Wirtschaftswissenschaftler beraten über „Caritas in veritate“

Kardinal Martino eröffnete Tagung in Rom

| 1810 klicks

ROM, 15. Juli 2009 (ZENIT.org).- Der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, Kardinal Renato Raffaele Martino, eröffnete gestern, Dienstag, in Rom die Tagung „Die neue Enzyklika Caritas in veritate Benedikts XVI. - Forschungswege zur Förderung einer Universitätskultur“, die vom Büro für Studentenseelsorge des Vikariats Rom organisiert worden ist. Der Kongress, bei dem Wege einer ganzheitlichen Entwicklung gefunden werden sollen, richtet sich vor allem an die Dozenten für Wirtschaftswissenschaften der römischen Universitäten.



Zum Auftakt erinnerte Kardinal Martino die Teilnehmer an die folgenden Worte des Papstes: „Die Kirche hat keine technischen Lösungen anzubieten und beansprucht keineswegs, ‚sich in die staatlichen Belange einzumischen'. Sie hat aber zu allen Zeiten und unter allen Gegebenheiten eine Sendung der Wahrheit zu erfüllen für eine Gesellschaft, die dem Menschen und seiner Würde und Berufung gerecht wird. Ohne Wahrheit verfällt man in eine empiristische und skeptische Lebensauffassung, die unfähig ist, sich über die Praxis zu erheben, weil sie nicht daran interessiert ist, die Werte – und bisweilen sogar die Bedeutungen – zu erfassen, mit denen diese zu beurteilen und nach denen sie auszurichten ist“ (Caritas in veritate, 9).

In einem Gespräch mit Radio Vatikan erklärte der Wirtschaftswissenschaftler Leonardo Becchetti (2. Römische Universität „Tor Vergata“), dass die große Revolution, die die Enzyklika gebracht habe, im Verständnis bestehe, dass das System der Wirtschaft besser funktioniere und zu einer ganzheitlichen Entwicklung des Menschen führe, wenn der Mensch in seinem Reichtum und in seiner Komplexität erkannt werde. Heute hänge die Wirtschaft vor allem vom Niveau des Vertrauens und der Qualität der Beziehungen ab. Es müssten daher all jene Elemente hervorgehoben werden, in denen die Faktoren, die zur Verwirklichung der Person beitragen, auch Faktoren der wirtschaftlichen Fruchtbarkeit seien.

Dass Benedikt XVI. in seinem Schreiben auch das Mikro-Finanzwesen, ethische Fonds und Banken erwähne, stellt für Becchetti eine wichtige Legitimierung dieser Wirklichkeiten dar. Benedikt XVI. fordere damit die Wissenschaftler heraus, die Folgen und Grenzen derartiger Initiativen herauszuarbeiten. Gleichzeitig sei dadurch auch eine Anerkennung für all jene gegeben, die sich in diesem Bereich engagierten und gezeigt hätten, dass diese Neuerungen möglich seien.

Becchetti betonte, dass der Papst die Notwendigkeit einer Ethik herausstelle, in deren Mittelpunkt der Mensch und nicht der Profit steht: „Das ist der einzige Weg, um aus der Krise herauszukommen.“ Eine Humanisierung der Welt der Unternehmen sei nicht nur möglich, sondern bereits in einigen Sektoren verwirklicht. Es genüge, ein hohes soziales Ziel in den Mittelpunkt der unternehmerischen Tätigkeit zu stellen. Auf diese Weise wären die Arbeitnehmer nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen motiviert. Allerdings bedürfe es auch einer besonderen Aufmerksamkeit gegenüber den Arbeitnehmern: Ihre wirtschaftliche Situation müsse gerecht sein, damit das Unternehmen nachhaltig aktiv wirtschaften könne.

Domenico Bodega, Professor an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der katholischen Universität „Sacro Cuore“ erklärte, dass die zentrale Stellung der Person auch ihre Freiheit betreffe. Die Freiheit werde in der Enzyklika neu hervorgehoben und mit dem Begriff der Verantwortung verbunden. Benedikt XVI. unterstreiche die Bedeutung der Unentgeltlichkeit und des Schenkens und bekräftigte so den Wert der Geschwisterlichkeit, der sozialen Gesetze, des Kapitals „Mensch“, das durch das Geschenk aufgebaut werde.