"Wir sind vom Rest des Landes abgeschnitten"

So beschreibt der Weihbischof von Odessa-Simferopol, Msgr. Jacek Pyl, KIRCHE IN NOT gegenüber die aktuelle Lage der Krim

Luzern, (KiN Schweiz/Fürstentum Liechtenstein) | 357 klicks

„Wir kommunizieren nur per Telefon oder E-Mail“, berichtet der Bischof. „Sogar die Pakete mit den Hilfsgütern werden an der Grenze zurückgehalten.“ Trotz der sehr wenigen verfügbaren Ressourcen kümmert sich die katholische Kirche, die gerade 2.000 Gläubige zählt, um viele Familien in Schwierigkeiten.

Nach dem Referendum, mit dem die Angliederung der Krim an Russland festgelegt wurde, sind die ukrainischen Banken geschlossen worden, um Raum für die Banken der Föderation zu schaffen, die russische Währung ist gerade in Umlauf gekommen und in der Übergangszeit hatten die Bewohner keinen Zugriff auf ihre Bankkonten und konnten auch weder Gehälter noch Renten in Empfang nehmen. „Wir versuchen, auf die Notlage zu antworten, indem wir Lebensmittel und Medikamente verteilen, vor allem an die grossen Familien. Wir helfen auch  den griechisch-katholischen Gläubigen, die an unseren Gottesdiensten teilnehmen, denn alle ihre Priester haben die Krim verlassen.“

Hindernisse im Weg

Der römisch-katholischen Klerus ist auf der umkämpften Halbinsel geblieben, doch es ist noch nicht klar, wie seine Mitglieder dort bleiben können. Es scheint, dass die Regierung in Moskau für die Ukrainer, die nicht ursprünglich von der Krim stammen, eine Visumspflicht einführen wird, und viele der Geistlichen, die in der Diözese Odessa-Simferopol tätig sind, sind polnischer Nationalität und haben eine Langzeitaufenthaltsgenehmigung, die von der ukrainischen Regierung ausgestellt wurde. Die Ablösung der Krim hat zudem Jahre der Verhandlungen mit Kiew über die Rückgabe kirchlichen Eigentums aus Sowjetzeiten nichtig gemacht. „Die Kirche von Sewastopol, die unter dem Kommunismus zu einem Theater umfunktioniert worden war, schien kurz davor zu stehen, der Kirche zurückgegeben zu werden, doch die Anstrengungen der Vergangenheit zählen nichts mehr.“ Auch die für den Bau oder die Renovierung erhaltenen Genehmigungen sind nunmehr wertlos, doch Msgr. Pyl lässt sich nicht entmutigen: „Wir haben so oft bei null angefangen und sind bereit, es wieder zu tun. Wichtig ist, dass niemand Hindernisse auf unseren Weg legt.“

Keinen Hass im Herzen

Vor ein paar Wochen hat der Bischof in einem Brief an die Bevölkerung die Einwohner der Krim aufgefordert, „nicht zuzulassen, dass die Brüderlichkeit der Völker auf der Halbinsel zerbreche“. Ein identischer Appell wurde anschliessend vom russisch-orthodoxen Metropoliten Lazarus von Simferopol und der Krim ausgegeben. „Die Christen aller Konfessionen haben in geistiger Einheit gebetet, dass es zu keinen mörderischen Auseinandersetzungen unter Brüdern kommen möge. Das ausbleibende Blutvergiessen während des Überganges der Krim zu Russland ist Zeichen für die Kraft unseres Gebetes.“ Die Beziehungen mit der islamischen Gemeinschaft sind im Moment stabil, auch wenn Medienberichte die Ankunft militanter Organisationen aus Tschetschenien und dem ehemaligen Jugoslawien auf der Krim ankündigen. „Die Lage ist noch ruhig, aber die Nachrichten, die uns über die Medien erreichen, sind wirklich alarmierend.“

In Gedanken bei der ungewissen Zukunft der Region, bekräftigt Msgr. Pyl die grosse Notwendigkeit des Gebetes und erzählt, wie sie auf der Krim nur dank der christlichen Tugenden überleben: Glaube, Hoffnung und Liebe.

„Der Glaube erlaubt es uns, das Geschehene durch das Prisma der Vorsehung Gottes zu betrachten; in Hoffnung schauen wir in die Zukunft, denn wir wissen, dass Gott in diesem schwierigen Moment nah ist; und die Liebe, Gott und unseren Mitbrüdern gegenüber, hilft uns, keinen Hass in unseren Herzen aufkeimen zu lassen.“

Spenden mit dem Vermerk «Ukraine» können gerichtet werden an:

KIRCHE IN NOT
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