Wissenschaft: kein Kalkül sonder Eintreten in die Weite der Vernunft

Benedikt XVI. an die vatikanische Sternwarte im Jahr der Astronomie

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ROM, 30. Oktober 2009 (ZENIT.org).- Die Wissenschaft muss den Horizont der Vernunft auf die Suche nach der Wahrheit hin öffnen und in der Schöpfung Gott suchen. Dies betonte Papst Benedikt XVI. am heutigen Vormittag gegenüber den Teilnehmern einer Konferenz, die von der „Specula Vaticana“ anlässlich des „Jahres der Astronomie 2009“ organisiert worden war. Der Papst bekräftigte, dass der Mensch bei der Betrachtung des Universums wie auch der anderen Wunder der Schöpfung das Werk des Gottes erkennen kann, der Liebe ist.

Heute und am morgigen Samstag begehen die „Specula Vaticana“ und das Governatorat des Staates der Vatikanstadt mit einer Reihe von kulturellen Veranstaltungen das Jahr der Astronomie. An diesen nehmen Astronomen aus der ganzen Welt teil.

Das internationale Jahr der Astronomie, das dem Gedenken Galileo Galileis gewidmet ist, lade die Menschen dazu ein, auf das Universum in einem Geist des Staunens zu blicken und sich dabei für die Suche nach der Wahrheit zu engagieren, so der Aufruf Benedikts XVI. Der Papst unterstrich, dass die Menschen in Christus, dem neuen Adam, „den wahren Mittelpunkt des Universums und der Geschichte“ erkennen. In Christus, dem Mensch gewordenen Wort, sehe der Mensch vollständig die Größe seines Menschseins, das mit Vernunft begabt und zu einer ewigen Bestimmung berufen sei.

Benedikt XVI. erinnerte dann an die Geschichte des vatikanischen Observatoriums, die an die Gestalt Galileo Galileis und an die „Auseinandersetzungen gebunden ist, die dessen Forschung umgeben haben, sowie an den Versuch der Kirche, ein korrektes und fruchtbares Verständnis der Beziehung zwischen Wissenschaft und Religion zu erlangen“.

Der Papst nahm die Gelegenheit wahr, um seine Dankbarkeit nicht nur für die Studien zum Ausdruck zu bringen, die den präzisen historischen Kontext der Verurteilung Galileos geklärt hätten. Gleicher Dank gebühre für die Anstrengungen all derer, „die sich in einem ständigen Dialog und in einer Reflexion über die gegenseitige Ergänzung von Glauben und Vernunft eingesetzt haben, im Dienst eines ganzheitlichen Verständnisses des Menschen und seines Platzes im Universum“.

Eine „humanistische Synthese der Erkenntnis“ habe die Väter der modernen Wissenschaft inspiriert, so Benedikt XVI. weiter, was eine immer aktuelle Lehre bleibe. Niemand könne leugnen, dass die Verantwortung für die Zukunft der Menschheit und die Achtung der Natur heute mehr denn je „die aufmerksame Beobachtung, das kritische Urteil, die Geduld und die Disziplin“ erforderten, die für die moderne wissenschaftliche Methode wesentlich seien.

Gleichzeitig würden die großen Wissenschaftler der Zeit der großen Entdeckungen in Erinnerung rufen, dass „die wahre Erkenntnis immer auf die Weisheit ausgerichtet ist und uns, statt den Horizont des Geistes zu begrenzen, einlädt, unseren Blick auf das hohe Reich des Geistes zu richten“.

Die Erkenntnis müsse, so Benedikt XVI. eindringlich, immer in ihrer gesamten befreienden Dimension verstanden und gesucht werden. Sie könne zwar auf Kalkül und Experiment reduziert werden, müsse jedoch, wenn sie danach strebt, für den Menschen orientierende Weisheit zu sein, auf die letzte Wahrheit ausgerichtet sein, „die der Schlüssel unseres echten Glücks und unserer wahren Freiheit ist“.

Benedikt XVI. beendete seinen Ansprache mit einer Mahnung an alle Wissenschaftler: „Es ist meine Hoffnung, dass das Staunen und die Erhebung des Geistes jenseits der Betrachtung der Wunder der Schöpfung zur Betrachtung des Schöpfers und der Liebe führen, die mit den Worten Dante Alighieris ‚den Himmel und die anderen Sterne bewegt’ (Paradies XXXIII, 145).“