"Wir müssen beten, damit wir das Werk Gottes nicht kaputtmachen"

Pater Leo Maasburg, neuer Nationaldirektor von Missio Austria, über die Mission

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WIEN, 9. Februar 2005 (ZENIT.org).- "Wenn die katholische Kirche nicht missionarischen Eifer hat, dann ist sie nicht mehr die katholische Kirche. Und das gilt nicht nur für die Kirche allgemein, sondern das gilt auch für jeden getauften Christen", erklärt Pater Leo Maasburg, der seit 9. Februar neuer Nationaldirektor von "Missio Austria" ist, den Päpstlichen Missionswerken in Österreich. In diesem Amt folgt er Weihbischof Ludwig Schwarz nach, der die Landesorganisation des in über 143 Ländern vertretenen katholischen Hilfswerks seit 1999 leitete.



Für den langjährigen Begleiter der seligen Mutter Teresa und des vor zwei Jahren verstorbenen Gründers von "Kirche in Not", Pater Werenfried von Straaten, entspringt Mission sozusagen "automatisch" aus der persönlichen Beziehung zu Jesus Christus: Denn "wenn ich wirklich Christ bin, wenn ich entdeckt habe, was für ein enormes Geschenk das ist, das mir Christus gebracht hat, dann wäre es sehr verwunderlich, würde ich das nur für mich behalten wollen", erklärt er im Gespräch mit ZENIT.

Ihrem Wesen nach sei die Kirche missionarisch, weil sie, wie Christus, letztlich dazu da sei, von der Wahrheit Zeugnis zu geben: "Das ist in Wirklichkeit der Dienst, das ist der Dienst an der Wahrheit, in dem jeder Priester und jeder Getaufte steht. Mit der Taufe sind wir auch schon Teil dieser Wahrheitsverkündigung, sonst wäre die Taufe sinnlos."

Dieser Dienst an der Wahrheit sei vor allem ein Dienst an den "Ärmsten der Armen", was nicht unbedingt bedeutet, dass man sich nur um jene Menschen kümmern sollte, denen das materiell Notwendige fehlt: "In den Augen Gottes ist der arm, der nicht in Gott verliebt ist, der nicht seine Zuflucht zu Gott sucht und findet. Das ist der Ärmste der Armen."

Auch in Europa gebe es viele solcher armen Menschen, die vergessen haben, dass Gott – mehr als alles andere – "Liebe und Barmherzigkeit" ist. Der Konsumrausch und die Spaßgesellschaft seien daran nicht unbeteiligt. Jeder könne ihre Versuchung fühlen. Deshalb, so Pater Maasburg, sei es so wichtig, dass wir "bei uns selber anfangen. Anfangen, uns in die Wahrheit zu stellen. Das heißt ganz konkret, wenn wir katholisch sind, zu den Sakramenten zu gehen. Das heißt, genau jene Hilfen zu akzeptieren, die uns Christus gegeben hat, damit wir fähig werden, die Unterscheidung" zwischen dem Guten und dem Nicht-Guten zu machen.

"Damit wir fähig werden, die Liebe zu erkennen – die wirkliche Liebe. Denn der Mensch ist auf die Liebe, auf die Güte Gottes hin geschaffen. Und wenn das durch etwas anderes gesättigt wird, wenn dieser Drang im Menschen durch etwas anderes befriedigt wird, dann verliert der Mensch seine Fähigkeit zur Unterscheidung. Das ist wahrscheinlich die Hauptgefahr im heutigen Europa, dass unser Sinn, unsere Sehnsucht nach Liebe und nach Wahrheit durch so viele Angebote des Konsums, der Kultur, des Vergnügens, des Spaßes usw. derart verdeckt ist, dass wir gar nicht mehr fähig sind zu unterscheiden. Dann finden wir nichts Schlechtes mehr dabei, wenn die Ehescheidungsraten hinaufgehen, die Abtreibungsquoten gleich bleiben. Dann haben wir das Kriterium verloren."

Das Kriterium, das jedermann die Wahrheit erkennen lässt, sei Christus selbst, "der Weg, die Wahrheit und das Leben". Christus sei gekommen, "um alles zu erleuchten", erklärt Pater Maasburg. Dank Christus sei der Mensch dazu fähig, das Gute und das Wahre in der eigenen und in den anderen Kulturen zu erkennen. Deshalb bestehe die Aufgabe von "Missio Austria" gerade darin "den Menschen unserer Kultur und anderer Kulturen dabei zu helfen, dass sie unterscheiden können".

Der Nationaldirektor der österreichischen Einrichtung der Päpstlichen Missionswerke, in denen das Päpstliche Werk der Glaubensverbreitung, das Päpstliche Missionswerk des heiligen Apostels Petrus, die Päpstliche Missionsvereinigung und das Päpstliche Kindermissionswerk vereint sind, hält es für sehr wichtig, den Menschen verständlich zu machen, dass die katholische Kirche nicht die Wahrheit habe, sondern dass ihr die Botschaft Christi vielmehr anvertraut sei: "Sie hilft uns, zu unterscheiden und die Wahrheit zu finden. Man könnte sagen, sie ist wie ein ganz klares Suchprinzip. Dieses Suchprinzip dürfen und müssen wir auf alle Kulturen anwenden. Und alle Kulturen sind letztlich dankbar dafür, wenn sie eine Hilfe bekommen, um das, was in ihnen gut, schön und wahr ist, zu reinigen, zu klären, zu finden, zu leben, auszubauen. Das ist die Aufgabe von 'Missio'."

Im "Dienst an der Wahrheit" könne man immer auf die Hilfe Gottes vertrauen, sagt der neue Nationaldirektor. Und "dann wird diese Wahrheit gefördert, solange wir nicht, wie Mutter Teresa gesagt hat, die Wahrheit verpfuschen. Wir müssen beten, damit wir das Werk Gottes nicht kaputtmachen."

Den vollständigen Text des Interviews findet man unter "Mission fängt bei einem selber an".