Wir müssen das Gedächtnis unserer Taufe pflegen

Katechese des Papstes bei der heutigen Generalaudienz auf dem Petersplatz

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 374 klicks

Die Generalaudienz von heute Vormittag begann um 10.30 Uhr auf dem Petersplatz, wo der Heilige Vater Franziskus mit Gruppen von Pilgern und Gläubigen aus Italien und allen Teilen der Welt zusammentraf.

In seiner auf Italienisch gehaltenen Ansprache stellte der Papst das ewige Leben in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen.

Die Generalaudienz endete mit dem Gesang des Vaterunsers und dem apostolischen Segen.

Wir dokumentieren im Folgenden die Katechese des Heiligen Vaters in eigener Übersetzung.

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Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Heute beginnen wir eine Reihe von Katechesen über die Sakramente, und die erste betrifft die Taufe. Ein glücklicher Zufall will, dass gerade am kommenden Sonntag das Fest der Taufe des Herrn gefeiert wird.

1. Die Taufe ist das Sakrament, auf dem unser Glaube fußt und das uns zu lebendigen Gliedern Christi und seiner Kirche macht. Zusammen mit dem Sakrament der Eucharistie und dem der Firmung bildet sie die sogenannte „christliche Initiation“, die uns wie ein einziges, großes sakramentales Ereignis in die Kirche des Herrn eingliedert und uns zu lebenden Zeichen seiner Gegenwart und Liebe macht.

Es könnte uns eine Frage kommen: Ist die Taufe denn wirklich notwendig, um christlich zu leben und Jesus zu folgen? Ist sie nicht im Grunde nur ein Ritus, ein formaler Akt der Kirche, um einem Kind seinen Namen zu geben? Diese Frage könnte aufkommen. In diesem Zusammenhang ist lehrreich, was der Apostel Paulus schreibt: „Wisst ihr denn nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben“ (Röm 6,3-4). Die Taufe ist also keine Formsache! Sie ist ein Akt, der unser Dasein von Grund auf verändert. Ein getauftes und ein ungetauftes Kind sind nicht das Gleiche! Ob ein Mensch getauft oder ungetauft ist, ist nicht das Gleiche. Durch die Taufe werden wir in jene unerschöpfliche Quelle des Lebens getaucht, die der Tod Jesu ist, diese größte Liebestat der Geschichte; und dank dieser Liebe können wir in ein neues Leben eintreten, befreit von den Ketten des Bösen, der Sünde und des Todes; ein Leben in Gemeinschaft mit Gott und unseren Brüdern und Schwestern.

2. Die meisten von uns besitzen nicht die geringste Erinnerung an die Feier ihrer Taufe, und das ist selbstverständlich, wenn wir als kleine Kinder getauft wurden. Ich habe diese Frage schon zwei oder drei Mal hier auf diesem Platz gestellt: Wer von euch kennt den genauen Tag seiner Taufe? Der hebe bitte die Hand! Es ist wichtig, den Tag zu kennen, an dem ich in jenen Fluss der Rettung Jesu getaucht wurde. Ich erlaube mir, euch einen Rat zu erteilen. Doch mehr als ein Rat ist es eine Aufgabe für heute. Wenn ihr heute nach Hause geht, fragt nach, sucht nach dem Datum eurer Taufe, damit ihr diesen schönen Tag im Gedächtnis behalten könnt. Das Datum unserer Taufe kennen heißt, einen glücklichen Tag in Erinnerung behalten zu wollen. Dieses Datum nicht zu kennen birgt die Gefahr, dass wir vergessen könnten, was der Herr in uns gewirkt hat, welches große Geschenk wir erhalten haben. Dann werden wir unsere Taufe als ein Ereignis der Vergangenheit betrachten, das nicht einmal wir, sondern unsere Eltern gewollt haben und das keinerlei Einfluss mehr auf unser gegenwärtiges Leben hat. Wir müssen das Gedächtnis unserer Taufe pflegen. Wir sind berufen, unsere Taufe im Alltag zu erleben, als eine gegenwärtige Realität unseres Daseins. Wenn es uns gelingt, Jesus nachzufolgen und in der Kirche zu bleiben, trotz unserer Grenzen, Schwächen, und Sünden, dann geschieht dies gerade kraft des Sakraments, das uns zu neuen Geschöpfen gemacht und mit Christus bekleidet hat. Kraft der Taufe geschieht es, dass wir von der Erbsünde befreit werden und an der Beziehung Jesu zum Vater teilhaben dürfen, wodurch wir zu Trägern einer neuen Hoffnung werden, denn die Taufe gibt uns diese neue Hoffnung: die Hoffnung, unser Leben lang auf dem Weg der Erlösung voranzuschreiten. Diese Hoffnung kann durch nichts und niemanden ausgelöscht werden, denn die Hoffnung enttäuscht nicht. Denkt daran: Die Hoffnung in den Herrn enttäuscht nie. Kraft der Taufe sind wir fähig, Vergebung und Liebe auch jenen entgegenzubringen, die uns beleidigen und uns Böses wollen; kraft der Taufe können wir in den Letzten und Ärmsten das Gesicht des Herrn erkennen, der uns besucht und uns nahe kommt. Die Taufe hilft uns, in den notleidenden Menschen, unseren Nächsten, Jesus selbst zu erblicken. Das alles geschieht durch die Kraft der Taufe!

3. Ein letzter wichtiger Punkt. Ich will euch eine Frage stellen: Kann ein Mensch sich selbst taufen? Niemand kann sich selbst taufen! Niemand. Wir können um dieses Sakrament bitten, wir können es uns wünschen, aber wir brauchen immer jemanden, der es uns im Namen des Herrn spendet. Denn die Taufe ist ein Geschenk, das in einem Kontext brüderlicher Fürsorge und Anteilnahme weitergereicht wird. Immer in der Geschichte hat einer den anderen getauft, dann den nächsten, übernächsten… Es ist eine Kette. Eine Kette der Gnade. Doch kann ich mich nicht selbst taufen: Ich muss einen anderen um die Taufe bitten. Es ist ein Akt der Brüderlichkeit, durch den der Kirche Kinder entstehen. In der Feier dieses Sakraments können wir das tiefste Wesen der Kirche erkennen, die wie eine Mutter fortfährt, in Christus neue Kinder zu gebären, in der Fruchtbarkeit des Heiligen Geistes.

Lasst uns also von Herzen den Herrn bitten, dass wir immer mehr in unserem Alltag diese Gnade erfahren dürfen, die wir mit der Taufe empfangen haben. Wenn unsere Brüder und Schwestern uns begegnen, sollen sie echten Kindern Gottes begegnen, echten Brüdern und Schwestern Jesu Christi, echten Mitgliedern der Kirche. Und vergesst nicht eure heutige Aufgabe: Sucht, fragt nach dem Datum eurer Taufe. So, wie ich den Tag meiner Geburt kenne, muss ich auch den Tag meiner Taufe kennen, denn es ist ein Festtag.