Wird Spanien der „Abtreibungshof Europas“?

Kritik an der geplanten Gesetzesänderung

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MADRID, 11. September 2008 (Zenit.org).- Durch das neue spanische Abtreibungsgesetz, das 2009 vorgestellt und bis Jahresende verabschiedet werden soll, werde die Zahl der Abtreibungen in diesem Land dramatisch ansteigen, warnt Eduardo Hertfelder, Präsident des „Instituts für Familienpolitik“ („Instituto de Política Familiar“, IPF). Hertfelder fordert deshalb eine sofortige Überarbeitung des Gesetzesentwurfs.



Nach aktuelle Hochrechnungen des IFP, die die angestrebte Fristenlösung der sozialistischen Regierung berücksichtigt, wird im Jahr 2015 die Marke von 232.000 Abtreibungen pro Jahr überschritten sein. Innerhalb von sieben Jahren würden somit täglich 637 ungeborene Kinder sterben – alle 2,3 Minuten eine Abtreibung.

Die Legalisierung der Abtreibung bis zur zwölften Schwangerschaftswoche bedeute gemeinsam mit dem  Plan, Abtreibungen im Fall eines so genannten „psychologischen Risikos für die Mutter“ sogar bis zum Ende der Schwangerschaft zuzulassen, und der kürzlich verabschiedeten Bestimmung, entsprechende Daten nicht zu registrieren, eine Signalwirkung für die übrigen EU-Mitgliedsstaaten, so Hertfelder.

Spanien werde so zum Land mit den meisten Abtreibungen in ganz Europa, was der aktuellen Tendenz zur Konsolidierung und sogar zum Rückgang in anderen europäischen Ländern widerspreche.

Der emeritierte Erzbischof von Pamplona, Fernando Sebastián, hat die Pläne der spanischen Regierung in einem offenen Brief scharf kritisiert. „Die Freizügigkeit in Bezug auf die Abtreibung macht uns zu einer verkommenen und verdorbenen Nation“, betont er. „Wir dürfen bei diesem Rennen um die moralische Zerstörung Spaniens und der Spanier keine Helfershelfer sein.“

Anstatt Abtreibung als ein Recht und eine Lösung vorzuschlagen, sollte man vielmehr dafür eintreten, dass Abtreibung als das gesehen werde, „was es ist: ein unmenschliches und zerstörerisches Verbrechen“. Erzbischof Sebastián warnte davor, dass Spanien durch die angstrebten Gesetzesänderungen zur „Abtreibungshof Europas“ werden könnte.

Abtreibungsbefürworter erliegen nach seinen Worten immer demselben Trugschluss, nämlich Abtreibung vom Standpunkt der Erwachsenen her zu betrachten und zu erörtern. Das sei so, als würde man den Diebstahl von den Interessen der Diebe her analysieren.

Um Abtreibung wirklich menschlich bewerten zu können, sei es erforderlich, den Standpunkt des abgetriebenen Kindes einzunehmen, so der Erzbischof. „Wenn es nicht erlaubt ist, ein neugeborenes Kind zu töten, warum soll es dann zulässig sein, es einige Wochen vor der Geburt zu töten? Nur weil es denen, die stärker sind, so beliebt“, fügt er hinzu.

Erzbischof Sebastian appelliert an die katholischen Familien, sich der Lobhudelei für wilden Sex zu widersetzen, die sich „auf Betreiben von nihilistischen Minderheiten und durch das feige Schweigen von fast allen anderen Menschen“ in der spanischen Gesellschaft ausbreite und zu der  die Abtreibung als „ein weiteres Element“ dazugehöre.

Die Politiker ruft der Erzbischof dazu auf, mit einer „ernsthafte Debatte“ zu beginnen, an der sich alle Menschen, auch die Katholiken, gleichberechtigt beteiligen können.