Wir kamen in die Niederlande, um die Liebe Gottes zu verkünden (Erster Teil)

Interview mit Mutter Diletta, Oberin einer Gruppe von Benediktinerinnen, die auf Einladung des Bischofs von Haarlem-Amsterdam, von den Marken nach Aalsmeer übersiedelte

Amsterdam, (ZENIT.org) Paola de Groot-Testoni | 214 klicks

Der Umzug einer Gemeinschaft junger Benediktinerinnen aus Italien in ein säkularisiertes Land wie die Niederlande ist ein keineswegs alltägliches Phänomen. Vor dem Hintergrund der sich im gesamten Land leerenden und nur noch von wenigen sehr betagten Ordensleuten bewohnten Klöster war die Initiative des Bischofs Msgr. Punt eine wahre Quelle des Trostes für die Diözese Haarlem-Amsterdam. Dieser richtete an ein in den mittelitalienischen Marken beheimatetes Kloster die Einladung zur Übersiedlung in das wenige Kilometer von der Hauptstadt entfernte holländische Dorf Aalsmeer, mit dem Ziel der Unterstützung der örtlichen Gemeinschaften durch das Gebet, die Arbeit und ihre bloße Anwesenheit. Dazu bemerkt die Oberin Suor Diletta: „In einer säkularisierten Welt, der die Bedeutung der Transzendenz vollkommen abhanden gekommen ist, ist das reine Vorhandensein eines Klosters bereits Ausdruck der lebendigen Gegenwart Gottes unter seinem Volk“. Im Rahmen eines Gesprächs mit der Superiorin versuchte ZENIT, Einblick in den von Arbeit und Gebet geprägten Tagesablauf der jungen Ordensfrauen zu gewinnen und die Gründe für ihre Reise nach Holland sowie die Bedeutung ihrer Mission zu erforschen.

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Mutter Diletta, was können Sie uns über sich selbst und vor allem über Ihre Mitschwestern berichten?

Wir sind eine aus 13 Ordensfrauen bestehende benediktinische Gemeinschaft aus Mittelitalien; genauer gesagt aus Sant’Angelo in Pontano, einem nahe Macerata gelegenen kleinen Ort mit etwa 1000 Einwohnern. Unser Durchschnittsalter beträgt 30-40 Jahre. Unsere jüngste Schwester ist 23 und die älteste 50. 11 unserer Mitglieder stammen aus Italien, eines aus Malta, eines aus Taiwan und eines aus Belgien, wobei die letztgenannte Ordensfrau nun als Dolmetscherin im Einsatz ist! Die Ursprünge unseres Klosters reichen weit in die Geschichte zurück.  Die Gründung wird mit der langobardischen Zeit datiert, wobei es im Laufe der Geschichte jedoch zu zwei dramatischen Auflösungen kam: einmal zur Zeit Napoleons und später durch die Freimaurer. Damals fanden die vertriebenen  Ordensfrauen Zuflucht in einer ihnen von einem Verwandten zur Verfügung gestellten Wohnung. Diese wurde aufgrund der Zunahme der Berufungen im Laufe der Zeit durch den Erwerb der angrenzenden Häuser vergrößert. Leider verminderte sich infolge der nach dem 2. Vatikanischen Konzil einsetzenden Krise der Berufungen auch die Mitgliederzahl in unserem Kloster auf lediglich sieben Schwestern für die Dauer von etwa 40 Jahren. Nachdem sich die Ordensleitung jedoch für die Schließung des Klosters  entschieden hatte, geschah etwas völlig Unerwartetes. Am Tag vor der Übermittlung des Briefes mit der entsprechenden Anordnung klopfte es an der Türe: Eine junge Frau aus Genua bat nach ihrer Rückkehr von einem Missionsaufenthalt in den Niederlanden um eine Aufnahme als Postulantin. Es war 1994. Dieses Ereignis bildete den Ausgangspunkt einer schier unglaublichen und bis heute anhaltenden Flut von Berufungen: Der Herr war uns treu! So erzählen uns die alten Schwestern von einer Prophezeiung aus der Vergangenheit, die der hl. Vincenzo Maria Strambi (1745-1824, Bischof von Macerata und Tontino Anm. d. Red.) anlässlich seines Besuches erteilte. Dieser hatte vorausgesagt, dass das Kloster trotz unzähliger Schwierigkeiten niemals die Schließung erleiden werde.

Worauf beruht die Entscheidung der Übersiedlung nach Holland?

Der seit jeher in unserem Herzen lebendige missionarische Wunsch vergrößerte sich mit der Zeit. Ein solches Charisma steht durchaus im Einklang mit unserer Geschichte und unserer Spiritualität. Tatsächlich ist die Christianisierung Europas zu einem großen Teil den Nachkommen des hl. Benedikts zu verdanken, und nicht durch Zufall ist der Schutzpatron der Niederlande ein Benediktiner! Des Weiteren veranlassten die Mönche von Hohorst und Egmont gemeinsam mit der örtlichen Bevölkerung den Bau von Dämmen zur Abtrennung vom Meer. Durch die Gewinnung von sumpfigem Land entstanden auf diese Weise die ersten „Polder“. Im Kontext der Neuevangelisierung, in deren Zeichen die Gegenwart der Kirche steht, betrachteten wir die Niederlande als das Herz Europas. Wir kamen, um den Niederländern nahe zu sein, um mit ihnen und für sie zu beten. Wir hatten die Gelegenheit, dem Bischof von Haarlem-Amsterdam, Msgr. Josef Punt, zu begegnen. Dieser hat uns mit großer Herzlichkeit aufgenommen und brieflich einen offiziellen Auftrag auf eine Klostergründung in seiner Diözese gestellt. Es war nicht einfach, eine den Bedürfnissen einer monastischen Gemeinschaft entsprechende Einrichtung zu finden. Unterstützt wurden wir hierbei von Don Luc Georges, dem Rektor des Seminars „Redemptoris Mater“ und Alessio Radaelli, dem Verantwortlichen des Neokatechumenalen Weges in Nordholland. Nicht zu vergessen ist jedoch auch die Hilfe zahlreicher Mitbrüder in Form ihres Gebetes und von Almosen sowie ihrer Gastfreundschaft und ihres Einsatzes bei den Restaurierungsarbeiten, durch die unser Haus wohnlich gestaltet wurde. Insgesamt dauerte die Suche vier Jahre lang. Wie viele Reisen der Mütter blieben ergebnislos! Als wir die Hoffnung beinahe aufgegeben hatten, ereilte uns die Nachricht von der bevorstehenden Schließung eines Karmeliterklosters in Aalsmeer, das zum Verkauf angeboten wurde. Dank der Zustimmung der Kongregation für die Institute des geweihten Lebens sind wir heute in jeder Hinsicht eine neue Stiftung. Wir bezeichnen uns als „Maria Tempio dello Spirito Sancto“ (Maria, du Tempel des Heiligen Geistes). „Durch Zufall“ traf die erste Messfeier in der neuen Kapelle zeitlich mit der Gebetswache an Pfingsten zusammen! Diesen Umstand betrachteten wir als Zeichen dafür, dass unsere Entscheidung dem Herrn gefallen hat! Darüber hinaus überreichte uns der ehemalige Bürgermeister der Stadt unmittelbar nach unserer Ankunft eine Holzstatue der Jungfrau Maria als Geschenk. Diese wird in der Lauretanischen Litanei auch als „Tempel des Heiligen Geistes“ verehrt.

(Der zweite und letzte Teil erscheint morgen, am 1. April 2014)