"Wir sind die Christen des Irak"

Brief eines irakischen Priesters an seine verwundete Heimat

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ROM, 12. November 2010 (ZENIT.org).- Der chaldäische Priester Albert Hisham Naoum aus dem Irak trauert seit dem 31. Oktober um zwei Freunde und Mitbrüder im Priesteramt: Wasim Sabieh und Thaier Saad Abdal, die mit mehr als 50 anderen Menschen bei den Sprengstoffexplosionen der Geiselnehmer in der Kirche Sayidat al-Najat („Unsere Liebe Frau der Erlösung") im Irak getötet wurden. In einem Brief, den er in Rom verfasst hat, wo er derzeit Kommunikationswissenschaften studiert, schreibt er über das Blutzeugnis der Märtyrer von Bagdad.

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Die Märtyrer der Kirche „Unsere Liebe Frau der Erlösung" zeigte der Welt wieder einmal, wer wir sind, die Christen des Irak, und sie schlossen sich den Märtyrern unserer Kirche an, denen, die ihr Leben für Christus unserem Herrn geopfert haben, die uns lehrten, Zeugnis abzulegen über die Auferstehung des Lebens, für Vergebung, für Hoffnung, für Liebe, für Glaube und Freude.

Das Blut unserer getöteten Helden ruft in die Welt hinaus zur ganzen Menschheit, und drängt die Christen des Irak, wo auch immer wir sind, vor der Welt über das Leiden und über den auferstandenen Christus zu predigen, der in unserem verwundeten Land lebt.

Ja, ich sage „predigen", weil unser Glaube eine frohe Botschaft ist, so wie „es war und immer sein wird". Wer immer Ohren hat zu hören, uns jetzt zu hören, der soll wissen, dass Christus in den Christen des Irak lebt. Es ist ein Zeugnis, das lebt und leben wird. Und wenn da jemand ist, der die Bedeutsamkeit des Zeugnisses im Leben nicht erkennt, so werden wir ihm und der ganzen Welt nur sagen, dass es für uns das Leben selbst ist. Was die Welt als „nichts" bezeichnet, das ist für uns „alles"!

Die Christen des Irak sind sich darüber wohl bewusst, dass der auferstandene Christus den Tod besiegt hat, nicht weil sie getaufte Gläubige sind, sondern vielmehr weil sie den bitteren Becher getrunken und erfahren haben, von anderen aufgegeben zu werden. Und Seite an Seite mit ihm gingen sie den Weg seines Kreuzes und fielen unter dem Gewicht ihres Kreuzes - einmal beim Angriff auf ihre Kirchen, einem mit Tod, und auch noch mit dem Massaker von Unserer Lieben Frau der Erlösung. Sie stehen immer noch aufrecht und leben ihren Glauben so, wie sie dies in der Geschichte immer getan haben, und gehen dabei den Weg des Leidens.

Für die Christen im Irak war der 31. Oktober nicht das erste Mal, dass sie gelitten haben, und kein Mensch, besonders diejenigen, die vorgeben den Frieden zu wünschen, dies aber nicht Wahrheit nicht tun, kann so tun, als ob dies das letzte Mal war. Aber sie interessieren uns nicht, weil unsere Hoffnung nie auf sie gerichtet war noch jemals sein wird, sondern in dem Einen, der sein Kreuz auf sich genommen hat und den Weg des Todes gegangen ist, um zu garantieren, dass das Leben weitergeht und siegen wird.

Freude und Tragödie

Die Christen des Irak haben zutiefst die Bedeutung des Lebens erfahren, weil sie seine Freuden erfahren haben, nachdem sie die Bitterkeit der Trauer gekostet haben. Sie lebten in Hoffnung, nachdem sie die Macht der Tragödie erfahren hatten. Sie erfuhren Lachen, nachdem sie mit Tränen bezahlt hatten, und sie erlebten Lächeln, nachdem sie sahen, dass das ihre gewaltsam angehalten wurde. Dies sind wirklich die Christen des Irak mit ihren guten Herzen, die jeden lieben, ihr Land, und das Leben, und das sind jene, die ihren Feinden vergeben, und Güte säen, wo auch immer sie sind, und dabei den Geist des Friedens verbreiten. Und trotz ihres großen Leidens vergaßen sie niemals ihren christlichen Geist zu leben, überall wo sie hingingen.

Als ein Beispiel für all dies kann ich Ihnen die Kirche „Unsere Liebe Frau der Erlösung" zeigen, die für alle Christen im Irak spricht, und Beispiele aufzeigt, die mit dem Blut ihrer Märtyrer geschrieben wurden.

Haben Sie erfahren, wie sie in dem Massaker gestorben sind, die beiden mutigen Priester und Wasim Sabieh sowie Thaier Saad Abdal? Wussten Sie, dass sie die Gläubigen verteidigten und versuchten, deren Leben zu retten, indem sie das ihre ab dem ersten Moment anboten, als sie Verbrecher ihren Fuß in die Kirche setzten? Wussten Sie, dass ein Vater seien Sohn beschützte, in dem er ihn vollständig mit seinem eigenen Körper bedeckte, als sie am Boden lagen, und dabei in einem Kugelhagel starb, das Kind aber überleben würde? Haben Sie gehört, dass die Mörder ein vier Monate altes Mädchen und eine junge Frau umbrachten, die am Tage ihres Todes die beste Nachricht erfuhr, nämlich dass sie schwanger war, und deswegen zur Kirche gekommen war, um Gott für dieses Geschenk zu danken?

Oh, Menschen der Welt, dies sind die Christen des Irak. Hören sie und legen sie jedem darüber Zeugnis ab!

Und Ihr Christen des Irak, wenn Traurigkeit Eure Seelen erfüllt und Ihr Euch nicht die Zukunft vorstellen könnt, blickt nach oben, zu Gott im Himmel und auf Erden, und erinnert Euch wohl daran, wer ihr seid und lasst es die Welt wissen! Christus wird uns nicht verlassen, wir sind seine „kleine Herde", und er möchte, dass wir für immer bei ihm bleiben, um unserem Glauben und unsere Liebe für alle zu leben, wie wir dies immer getan haben, weil er uns sagt: „Daran wird jeder erkennen, dass ihr meine Jünger seid". (Joh 13,35).

Wir legen mit unserem Leben Zeugnis ab, damit die Welt sehen kann, was uns geschieht, so dass diejenigen, die ihre Ohren verstopft haben und ihren Mund geschlossen halten, darüber sprechen werden, wer wir sind. Wir sind die Christen des Irak!

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Ende des Briefs

Die Nachrichtenagentur Assyrian International News Agency meldet 58 ermordete Gemeindemitglieder und 75 Verletzte als Resultat des Angriffs in der Bagdader Kirche. Sie listet folgende 43 Opfernamen auf, die ZENIT an dieser Stelle wiedergibt, um ihrer zu gedenken:

Father Tha'ir Saadallah Abalhad Abdal

Father Wasim Sabih Joseph al-Qas

George Ayyub Tubiyya

Nabil Ilyas Sam'an Saqat

Saham Adnan Sado

Thamir Kamil Awsi

Nida Hamid Estefan

Umar Thamir Kamil Awsi

Aziz al-Maysi

Jonah George al-Sa'ur

John Jonah George al-Sa'ur

Rita Matthew George Zura

Sandro John Jonah al-Sa'ur [child]

Maha Nasif Banno

Salam Adib

Wisam Adib

Faiz Wadallah Qazzazi

Uday Zuhayr Mardina Arab

Adam Uday Zuhayr Arab

Bahnam Mansur Bulus Mumika

Ayyub Adnan Ayyub Burjo

Sabah Matthew Hamami

Saad Edward al-Sa'ati

Faris Najib Phillip Hannawi

Vivian Nasir Maro

Nathir Abd al-Ahad Anani

Fadi Bahuda

Mazin Fathil Salim Ilyas

Abdullah Haddad

Wamiq Haddad

Raghda Wafi Bishara

Nizar Jamil Matlub

Milad Nizar Jamil Matlub

Bassam Adnan Jamil al-Khury

Adnan Jamil al-Khury

Bahnam Michael Kafilmawt

Salah George Abd al-Ahad Qaqo

Christine Nabil Tubiya Katnawi

Ra'id Saadallah Abalhad Abdal

Fadi Samir Habib Amso

Ethel Najib Abbudi

Nizar Hazim Abdurrahim al-Sayigh

Suhayla Rofail Jani

[Übersetzung aus dem Englischen und Bearbeitung: Michaela Koller]