Wo Geistliche verfolgt, inhaftiert und bedroht werden

IGFM-Initiative zum Priesterjahr

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FRANKFURT AM MAIN, 23. Juni 2009 (ZENIT.org/IGFM). - Anlässlich des aktuellen Priesterjahres ruft die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) zur öffentlichen Debatte über die weltweite Bedrohung und Verfolgung von Geistlichen auf. Geistliche werden gerade in Staaten und Gesellschaft mit restriktiver Religionspolitik als Multiplikatoren verfolgt oder sind besonderen Gefährdungen ausgesetzt. Dies gilt auch für Führer und Repräsentanten nichtchristlicher Religionen. Die IGFM setzt mit Beginn des Priesterjahres ihre gezielte Beobachtung der Lage der Geistlichen und religiösen Führer mit dem jetzt endenden Paulusjahr fort.



Türkei
Nationalistisch-islamische Gruppen bedrohen in den letzten Jahren verstärkt Geistliche. Am 6.2.2006 wurde der 60jährige italienische Missionspriester Don Andrea Santoro in der türkischen Hafenstadt Trapzon von einem 16jährigen erschossen. Zu den am 18. April 2007 in einem Bibelverlag der Stadt Malatya umgebrachten drei Protestanten gehörte der türkische Pastor und Konvertit Necati Aydin. Einige Priester und Pastoren stehen aktuell unter Polizeischutz, so der Vorsitzende der Katholischen Bischofskonferenz der Türkei, der italienische Bischof Luigi Padovese, der katholische Pfarrer Pierre Brunissen in der Schwarzmeerstadt Samsun - beide Geistliche waren bereits Ziel von Anschlägen sowie der evangelische Pastor Ertan Cevik in Izmir. Der armenisch-orthodoxe Patriarch Mesrob II. in Istanbul hat Anfang 2008 wegen konkreter Morddrohungen persönlich Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

Volksrepublik China

Am 9. Juni 2009 verhafteten Dutzende Beamte der chinesischen Sicherheitsabteilung der Provinz Sichuan über 30 Kirchenleiter in der Stadt Langzhong, die im Haus von Pastor Li Ming versammelt waren. 13 Gemeindeführer wurden für 15 Tage in administrative Haft genommen, fünf weitere, darunter Pastor Li, wurden fangeklagt und können ordentlich verurteilt oder bis zu drei Jahren Haft in Umerziehungslagern festgehalten werden, die anderen wurden nach Informationen von China Aid freigelassen. Mehrere katholische Bischöfe sind in China seit Jahren in Haft oder gelten nach Festnahme als ‚verschwunden'. Bischof Su Zhimin von Baoding, Führer der romtreuen Kirche, wurde 1997 verhaftet, und seitdem fehlen von dem bald 80jährigen jegliche Lebenszeichen oder Informationen. Bischof Jia Zhiguo von Zhengding kam kurz vor Ostern 2009 erneut ins Gefängnis, seine nunmehr 13. Inhaftierung seit Januar 2004. Nach Informationen der Kardinal Kung-Stiftung gibt es keine Informationen zu dem seit April 2001 inhaftierten Bischof Shi Enxiang aus der Provinz Hebei. Mindestens acht weitere namentlich bekannte katholische Priester sind aus Glaubensgründen in Haft.

Eritrea
Der rechtmäßige Patriarch der eritreisch-orthodoxen Kirche Abuna Antonios wird seit Januar 2007 von der neomarxistischen Regierung unter Hausarrest gehalten. Der mittlerweile 80jährige hatte sich über die staatliche Einmischung in Kirchenangelegenheiten beschwert und die Freilassung von drei inhaftierten orthodoxen Priestern gefordert. Rund 3000 Christen, darunter viele Pastoren, befinden sich in Eritrea aus Glaubensgründen in Haft. Die IGFM hatte im Dezember 2008 den 2004 verhafteten evangelischen Kirchenleiter Haile Naizgi zum "Gefangenen des Monats" benannt, der sich im berüchtigten Karchele-Gefängnis der eritreischen Hauptstadt Asmara befinden soll.

Sozialistische Republik Vietnam

Im März 2007 wurde der katholische Priester Nguyen Van Ly wegen seiner Menschenrechtsaktivitäten zu 8 Jahren Haft  verurteilt. Hohe Haftstrafen verbüßen wegen ihrer Menschenrechts- und Missionsarbeit Pastor Y Wo Nie und die mennonitische Pastorin Nguyen Thi Hong, die von der IGFM zu "Gefangenen des Monats" benannt wurden. Jährlich gibt das Büro für Religiöse Angelegenheiten der vietnamesischen Regierung ein geheimes Handbuch heraus (liegt der IGFM vor), das Anweisungen für die Kader der Kommunistischen Partei, Sicherheits- und Ordnungsorgane hinsichtlich des Vorgehens gegen religiöse Gemeinschaften enthält. Besonders rigoros geht das Regime gegen Hauskirchen von: Gottesdienste werden mit brutaler Gewalt aufgelöst, Häuser von Christen nicht selten niedergebrannt, Gläubige auf Polizeirevieren verprügelt, mit Haftstrafen belegt.

Arabische Republik Ägypten
Der koptisch-orthodoxe Pfarrer Metaos Wahba wurde im Oktober 2007 in Kairo wegen angeblicher Urkundenfälschung zu fünf Jahren Haft verurteilt. Er hatte den von einer Konvertitin zum Zwecke ihrer Heirat mit einem Christen von ihr geänderten Personalpapieren Glauben geschenkt und getraut. Die Konvertitin musste untertauchen, um einer Verhaftung zu entkommen. Nach ägyptischem Recht ist die Aufgabe des Islams verboten und ein todeswürdiges "Verbrechen". Nach Angaben der IGFM wird die Mehrheit der christlichen Konvertiten in Ägypten Opfer willkürlicher Verhaftungen und Folter.

Islamische Republik Iran

Bereits im Sommer 2005 hat Präsident Mahmood Ahmadinedshad vor 30 Provinzgouverneuren das Ende der blühenden Hauskirchenbewegung angekündigt. Am 22. November 2005 wurde der freikirchliche Pastor und Konvertit Ghorban Tori in der Stadt Gonbad-e-Kavus gekidnappt und erstochen aufgefunden. Seit Mai 2008 befinden sich sieben führende Mitglieder der Bahai-Religion im berüchtigten Evin-Gefängnis von Teheran. Bisher haben sie weder Zugang zu ihrer Anwältin erhalten noch wurden ihnen schriftliche Anklagen ausgehändigt.

Seit Jahrzehnten werden im Iran Konvertiten verfolgt, verhaftet und gequält. Nach iranischen Quellen befinden sich mindestens 40 Konvertiten in Haft, einige verstarben auf mysteriöse Weise. Am 5. März 2009 wurden in Teheran wegen Übertritts zum Christentum die Iranerinnen Maryam Rostampour (geb. 1982) und Marzieh Amirizadeh Esmaeilabad (geb. 1979) verhaftet. Ihnen droht die Hinrichtung.