„Wir sind dem Heiligen Vater für seinen freimütigen Brief sehr dankbar“

Erklärung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz

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BONN, 11. März 2009 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Erklärung, die der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch (Freiburg), heute zum neuen Brief von Papst Benedikt XVI. an die Bischöfe der Weltkirche über das Thema der Aufhebung der Exkommunikation für die vier Bischöfe der Priester-Bruderschaft Pius X. abgegeben hat.

Das päpstliche Schreiben, das offiziell erst morgen im Vatikan vorgestellt wird, aber aufgrund einer Indiskretion schon jetzt in den Medien kursiert, legt, wie Erzbischof Zollitsch erläutert, die Gründe dar, die Benedikt XVI. bewogen haben, die Exkommunikation der vier Bischöfe der Priesterbruderschaft St. Pius X. aufzuheben. Außerdem geht der Papst in seinem Brief auf das wichtigste Anliegen seines Pontifikats und der Kirche ein: „die Menschen zu Gott zu führen“.

Erzbischof Zollitsch bringt gegenüber dem Heiligen Vater die Dankbarkeit des deutschen Episkopats für diesen Brief zum Ausdruck und fügt hinzu: „Seine Worte bewegen mich, sie wirken klärend und motivierend. Wir deutschen Bischöfe wissen uns entschieden an der Seite von Papst Benedikt XVI. im Bemühen, den Glauben der Kirche lebendig und unverkürzt zu verkünden und die Einheit unter den Getauften zu stärken.“  

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Infolge einer Indiskretion wird in den Medien bereits heute über einen Brief des Heiligen Vaters an die Bischöfe der katholischen Kirche berichtet, dessen Veröffentlichung und Erklärung für morgen vorgesehen ist. Papst Benedikt XVI. möchte nochmals die Gründe darlegen, die ihn bewogen haben, die Exkommunikation von vier Bischöfen der Priesterbruderschaft St. Pius X. aufzuheben. Dieser Schritt war dazu bestimmt, den Versöhnungswillen des Papstes zum Ausdruck zu bringen. Der Heilige Vater spricht offen von einigen Pannen, die seine Geste der Einladung zur Rückkehr in die volle Gemeinschaft mit der Kirche begleitet haben und Ursache zahlreicher Missverständnisse und Auseinandersetzungen waren. Der Wegfall der Exkommunikation betraf die disziplinäre Ebene. Er beantwortet noch nicht die vielen doktrinellen Fragen, die sich stellen und die insbesondere die Annahme des Zweiten Vatikanischen Konzils und des nachkonziliaren Lehramtes der Päpste betreffen. Ihretwegen soll in der Kurie künftig die Glaubenskongregation für die Bruderschaft St. Pius X. oder ähnliche Gruppierungen zuständig sein. Durch diese Vor­gehensweise ist auch eine bessere Abstimmung im Kardinalskollegium möglich.

Mit großer Offenheit erörtert Papst Benedikt schließlich die Frage, welche positive Be­deutung seine Entscheidung haben sollte. Die Menschen zu Gott zu führen, ist die oberste und grundlegende Aufgabe der Kirche und des Papstes. Sie verlangt auch die Sorge um die Einheit in der Kirche und Gesten der Versöhnung, um Gruppierungen wie die Priester­bruderschaft aus Verkrampfungen und Verengungen zu befreien. Dass ihm eine solche Geste Anfeindungen auch innerhalb der Kirche eingetragen hat, deutet Papst Benedikt als Bewahrheitung dessen, was der Heilige Paulus im Galaterbrief über bedrückende Feindseligkeiten in der Gemeinde sagt.

Wir sind dem Heiligen Vater für seinen freimütigen Brief sehr dankbar. Er ist ein Do­kument des brüderlichen Umgangs mit uns Mitbischöfen, der geistlichen Un­terscheidung und der ehrlichen Rechenschaft gegenüber allen Gläubigen. Seine Worte bewegen mich, sie wirken klärend und motivierend. Wir deutschen Bischöfe wissen uns entschieden an der Seite von Papst Benedikt XVI. im Bemühen, den Glauben der Kirche lebendig und unverkürzt zu verkünden und die Einheit unter den Getauften zu stärken. Dafür steht auch die Erklärung der Frühjahrs-Vollversammlung unserer Bischofskonferenz in der vergangenen Woche. Unseren respektvollen Dank für seinen Brief werde ich dem Heiligen Vater per­sönlich übermitteln können.

[Von der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichtes Original]