WJT für "Daheimgebliebene"

Parallelveranstaltungen in vielen heimischen Pfarrgemeinden

Rom, (ZENIT.org) | 307 klicks

Für die meisten ist es eine nur virtuelle Reise nach Rio. Nur die wenigsten Jugendlichen aus Europa konnten sich den teuren Flug zum südamerikanischen Kontinent leisten. Hier schaffen die zahlreichen live-Übertragungen, die in allen Sprachen angeboten werden, Abhilfe. Aber nicht nur zu Hause vor dem Fernseher oder Computer können sich die „Daheimgebliebenen“ mit einer „passiven Teilnahme“ trösten: Die meisten katholischen Pfarrgemeinden bieten den jungen Gläubigen ein spannendes Parallelprogramm zu den Veranstaltungen in Rio an. „Mit offenen Armen — gleich wie die Jesusstatue auf dem Zuckerhut in Brasilien die Menschen begrüßt — so wollen auch wir euch empfangen und einladen, dieses Event in unserer Heimat hautnah mitzuerleben.“ Mit diesen Worten wirbt beispielsweise der Pfarrverband Bad Bergzabern an der südlichen Weinstraße zu einem sechstägigen Großtreffen mit Katechese, Musik, Volleyballturnier und Meditation. Das Programm ist auf die Altersgruppe der Teilnehmer abgestimmt; es enthält auflockerndes Spiel, aber auch ernsthafte Gespräche und vor allem gemeinsames Gebet und Meditation. 

Besondere Anziehungspunkte für die jungen Gläubigen sind die bekannten Pilgerstätten. So ist das Marienheiligtum in Lourdes der wichtigster Treffpunkt in Frankreich, zu dem sich ungefähr 1500 Jugendliche angemeldet haben. Unter dem Motto „Lourdes mit Rio“ schließen sie sich virtuell den zwei Millionen Pilgern in Brasilien an, die sich in diesen Stunden begeistert um Papst Franziskus scharen. Das Treffen geht auf eine Initiative des Jugenddienstes (Service Jeunes) des bekannten südfranzösischen Wallfahrtsortes am Fuß der Pyrenäen zurück, der Dutzende von freiwilligen Helfern mobilisierte. Erst kürzlich waren die Mariengrotte und das umliegende Terrain nach einer Hochwasserkatastrophe unzugänglich geworden. Die Organisatoren mussten für das Jugendtreffen alternative Strukturen schaffen. Höhepunkte der Veranstaltungen sind eine Gebetsvigil vor der Grotte, eine Fackelprozession und die Aufführung eines Bühnenstücks. 

Mit Lourdes in einer Städtepartnerschaft verbunden ist das polnische Tschenstochau, das mit dem Kloster „Heller Berg“ der Pauliner die wichtigste polnische Wallfahrtstätte darstellt. Zur „Schwarzen Madonna“, Nationalsymbol des Landes, pilgern jährlich bis zu vier Millionen Menschen aus aller Welt. In diesen Tagen ist die spätmittelalterliche Ikone Gegenstand besonderer Verehrung und Aufmerksamkeit: denn in Brasilien wird die Schwärze mit der dunklen Hautfarbe einheimischer Bevölkerung in Verbindung gebracht und als Mariendarstellung einer schwarzen Bevölkerung interpretiert. Dieser gedankliche Verknüpfungspunkt mit Brasilien wird aber noch von einem historischen Ereignis übertroffen. Im Jahr 1991 beherbergte die Stadt Tschenstochau (1991) den sechsten Weltjugendtag mit Papst Johannes Paul II., der mit 1,6 Millionen Teilnehmer ein großer Erfolg war. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs konnten hier erstmals Jugendliche aus Osteuropa ungehindert an dem Glaubensfest teilnehmen. Als besondere Huldigung an den einheimischen seligen Pontifex hat die Stadt neulich die größte Papststatue aller Zeiten im Stadtpark enthüllt. 

Im Bewusstsein dieses historischen Erbes hat sich die bekannte polnische Wochenzeitschrift „Niedziela“, die ihren Redaktionssitz in Tschenstochau hat, zur Aufgabe gemacht, junge Menschen aus aller Welt auf dem WJT in Rio zu begleiten, natürlich in virtueller Form. Dafür wurde eine spezielle Webseite kreiert (sito web), auf der ständig Videos, Fotogalerien und Infos aktualisiert werden.

Monika Książek, Redakteurin der Seite, äußert sich enthusiastisch gegenüber ZENIT: „Wir werden auf dem wunderschönen Strand der Copacabana sein, wo die Jugendlichen der ganzen Welt bezeugen, dass der Herr Christus der Retter ist. Wir möchten den jungen Menschen, die nicht in Rio sein können, von der Schönheit und der mitreißenden Begeisterung des jugendlichen Glaubensfestes, das sich in Rio abspielt, erzählen!“