ist kein Menschenwerk. Es gibt in der kirchlichen Lehre einen Grundsatz, der vor allem auf die Sakramente zutrifft: Ein Priester kann seines Amtes unwürdig sein, doch die von ihm gespendeten Sakramente behalten ihre Gültigkeit, denn die Gnade wirkt „ex opere operato“, durch die vollbrachte Handlung. Ähnlich wirkt Gott auch durch uns. Wenn man auf die Kirchengeschichte blickt, wird man feststellen, dass selbst die Päpste nicht immer ihres Amtes würdig gewesen sind; und trotzdem hat die Kirche überlebt und hat weiterhin ihre Mission in der Welt erfüllt, denn sie ist ein Werk Gottes und nicht der Menschen. Uns Legionären ist etwas Ähnliches geschehen.

Wie ist das Verhältnis zwischen Gehorsam und Charisma?

Pater Eduardo Robles-Gil: Was den Gehorsam anbelangt, lehrt die Kirche uns heute, dass der Kern dieser Tugend darin besteht, dass der Obere und der Untergebene gemeinsam den Willen Gottes suchen. Ich teile die Vorstellung eines blinden Gehorsams nicht: In der Legion haben wir gelernt, dass Gehorsam aus dem Glauben entspringt. Im vertrauensvollen Gespräch mit seinen Oberen kann jedes Mitglied der Kongregation seine Zweifel frei aussprechen; das ist kein Verstoß gegen den Gehorsam. Das Vorbild ist Christus im Garten Getsemani: „Nicht was ich will, sondern was du willst, soll geschehen“. Wenn diese Bereitschaft, den eigenen Willen zugunsten des göttlichen Willens aufzugeben, nicht besteht, ist kein echter Gehorsam da. Jesus hat sich im Getsemani Klarheit über den Willen des Vaters verschafft. Es ist wichtig zu verstehen, dass der Obere in einem Orden nicht nach Willkür handeln kann, sondern ebenfalls immer versuchen muss, sich über den Willen Gottes Klarheit zu verschaffen und nach den Vorschriften zu handeln.

Papst Franziskus hat ein paar Hinweise auf die Richtung gegeben, wie die Kongregation in Zukunft zu leiten ist. Was genau hat er verlangt?

Pater Eduardo Robles-Gil: Im Dezember hat der Heilige Vater uns gebeten, den neuen Generaldirektor und zwei Generalräte zu wählen. Außerdem hat er sich vorbehalten, den Generalvikar und einen Rat selber zu ernennen. Eine weitere Anweisung des Papstes ist, dass die vom Kapitel gewählten Personen zusätzlich von der Kongregation für die Institute geweihten Lebens bestätigt werden sollen. Wir haben dem Heiligen Vater das Ergebnis der Wahl so mitgeteilt, wie es war, und er hat mich als Generaloberen und die Patres Sylvester Heereman und Jesús Villagrasa als Räte bestätigt. Zusätzlich hat er, wie er durch seinen Delegaten schon angekündigt hatte, den Pater Juan José Arrieta zum Generalvikar ernannt und Juan Sabadell zum Generalrat. Am 6. Februar hat seine Exzellenz Msgr. José Rodriguez Carballo, Sekretär der Kongregation, uns die Bestätigung der Wahl und die Zusatzernennungen des Heiligen Stuhls mitgeteilt. Wir haben die Nachricht mit einem großen Applaus entgegengenommen.

[Der zweite Teil des Interviews folgt am Dienstag, dem 18. Februar]