Wir kamen in die Niederlande, um die Liebe Gottes zu verkünden (Zweiter Teil)

Interview mit Mutter Diletta, Oberin einer Gruppe von Benediktinerinnen, die auf Einladung des Bischofs von Haarlem-Amsterdam, von den Marken nach Aalsmeer übersiedelte

Amsterdam, (ZENIT.org) Paola de Groot-Testoni | 346 klicks

Ich bitte Sie um eine kurze Beschreibung des Benediktinerordens und seiner Merkmale. Worin besteht eure Mission hier in den Niederlanden konkret?

Wir sind Angehörige des auf den heiligen Benedikt zurückgehenden Ordens. Unser Tagesablauf gestaltet sich durch den Wechsel von Gebet und Arbeit, Schweigen und Reden, Einsamkeit und Gastfreundschaft. Unsere Regel schreibt uns vor, von unserer Hände Arbeit zu leben. Das Läuten der Glocke zu bestimmten Zeiten lässt uns jedoch innehalten und ruft uns zum gemeinsamen Gebet in der Kapelle. Dieses besteht aus Psalmgesängen und biblischen Lesungen und vermag es, über der geleisteten Arbeit den Himmel zu öffnen und unseren Blick stets auf Gott und das Volk gerichtet zu halten, dem unser Einsatz gelten soll. Auf diese Weise weihen wir ihm die zentralen Augenblicke des Tages (die Nacht, den Tagesanbruch, die Mittagszeit, den frühen Nachmittag, den Sonnenuntergang) und tragen unsere Nöte an ihn heran, damit er seinen Gnadenregen in unsere Seelen strömen lasse. Zu unserem Charisma zählen auch die Aufnahme von Gästen auf der Suche nach Gott, das Wiederfinden des Friedens und der Kontakt mit der Dimension des eigenen Inneren, d.h. sein Herz auszuschütten und ein Wort des Glaubens zu empfangen. Wie oft fehlt in einer Menge einsamer Existenzen jemand, dem man seine Sorgen anvertrauen kann. Wie oft ähnelt das Leben einem oberflächliches „Sich-Durchschlagen“, als seien wir nur Körper, als gehe es nur darum, „Dinge zu tun“, bis wir eine Traurigkeit in uns spüren, deren Grund wir nicht kennen. Ohne Gott kommen der Sinn des Lebens und die Würde des Menschen abhanden. Dieser verliert seine Identität als geliebtes Kind und glaubt, dass sich sein Wert an seiner Produktivität messe. Damit geht der Ausschluss von älteren Menschen, Embryonen und jeder Art von Schwäche einher. Die gute Nachricht ist jedoch die Tatsache, dass es einen Vater gibt, der uns so liebt, wie wir sind, der uns durch und durch kennt und darauf wartet, uns aufzunehmen, ohne eine Gegenleistung zu verlangen. Wir sind nicht an die Unentgeltlichkeit gewöhnt, sondern vielmehr daran, alles verdienen und erobern zu müssen: „Ich mag dich, wenn …“, „du verdienst Wertschätzung, wenn …“.  Wer kann uns lieben, wenn wir schlecht sind oder versagen? Jesus schiebt jedes „wenn“ und „aber“ beiseite, um uns zu zeigen, dass wir ob unserer Kostbarkeit sein Blut verdienen. In einer säkularisierten Welt, in der die Bedeutung der Transzendenz, das Emporstreben zum Himmel und die dem Menschen seine Schönheit offenbarenden Werte vollkommen verlorengegangen sind, ist das reine Vorhandensein eines Klosters bereits Ausdruck der lebendigen Gegenwart Gottes unter seinem Volk. Angesichts des vorherrschenden Konsumdenkens, des Hedonismus und Materialismus einer in Wahrheit nach Sinn hungernden Gesellschaft erinnert uns ein Kloster an unser Ziel im Himmelreich und daran, dass es sich für Gott alleine lohnt, alles zurückzulassen und uns auf die Suche nach dem einzig wahren „Schatz“, dem einzig wahren Glück, der einzig wahren Antwort auf die tiefen existenziellen Fragen zu begeben. Allein der Anblick eines geweihten Menschen lenkt unsere Gedanken naturgemäß an „die Dinge oben“ und wirft Fragen auf. Wir sind nicht in die Niederlande gekommen, um Proselytismus zu betreiben oder Gesetze zu verordnen, sondern um die Liebe zu verkünden.  

Neben dem Gebet  zählen auch die Arbeit sowie manuelle Tätigkeiten zur Tagesstruktur der Gemeinschaft. Mit welchen Aufgaben werden die Schwestern derzeit betraut und welche Zukunftspläne existieren diesbezüglich?

Unseren Schwerpunkt haben wir auf alle Arten von Stickereien und Häkelarbeiten gelegt. Wir fertigen Tischdecken, Spitzdecken, Bett- und Kissenbezüge, Vorhänge, Korporalien, Reiniger, usw. Wir können als Italienisch-Lehrerinnen arbeiten (und auch andere Fächer unterrichten, zumal sich unter uns Absolventen von Universitätsstudien in Sprachen, Literaturwissenschaft, Ingenieurwesen und Biologie befinden) und Unterricht in Stickerei, Häkeln, Plaudern und – als krönenden Abschluss – italienischer Küche erteilen. Bei rechtzeitiger Beauftragung können wir Speisen zum Mitnehmen zubereiten. Darüber hinaus verfügen wir über Fähigkeiten in den Bereichen Übersetzen, Schreiben, Zeichnen und Malen. Weitere Ideen sind uns bisher nicht gekommen, doch wir sind gerne bereit, weitere Aufgaben zu übernehmen, sofern diese innerhalb des Klosters durchführbar und mit unseren Gebetszeiten vereinbar sind. Bisher haben wir nur eine Anfrage für die Herstellung von Rosenkränzen erhalten, wobei jedoch zu bemerken ist, dass viele Menschen nicht einmal von uns wissen. Im Augenblick widmen wir uns daher lediglich dem Garten und Maurer-, Tischler- und Malerarbeiten zur Instandsetzung des Hauses! Im Verlegen von Bodenbelägen sind wir übrigens Expertinnen geworden! Was die Arbeiten im Haushalt betrifft, wurde jeder von uns ein Aufgabenbereich zugeteilt: Küche, Wäscherei, Bibliothek, Sakristei, Empfang der Gäste, etc.

Ihre Ordensgemeinschaft hat ein sehr altes Gebäude bezogen. Welche Bedarfslage besteht derzeit im Kloster und in welcher Form kann geholfen werden?

Eine Auflistung aller Erfordernisse des Klosters würde eine Epistel ergeben! Allein die Monatsrechnungen kosten ein Vermögen, ganz zu schweigen von den anstehenden Dach- und Fensterreparaturen. Wir stellen im wahrsten Sinne des Wortes Schüsseln und Eimer auf, um das Regenwasser aufzufangen! Unsere größte Sorge ist, dass uns angesichts des schlechten Zustandes der Träger das Dach auf den Kopf fällt. Eine harte Nuss ist auch der zu große Abstand zwischen den Fenstern und den Rahmen, wodurch nicht nur Wasser eindringt, sondern auch ein Wind weht, der uns unseren Schleier und unsere Haare zerzaust! Die kaputten Fenster haben wir mit Klebeband repariert, doch ich befürchte, dass uns diese Lösung auf Dauer nicht vor der Kälte schützen wird. Wenn man bedenkt, dass das Gebäude zu den nationalen Denkmälern zählt, ist das wirklich bedauerlich. In Anbetracht des gegenwärtigen Zustandes kann jedes Almosen ein Wunder bewirken!

(Der erste Teil erschien gestern, am Montag den 31. März 2014)