"Wir tragen den Samen der Auferstehung in uns"

Katechese des Papstes bei der heutigen Generalaudienz auf dem Petersplatz

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 475 klicks

Die Generalaudienz von heute Vormittag begann um 10.30 Uhr auf dem Petersplatz, wo der Heilige Vater Franziskus mit Gruppen von Pilgern und Gläubigen aus Italien und allen Teilen der Welt zusammentraf.

In seiner auf Italienisch gehaltenen Ansprache stellte der Papst die Auferstehung der Toten in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen.

Nach einer Zusammenfassung in verschiedenen Sprachen wandte sich Papst Franziskus mit einem besonderen Gruß an die anwesenden Gruppen von Gläubigen. Zuletzt forderte er alle Anwesenden noch dazu auf, für den Frieden in Syrien zu beten, besonders für die mit Gewalt entführten Ordensschwestern des griechisch-orthodoxen Klosters der hl. Thekla in Maalula.

Die Generalaudienz endete mit dem Gesang des Vaterunsers und dem apostolischen Segen.

Wir dokumentieren im Folgenden die Katechese des Heiligen Vaters in eigener Übersetzung.

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Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Ich komme heute noch einmal auf die Stelle im Credo zu sprechen, an der es heißt: „Ich glaube an die Auferstehung des Fleisches.“ Es handelt sich hierbei um eine Glaubenswahrheit, die alles andere als offensichtlich ist, denn es ist nicht leicht für uns, die wir in unser irdisches Dasein eingetaucht leben, die zukünftigen Dinge zu verstehen. Doch das Evangelium erleuchtet uns auch hierin: Unsere Auferstehung ist fest an die Auferstehung Christi gebunden; die Tatsache, dass er auferstanden ist, ist der Beweis dafür, dass es die Auferstehung von den Toten gibt. Deshalb möchte ich ein paar Einzelheiten vertiefen, die die Beziehung zwischen der Auferstehung Christi und unserer eigenen Auferstehung betreffen. Christus ist auferstanden, und gerade weil er auferstanden ist, werden auch wir auferstehen.

Zunächst wollen wir festhalten, dass die Heilige Schrift eine schrittweise Offenbarung dieser Wahrheit der Auferstehung der Toten enthält. Die Hoffnung auf die leibliche Auferstehung der Toten folgt aus dem Glauben an Gott, den Schöpfer, der den ganzen Menschen, Seele und Leib, erschaffen hat, und an Gott, der befreit und am Bund mit seinem Volk treu festhält. Der Prophet Ezechiel beschreibt eine Vision, in der er sieht, wie die Gräber der Deportierten sich öffnen und die ausgetrockneten Gebeine zum Leben zurückkehren, weil ihnen ein belebender Geist eingehaucht wird. Diese Vision drückt die Hoffnung in die zukünftige „Auferweckung Israels“ aus, das heißt, in die Wiedergeburt des besiegten und gedemütigten Volkes (vgl. Ez 37,1-14).

Jesus führt diese Offenbarung im Neuen Testament zur Vollendung und bindet den Glauben an die Auferstehung an seine Person. Er sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben“ (Joh 11,25). Tatsächlich wird es unser Herr Jesus sein, der am letzten Tag alle Menschen auferwecken wird, die an ihn geglaubt haben. Jesus ist unter uns gekommen, ist ein Mensch wie wir geworden, uns in allem gleich außer in der Sünde; auf diese Art hat er uns auf seinem Rückweg zum Vater mitgenommen. Er, das menschgewordene Wort, das für uns gestorben und auferstanden ist, schenkt seinen Jüngern den Heiligen Geist als Unterpfand der vollen Gemeinschaft in seinem Reich, das wir wachsam erwarten. Diese Erwartung ist die Quelle und der Grund unserer Hoffnung: einer Hoffnung, die genährt und bewahrt werden muss – unsere Hoffnung muss genährt und bewahrt werden –, um zum Licht zu werden, das unsere persönliche und gemeinschaftliche Geschichte erhellt. Denken wir immer daran: Wir sind Jünger dessen, der gekommen ist, jeden Tag wiederkommt und am Ende der Zeit kommen wird. Wenn es uns gelänge, diese Wahrheit etwas mehr im Alltag vor Augen zu behalten, dann wären wir nicht so müde, dann würden die vergänglichen Dinge uns nicht so gefangen nehmen, und wir wären eher bereit, mit liebendem Herzen auf den Wegen des Heils zu wandern.

Noch etwas: Was bedeutet es eigentlich, aufzuerstehen? Die Auferstehung aller Menschen wird am letzten Tag erfolgen, wenn die Welt enden wird; sie ist ein Werk der Allmacht Gottes, der unserem Leib das Leben zurückgeben wird, indem er ihn wieder mit der Seele vereint kraft der Auferstehung Jesu. Das ist die grundlegende Erklärung: Wir werden auferstehen, weil Jesus auferstanden ist; wir besitzen diese Hoffnung, weil er uns die Tür zur Auferstehung geöffnet hat. Diese Verwandlung, diese Verklärung unseres Leibes wird schon in diesem Leben vorbereitet, durch unsere Beziehung zu Jesus und den Sakramenten, besonders zur Eucharistie. Wenn wir uns in diesem Leben von seinem Leib und seinem Blut genährt haben, werden wir wie er selbst auferstehen, mit ihm und durch ihn. Genau wie Jesus mit seinem Leib auferstanden ist, aber nicht zu einem irdischen Leben zurückkehrte, so werden auch wir mit unseren Leibern auferstehen, die zu verherrlichten Leibern verklärt sein werden. Das ist keine Lüge! Es ist die Wahrheit. Wir glauben daran, dass Jesus auferstanden ist, dass er in diesem Augenblick lebt. Glaubt ihr, dass Jesus lebt? Und wenn Jesus lebt, glaubt ihr dann, dass er uns sterben lassen wird, ohne uns wieder zu erwecken? Nein! Er wartet auf uns, und weil er auferstanden ist, wird die Kraft seiner Auferstehung uns alle erwecken.

Noch eine letzte Überlegung: Schon in diesem Leben haben wir Teil an der Auferstehung Christi. Es stimmt einerseits, dass Jesus uns am Ende der Zeit auferwecken wird, aber es stimmt andererseits auch, dass wir in einem gewissen Sinn schon mit ihm auferstanden sind. Das ewige Leben hat bereits jetzt begonnen; es beginnt während der ganzen Zeit unseres irdischen Daseins, das auf jenen Augenblick der endgültigen Auferweckung ausgerichtet ist. Denn wir sind durch die Taufe bereits auferstanden; durch die Taufe sind wir in den Tod und die Auferstehung Christi eingetreten und haben Teil an dem neuen Leben, das sein Leben ist. Daher tragen wir, in Erwartung des letzten Tages, den Samen der Auferstehung in uns, wie eine Vorwegnahme der vollen Auferstehung, die wir erben werden. Deshalb hallt im Leib eines jeden von uns die Ewigkeit wider; deshalb müssen wir unseren Leib und den der anderen achten; besonders muss das Leben derer, die leiden, geachtet und geliebt werden, damit sie die Nähe zum Reich Gottes, zu jenem Zustand ewigen Lebens, der das Ziel unserer Reise ist, spüren können. Dieser Gedanke gibt uns Hoffnung: Wir befinden uns auf dem Weg zur Auferstehung. Jesus sehen, ihm begegnen: das ist unsere Freude! Wir werden alle vereint sein – nicht hier auf diesem Platz, sondern woanders –, aber freudig und mit Jesus vereint. Das ist unser Los!

[Aufruf des Heiligen Vaters:]

Ich möchte jetzt alle dazu einladen, für die Ordensschwestern des griechisch-orthodoxen Klosters der heiligen Thekla in Maalula in Syrien zu beten, die vor zwei Tagen mit Gewalt von bewaffneten Männern entführt wurden. Lasst uns für diese Ordensfrauen beten, für diese unsere Mitschwestern, und für alle Menschen, die in diesem Krieg entführt worden sind. Lasst uns fortfahren, für den Frieden zu beten und zu handeln.