WJT: Katholiken, Juden und Muslime im Dialog

Jugendliche der drei großen monotheistischen Religionen "bauen Brücken" in Rio

Rio de Janeiro, (ZENIT.org) Airam Lima Junior | 438 klicks

Zum ersten Mal in der Geschichte des Weltjugendtages fand eine Begegnung zwischen Jugendlichen der drei großen monotheistischen Religionen statt.

Am vergangenen Sonntag (21. Juli) versammelten sich 150 junge Katholiken, Juden und Muslime an der PUC zu einem Seminar, das von der Interreligiösen Jugend von Rio de Janeiro (JIRJ) ins Leben gerufen wurde. Das Seminar hatte zum Ziel, die Einigkeit in der Vielfalt hervorzuheben und zu feiern. Dabei wurde versucht, den Dialog bis ins kleinste Detail in die Praxis umzusetzen.

So wurde aus Rücksichtnahme auf die Speisegebote des gerade laufenden Ramadan der muslimischen Teilnehmer darauf verzichtet, während der Sitzungen Getränke oder Essen offen anzubieten. Während des alljährlichen Fastenmonats ist den Moslems Essen und Trinken erst nach Sonnenuntergang gestattet.

Die Religionszugehörigkeit der Jugendlichen war teils durch die spezifische Kleidungsmerkmale zu erkennen. Im Versammlungssaal sah man viele junge Leute mit T-Shirts mit Aufdrucken der jeweiligen Pfarrgemeinde oder katholischen Bewegung, Jungen mit der jüdischen Kopfbedeckung, der Kippa, und Mädchen mit dem Hijab, das typische islamische Kopftuch. Einige kamen aus anderen Ländern wie Nicaragua, Bolivien und Algerien.

Am Tisch berichteten junge Leute wie Fernando Celino von der Muslimischen Gesellschaft des Mitleids aus Rio de Janeiro über ihre persönlichen Erfahrungen auf der Suche nach einem interreligiösen Dialog:

„Ich begann die Kommission für den Kampf gegen religiöse Intoleranz zu besuchen, die sich mit einem Umbanda-Zentrum zusammengeschlossen hat, eine in Brasilien praktizierte synkretistische, esoterische Religion afrikanischen Ursprungs, sagte Fernando. „Obwohl ich nie Vorurteile gegen andere Religionen gehegt hatte, war dieser Kontakt von meinen Stereotypen ausgeschlossen. Ich habe vor allem große Freundschaften geschlossen.“

„Wir erkennen Gott den Schöpfer“, bekundete die Katholikin Aline Barbosa, Koordinatorin der Jugendseelsorge. „Genau von dort aus sollten wir starten, uns als Brüder anerkennen und bereit sein, unseren Nächsten zu lieben.“ Aus diesem Grund betont Rodrigo Baumworcel von der jüdischen Vereinigung Hillel: „Das Gebet ist die Brücke zwischen den Religionen.“

Die Erfahrung des interreligiösen Dialogs in Rio ist nicht auf die akademische Welt beschränkt. Zwei Grund- und Mittelschulen, die katholische Santo Inácio und die jüdische Liessin haben das Projekt „Nachbarn der offenen Tür“ lanciert, in dem die Schüler der beiden Schulen einander gegenseitig besuchen.

In jüngerer Zeit haben die Muslime begonnen, daran teilzunehmen, auch wenn sie über keine eigenen Schulen in der Stadt verfügen. Sie beantworten die Fragen der Schüler zum Islam. Diese Erfahrung hat in der letzten Vollversammlung zu dem Vorschlag eines Zusammenlebens der Schüler der verschiedenen Religionen angeregt.

Darüber hinaus haben die Jugendlichen gemeinsame soziale und kulturelle Aktivitäten zur Förderung des interreligiösen Dialogs vorgeschlagen.

Es sollte nicht versäumt werden, die Gegenwart auch von „Erwachsenen“ auf dem Seminar zu erwähnen. Bei der Eröffnung der Sitzung waren Persönlichkeiten wie der arabische Scheich Mohammed Hamed Wali Khan, der argentinische Rabbiner Abraham Skorka, ein persönlicher Freund von Papst Franziskus, und Erzbischof Francis Orani Tempesta aus Rio de Janeiro anwesend. Letzterer betonte in seiner Rede, dass die „jungen Menschen der Welt verkünden, dass es möglich ist, eine Welt der Brüderlichkeit und des Friedens zu schaffen.“