Wirkungen der grausamen Glaubensverfolgung unter dem Sowjetregime noch spürbar

Bischof Joseph Werth SJ, Russische Föderation, spricht vor der Bischofssynode

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VATIKANSTADT, 18. Oktober 2012 (ZENIT.org). Der Bischof von Sibirien (Russische Föderation), Joseph Werth SJ, berichtete in ihrer Ansprache bei der 15. Generalkongregation der Bischofssynode am Mittwoch, dem 17. Oktober, der Synodenversammlung von den schweren Leiden der katholischen Kirche unter dem Sowjetregime der Vergangenheit und der Hoffnung, die das Zweite Vatikanische Konzil eröffnet habe.

[Wir dokumentieren die deutsche Ansprache im vollen Wortlaut:]

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Liebe Mitbrüder

Geehrte Versammlung!

Russland ist das größte Land der Welt und Sibirien wiederum der größte Teil desselben. Von Ural bis Wladiwostok und Kamchatka. 13000000 Quadratkilometer. Diese Millionen sind unter zwei katholischen Bischöfen verteilt. Den anderen zwei Bischöfen ist der kleine Rest, der europäische Teil Russlands zugeteilt. Die Fläche sehr groß, die Menschen schon weniger. Die Katholiken machen 1 Prozent der Bevölkerung aus.

Und dieses Land wurde im 20. Jahrhundert von der grausamsten Glaubensverfolgung heimgesucht. Die äußere Struktur der Kirche war völlig zerstört worden. Nur kleine Gemeinden, einzelne Familien konnten den Glauben bewahren.

Und nun sind wir schon mehr als 20 Jahre frei! Fast nicht zu glauben! Wir haben wieder eine äußere Struktur mit Kirchen, Gebetsräumen, Priesterseminaren. Ein theologisch-philosophisches Institut und ein Fernsehstudio. Gut 300 Priester, neben noch mehr Ordensschwestern sind aus dem Ausland nach Russland gekommen. Eine kleine hoffnungsvolle Zahl eigener Berufungen wächst heran. Noch vor 22 Jahren hätten wir nicht einmal davon träumen können! Ich danke im Namen aller Katholiken Russlands Euch allen, der Weltkirche für Eure Hilfe und Unterstützung!

Und nun ist alles im besten Zustand? – Nein, weit davon entfernt.

Der Kommunismus hat tiefe, schreckliche Spuren hinterlassen. Unsere Gesellschaft braucht einen langen Heilskurs.

Aus was beruht unsere Hoffnung heute?

Erstens auf dir Fürbitten unserer Märtyrer. Wir bauen heute auf de Fundament der Märtyrer des 20. Jahrhunderts. Letztlich ist es das Fundament des Kreuzes Jesu Christi.Zweitens das Zweite Vatikanische Konzil

Vor 50 Jahren haben die Bischöfe der ganzen Welt im Vatikan und der Heilige Geist wichtige Beschlüsse getroffen, die das Angesicht der Kirche erneuern sollten. Die Ankündigung und der Anfang des Konzils haben Freude und Begeisterung im gläubigen Volk hervorgerufen.

Und wir, - die Katholiken in der ehemaligen Sowjetunion, waren vor 50 Jahren mit dem „eisernen Vorhang“ von der freien Welt, von der Weltkirche getrennt.

Als der selige Johannes XXIII das Konzil ankündigte, sagte er, dass ihm auf einmal ganz klar wurde, dass die Kirche ein neues Pfingsten braucht.

Vor einem Jahr dachte ich nach über die große Bedeutung des Zweiten Vatikanischen Konzils. Und es wurde mit ganz klar, dass die Kirche in Russland jetzt anlässlich des 50-jährigen Gedenkens an das Konzil, die Lehre des Konzils wiederholen sollte.

Schon ein Jahr beschäftigen wir uns mit diesem Thema. Das Zweite Vatikanum stand im Mittelpunkt unserer Pastoralkonferenz im letzten Sommer. Die Konferenz fand in der Kathedrale Novosibirsk statt. Die Kirchenbänke wurden aufgestellt, wie vor 50 Jahren im Petersdom. Alte Kinochronik – die Aufnahme vor 50 Jahren auf dem Petersplatz, sorgte für die richtige Einstimmung. Die Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils wurden studiert und besprochen. Der eigentliche Prozess der Wiederholung der Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils wird den Zeitraum vom 11. Oktober 2012 bis 8. Dezember 2015 einnehmen. Wir haben heute vielleicht sogar Vorteile vor der freien Kirche damals. Von der 50. jährigen Entfernung aus mit einer der 50. jährigen Erfahrung der Kirche können wir heute manche negativen Momente vermeiden.

Möge das 50. Gedenken des Konzils ein wahres Pfingsten für die Kirche in Russland werden.

Danke.