"Wir hatten eine persönliche Begegnung mit Christus und möchten, dass auch andere sie haben" (Zweiter Teil)

Pater Eduardo Robles-Gil LC erzählt, wie er die Legionäre Christi und das Regnum Christi in diesem neuen Abschnitt ihrer Geschichte führen wird

Rom, (ZENIT.org) Luca Marcolivio, Antonio Gaspari, H. Sergio Mora | 408 klicks

Der erste Teil des Interviews mit Pater Eduardo Robles-Gil erschien gestern, am Montag, dem 17. Februar.

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Wir haben einen lateinamerikanischen Papst, der als Mitglied der Gesellschaft Jesu die Dynamik des geweihten Lebens und der Orden gut kennt und die Kirche dazu aufgerufen hat, auf „die Peripherien“ zuzugehen. Wie werden Sie diese Herausforderung annehmen? Welche Art von Evangelisierung werden Sie betreiben?

Pater Eduardo Robles-Gil: Wir müssen diese Anweisungen des Papstes immer bereitwillig entgegennehmen. In seinem apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“ richtet er sich an die ganze Kirche und fordert sie auf, Christus weiterhin mit Freude und Begeisterung zu verkünden. Unser Dienst besteht vorwiegend in der Ausbildung junger Menschen, von denen viele zwar getauft, aber nicht wirklich gläubig sind. Diese Menschen leben in der „existenziellen Peripherie“, das heißt dort, wo Christus nicht angekommen beziehungsweise wieder vergessen ist. Wir betreiben Schulen und Universitäten, die bevorzugte Orte sind, um die Liebe und Barmherzigkeit Gottes zu verkünden. In Mexiko, Venezuela, Chile, Brasilien und anderen Ländern haben wir Schulen, in denen die Schüler nur minimales Schulgeld zahlen, denn wir glauben, dass eine gute Ausbildung der beste Weg ist, um Armut zu bekämpfen und neue Zukunftsperspektiven zu erschließen. Auch so wirken wir in den Peripherien der Gesellschaft und bekämpfen die geistige Armut. Diese Form der Evangelisierung liegt dem Heiligen Vater Franziskus sehr am Herzen. Wir nehmen die Worte des Papstes sehr ernst, denn sie betreffen unseren eigenen Existenzgrund. Denn wir hatten eine persönliche Begegnung mit Christus und wollen, dass auch andere sie haben. Der Papst spricht von einer Kirche, die „hinausgeht“; eine Kirche, die die Kraft ihrer Mission spürt und keine Angst hat. Wir wollen, auch durch unsere jüngsten Erfahrungen, die Barmherzigkeit Gottes verkünden.

Am vergangenen 6. Februar haben die Legionäre Christi eine Pressemitteilung herausgegeben, in der sie sich deutlich und mit großem Mut über ihren Gründer äußern. Ist es schwer gewesen, sich auf diese Weise vom Gründer der Kongregation zu distanzieren, oder war diese Stellungnahme schon vorher gereift?

Pater Eduardo Robles-Gil: Ich weiß nicht, ob es richtig ist, in diesem Zusammenhang von einem Reifungsprozess zu sprechen, aber ganz sicher sind unsere Erklärungen nicht aus heiterem Himmel gekommen. Wenn man das Schreiben der Generalleitung und der Territorialdirektionen von 2010 zur Hand nimmt, findet man dort schon sehr ähnliche Äußerungen über unseren Gründer. Aber angesichts der Entwicklungen dieser letzten Jahre, unter der Führung von Kardinal De Paolis, ist es uns angemessen erschienen, das Thema im Generalkapitel noch einmal aufzugreifen und eine deutliche Stellungnahme zu veröffentlichen. Das Kapitel spricht schließlich für die ganze Kongregation und nicht nur für die Oberen. Die Bedeutung dieses Schreibens liegt nicht nur in dem, was über den Gründer unserer Kongregation gesagt wird, und auch nicht allein in der Bitte um Vergebung, sondern darin, dass es sich um eine Antwort auf die apostolische Visitation handelt, die darlegt, was wir auf unserem Weg unter der Leitung des päpstlichen Delegaten gelernt haben. Die letzten Jahre haben uns geholfen, deutlicher zu erkennen was wir falsch gemacht haben und was wir besser machen können. In einem gewissen Sinn handelt es sich um einen Bekehrungsweg, der nie enden wird, denn man kann sich immer für die Gnade öffnen, die uns Christus ähnlicher werden lässt.

Heute zählen die Legionäre Christi fast tausend Priester; die Bewegung ist sehr gewachsen. Wie sieht die Zukunft der Kongregation aus?

Pater Eduardo Robles-Gil: Wir sind nur die Feldarbeiter; Gott ist es, der uns beruft. Es ist wahr, dass wir uns freuen würden, unsere Kongregation weiterhin wachsen zu sehen; mehr Priester, mehr Seminaristen, mehr engagierte Laien in unseren Reihen zu wissen. Doch Gott entscheidet, mit welchem Rhythmus wir wachsen werden. Im Wachstum muss man auch etwas vorsichtig sein; ich meine nicht die Berufungen, denn davon kann es nie genug geben, sondern die Apostolate. In der Vergangenheit haben wir zu viele Initiativen gleichzeitig begonnen, deshalb sind wir in den letzten Jahren gezwungen gewesen, einige Werke wieder zu schließen und uns sogar aus manchen Diözesen und Städten ganz zurückzuziehen. Man lernt nie aus.

Die Legion hat eine sehr wichtige Laienbewegung zur Seite, das Regnum Christi. Wie wünschen Sie sich, dass die Laien die Kongregation in dieser Phase des Umbruchs begleiten sollen?

Pater Eduardo Robles-Gil: Diese Frage ist nicht in wenigen Worten zu beantworten. Wir Legionäre betrachten uns als Teil der Bewegung Regnum Christi; wir sind eine vielseitige Organisation, in der sehr unterschiedliche Berufungen zur Geltung kommen: Priester, geweihte Laien und Laien ohne Weihe, die aber oft sehr engagiert sind. Sie alle antworten, jeder auf seine Weise, auf den Ruf Gottes, der ihnen einen Auftrag erteilt hat. Jeder hat seine persönliche Berufung, die auf seinen Stand zugeschnitten ist. Die Laien sind dazu berufen, Jesus Christus in ihren Familien, ihrer Arbeit, ihrem Privatleben zu ihrem König zu erheben und dazu beizutragen, dass er immer mehr in den Herzen der Menschen und in der Gesellschaft herrscht. Wir helfen uns gegenseitig, im Sinne einer gemeinschaftlichen Spiritualität. Natürlich haben wir Priester der Legion laut unserer Konstitutionen auch die Aufgabe, die Mitglieder des Regnum Christi geistig zu betreuen. Wir Priester und die Laien haben an demselben Charisma teil; dieses entfaltet sich jedoch auf unterschiedliche Weise, je nach der persönlichen Berufung der Einzelnen. Diese Vielseitigkeit in der Einheit ist ein Reichtum für alle.

Was wird Ihnen an Ihrem Heimatland Mexiko am meisten fehlen?

Pater Eduardo Robles-Gil: Ich bin als Priester in vielen Ländern tätig gewesen; den überwiegenden Teil meiner 30-jährigen Tätigkeit als Priester habe ich nicht in Mexiko und schon gar nicht in meiner Heimatstadt verbracht, wo meine Familie lebt und wo ich studiert habe. Meine Familie und die Freundschaft der Menschen, die mich kennen: das sind die zwei Dinge, die mir fehlen werden, sonst nichts. Nicht die Tacos werden mir fehlen, obwohl ich sie gerne esse, sondern meine Freunde und alle Menschen, die ich liebe.

Gibt es etwas, das wir Sie nicht gefragt haben und das Sie gerne den Lesern und Mitarbeitern von ZENIT sagen möchten?

Pater Eduardo Robles-Gil: Die sozialen Kommunikationsmittel sind heute sehr wichtig. Ich benutze ZENIT schon seit langer Zeit als Informationsquelle über das Leben der Kirche. Ich schätze eure Arbeit sehr und glaube, dass unter den vielen Nachrichten der Welt die Kirche oft die besseren zu bieten hat. Ich möchte allen danken, die in der Vergangenheit diesen Informationsdienst ermöglicht haben und ihn auch heute noch ermöglichen.

Die Ereignisse, die die Legion durch das Generalkapitel erlebt, sind ein Moment der Hoffnung, der von Gott kommt. Hoffnung besteht dann, wenn der Boden fruchtbar ist. Hier wird sich die Arbeit aller Laien und der Priester unserer Kongregation zeigen: Wir müssen uns bemühen, ein fruchtbarer Boden zu sein, damit wir viele Früchte zur Ehre Gottes tragen können.

Ich will auch denen danken, die uns in diesen Jahren durch ihr Gebet und ihre Taten unterstützt haben. Wir stehen in ihrer Schuld und wollen uns durch unser Gebet revanchieren.