Wir teilen unsere Erfahrung von der Liebe Christi mit jenen, die ihn nicht kennen

Kardinal Donald Wuerl spricht als Generalreferent bei der ersten Generalversammlung der Bischofssynode

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von Luca Marcolivio

VATIKANSTADT, 9. Oktober 2012 (ZENIT.org). ‑ In seiner „Relatio ante Disceptationem“ erläuterte Donald William Wuerl, Erzbischof von Washington und Generalreferent der Bischofssynode, in lateinischer Sprache das „Instrumentum laboris“, das den Arbeiten im Rahmen der 13. Generalversammlung der Bischofssynode Leben einhauchen wird.

Das erste Thema kreist um folgende Fragestellung: „Wer/was wird von den Vätern der Synode verkündet“, bzw. um „Jesus in seinem Evangelium und in seinem Leben“, wobei das gesamte christliche Leben „durch die Begegnung mit Jesus“ definiert wird. Christus erweckt mit seiner Verkündigung des kommenden Reiches Begeisterung. Dies erreicht er ebenso mit seiner Einladung zu einem „neuen Sein“, deren Bedeutung gewissermaßen größer ist als jene der Einladung zu einer „neuen Lebensweise“.

In diesem Zusammenhang wies der Generalreferent darauf hin, dass die Neuevangelisierung sich den offensichtlichen Herausforderungen stellen müsse, beginnend bei der „ideologischen und intellektuellen Trennung zwischen Christus und seiner Kirche“. Ein weiteres Hindernis sei die Mentalität des Individualismus, der die Tendenz innewohne, die „notwendigen Beziehungen eines Menschen mit den anderen“, und in weiterer Folge „die Verantwortung den anderen Menschen gegenüber“ auf ein Minimum zu reduzieren.

Ein zweites von Kardinal Wuerl angesprochenes Thema war den der Neuevangelisierung zur Verfügung stehenden Ressourcen gewidmet. So hatte bereits Paul VI. in „Evangelii nuntiandi“ die Lehre des Konzils weitergeführt, während der selige Johannes Paul II. im Laufe seines langen und intensiven Pontifikates neben anderen Dokumenten die postsynodalen Apostolischen Exhortationen „Catechesi Tradendae“ und „Christifideles Laici“ verfasst hatte.

Benedikt XVI., der gegenwärtige Bischof von Rom, betonte seinerseits, dass es sich beim Erkennen der „neuen Notwendigkeiten der Evangelisierung“ um eine „prophetische Aufgabe des Papstes“ handle.  

Eine unerlässliche Ressource sei letztlich der Katechismus der Katholischen Kirche als authentisches „Kompendium des Glaubens“ und ein „heller Lichtstrahl, der die erschütternd große Dunkelheit der religiösen Unwissenheit erleuchtet.“

„Die Bedingungen unserer Zeit“, so Erzbischof Wuerl, konfrontierten die Menschen mit einer Heilsankündigung, die, ausgehöhlt durch leere oder vom wirklichen Leben ferne Versprechungen, „all ihre Frische verloren“ habe. Zugleich herrsche ein „drastischer Rückgang bei der Praxis des Glaubens unter den Getauften.“

Einer der Gründe für die beschleunigte Säkularisierung ortete Kardinal Wuerl in der qualitativen Verschlechterung der Katechese, die oft „wahrhaft dürftig und auf vielen Ebenen der Unterweisung unvollständig“ sei. Dies habe zur Folge, dass „ganze Generationen sich von jenen Strukturen, die sich der Unterstützung bei der Verbreitung des Glaubens annehmen, entfernt haben.“ Ebenso habe die Anziehungskraft von „sozialen Indikatoren wie Ehe, Familie, der Gedanke des Allgemeinwohls, die Unterscheidung zwischen Gut und Böse“, abgenommen.

In Bezug auf die „Bausteine“ der Neuevangelisierung“ erläuterte der US-amerikanische Kardinal, dass diese kein „Programm“ sei, sondern vielmehr eine „Art zu denken, zu sehen und zu handeln.“

Innerhalb der Neuevangelisierung müsse zwischen drei Phasen unterschieden werden: a) der Erneuerung oder Vertiefung unseres Glaubens; b) einem neuen Vertrauen in die Wahrheit unseres Glaubens; c) dem Wille, ihn mit den anderen Menschen zu teilen.

Diese Haltung sei allerdings der Bedrohung durch ein „laizistisches Wertesystem, das sich in den vergangenen Jahrzehnten als höherer und besserer Lebensstil durchgesetzt hat im Vergleich zu jenem, der uns von Jesus, seinem Evangelium und seiner Kirche vorgelebt wird.“

Die beste Antwort auf diese allgemeine Tendenz sei die Ermunterung einer gesamten Generation zur „Entdeckung des einfachen, wahren und greifbaren Schatzes der Freundschaft mit Jesus.“ Mit jenen, die Christus nicht oder nicht gut kennen, teilen wir „unsere Erfahrung der Liebe zu Christus; keine philosophische Abhandlung über das Verhalten“, indem wir „unsere Freude an dem vollkommenen und unendlichen Geliebtsein und daher die Fähigkeit zu lieben“ weitergeben.  

Kardinal Wuerl erinnerte daran, dass die Neuevangelisierung von „anthropologischen Fundamenten“ gestützt werde. Diese können in der Würde des Menschen, in der Unterscheidung zwischen Gut und Böse, in der Achtung der natürlichen Ordnung der Moral und in der Unversehrtheit sozialer Institutionen wie der Ehe und der Familie, erschlossen werden.

Hinzu kämen ein „christologisches Fundament“, das in der „Wiedereinführung“ und in der „Wiedereinladung“ Christi in seiner gesamten Menschlichkeit und Gottheit bestehe, ein „ekklesiologisches Fundament“ (die Notwendigkeit der Kirche als Weg zum Heil) und ein „soteriologisches Fundament“. Dieses liege im Bewusstsein dessen, was wir als „sein Reich“ verstünden. 

[Übersetzung des italienischen Originals von Sarah Fleissner]