"Wir sind uns dessen sicher: Von oben her verfolgt Maria unsere Schritte mit zärtlicher Aufmerksamkeit": Generalaudienz im Zeichen der irdischen Pilgerschaft (16. August 2006)

"Die großen Erfolge der Technik und der Wissenschaft (…) geben auf die tiefsten Fragen der menschlichen Seele keine Antwort"

| 311 klicks

CASTEL GANDOLFO, 17. August 2006 (ZENIT.org).- Benedikt XVI. nahm die Generalaudienz am Mittwoch zum Anlass, um einen Tag nach dem Hochfest Mariä Himmelfahrt erneut darauf hinzuweisen, dass das Leben des Menschen eine Pilgerschaft ist, die in den Himmel führt.



"Wenn wir Maria in der himmlischen Herrlichkeit betrachten, begreifen wir, dass auch für uns die Erde nicht die endgültige Heimstatt ist und dass wir, wenn wir ständig auf die ewigen Güter hin ausgerichtet leben, eines Tages ihre Herrlichkeit teilen werden", erklärte der Heilige Vater vor rund 4.000 Gläubigen aus aller Welt.

* * *



Liebe Brüder und Schwestern!

Unser übliches wöchentliches Mittwochstreffen findet heute in der Aura des Hochfests Mariä Himmelfahrt statt. Ich möchte euch somit einladen, noch einmal den Blick auf unsere himmlische Mutter zu richten, die uns die gestrige Liturgie als diejenige zeigte, die im Triumph mit Christus im Himmel vereint ist. Dieses Fest ist für das christliche Volk seit den ersten Jahrhunderten des Christentums immer sehr wichtig gewesen. Wie bekannt ist, wird in ihm auch die leibliche Verherrlichung jenes Geschöpfs gefeiert, das Gott als Mutter auserwählte und das Jesus vom Kreuz aus der ganzen Menschheit zur Mutter gab. Die Aufnahme in den Himmel ist ein Geheimnis, das einen jeden von uns angeht. Deshalb sagt das Zweite Vatikanische Konzil: "Maria leuchtet hier unten als Zeichen sicherer Hoffung und Tröstung für das Volk Gottes, das auf dem Weg ist" (Lumen gentium, 68). Man ist aber von den alltäglichen Beschäftigungen derartig eingenommen, dass diese tröstende geistliche Wirklichkeit, die eine wichtige Glaubenswahrheit darstellt, oft vergessen wird.

Wie kann es also angestellt werden, dass dieses helle Hoffnungszeichen immer mehr von der heutigen Gesellschaft wahrgenommen wird? Heute gibt es Menschen, die so leben, als müssten sie nie sterben oder als ob mit dem Tod alles zu Ende sei; einige verhalten sich so, als hielten sie den Menschen für den alleinigen Gestalter des eigenen Schicksals, als ob es Gott nicht gäbe – und so kommen sie manchmal sogar dahin zu verneinen, dass es für Ihn in unserer Welt Platz gibt. Die großen Erfolge der Technik und der Wissenschaft, die das Befinden der Menschheit bedeutend verbessert haben, geben aber auf die tiefsten Fragen der menschlichen Seele keine Antwort. Nur die Öffnung hin zum Geheimnis Gottes, der Liebe ist, kann den Durst unseres Herzens nach Wahrheit und Glück löschen; nur die Perspektive der Ewigkeit kann den Ereignissen der Geschichte und vor allem dem Geheimnis der menschlichen Gebrechlichkeit, seines Leidens und seines Sterbens authentischen Wert verleihen.

Wenn wir Maria in der himmlischen Herrlichkeit betrachten, begreifen wir, dass auch für uns die Erde nicht die endgültige Heimstätte ist und dass wir, wenn wir ständig auf die ewigen Güter hin ausgerichtet leben, eines Tages ihre Herrlichkeit teilen werden. Deshalb dürfen wir trotz der so vielen alltäglichen Schwierigkeiten die innere Ruhe und den Frieden nicht verlieren. Das helle Zeichen der in den Himmel Aufgenommenen leuchtet noch stärker, wenn sich am Horizont traurige Schatten des Schmerzes und der Gewalt anzuhäufen scheinen. Wir sind uns dessen sicher: Von oben her verfolgt Maria unsere Schritte mit zärtlicher Aufmerksamkeit; in der Stunde der Finsternis und des Sturms schenkt sie uns Ruhe, mit ihrer mütterlichen Hand gibt sie uns Sicherheit. Von diesem Bewusstsein getragen, schreiten wir vertrauensvoll auf unserem Weg christlichen Eifers dorthin fort, wohin uns die Vorsehung führt.

[Auf Deutsch sagte der Papst:]

Ein herzliches Willkommen hier in Castel Gandolfo sage ich den Einzelpilgern und Gruppen aus den deutschsprachigen Ländern. Unter den verschiedenen Pilgergruppen aus Deutschland grüße ich ganz besonders die Landsleute aus Pentling bei Regensburg, die gemeinsam mit einer Abordnung ihrer italienischen Partnergemeinde Corciano aus Umbrien hierher gekommen sind. Euch allen, liebe Brüder und Schwestern, wünsche ich von ganzem Herzen gesegnete und Kräfte erneuernde Urlaubstage in Italien. Möge Gott, der Herr unseres Lebens, euch auf all euren Wegen mit seiner Liebe und Gnade begleiten!

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals; © Copyright 2006 – Libreria Editrice Vaticana]