Woche der Brüderlichkeit eröffnet in Leipzig unter den Thema: In Verantwortung für den anderen

60 Jahre jüdisch-christlicher Dialog

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Von Jan Bentz

ROM, 12. März 2012 (ZENIT.org). - Vor 60 Jahren fand in der Bundesrepublik die erste bundesweite „Woche der Brüderlichkeit" statt. Die diesjährige Veranstaltung wurde  am Sonntag im Leipziger Gewandhaus  eröffnet und steht unter dem Leitwort: „In Verantwortung für den anderen - 60 Jahre Woche der Brüderlichkeit“.

Die Woche der Brüderlichkeit ist eine seit 1952 jährlich im März stattfindende Veranstaltung für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Sie wird vom Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit ausgerichtet. Sie hat die Förderung des jüdisch-christlichen Dialogs, die Zusammenarbeit zwischen Christen und Juden sowie die Aufarbeitung des Holocaust zum Ziel. Im Rahmen der Veranstaltung wird seit 1968 die Buber-Rosenzweig-Medaille verliehen. Schirmherr ist der jeweilige Bundespräsident.

Bundesweit werden dieses Jahr rund 1.000 Veranstaltungen stattfinden, die den Dialog zwischen Juden und Christen in Deutschland vertiefen sollen. Dazu gehören Vorträge zu Geschichte und Religion, Führungen über jüdische Friedhöfe, musikalische und literarische Abende (beispielweise gestaltet der Historiker, Autor und Entertainer Rolf-Bernhard Essig einen Abend, an dem er die Einflüsse jiddisch-hebräischer Wörter und Redensarten auf die deutsche Sprache behandelt), multireligiöse Feierstunden, Konzerte und Matinées.

Zum Auftakt erhielt der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, die „Buber-Rosenzweig-Medaille“ des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Der Dachverband der christlich-jüdischen Gesellschaften würdigte damit das nachhaltige Wirken des rheinischen Präses für die Beziehung zwischen Christentum und Judentum. Der Koordinierungsrat begründete seine Wahl damit, Schneider habe das diesjährige Motto seine ganze berufliche Laufbahn über gelebt.

Ricklef Münnich, Evangelischer Präsident des Koordinierungsrats, erläuterte die Entscheidung, Schneider habe maßgeblich an der Aktualisierung der „bahnbrechenden" Synodalerklärung der rheinischen Kirche von 1980 zur „Erneuerung des Verhältnisses von Christen und Juden" mitgewirkt. In der Gründung, aber auch im Bestand des Staates Israel sehe Schneider gemeinsam mit seiner Kirche ein Zeichen der Treue Gottes zu seinem Volk. Wegweisend bleibe zudem seine „deutliche Absage an die Judenmission".

Rabbiner Henry G. Brandt äußerte bei dem Festakt, Voraussetzung für 60 Jahre Brüderlichkeit zwischen Juden und Christen sei, dass man sich auf Augenhöhe begegne und sich „Wertschätzung, Respekt und Rücksicht" entgegenbringe. Wer vor sechs Jahrzehnten im „tiefen Schatten der Schoa und des mörderischen Weltkriegs" begonnen habe, sich auf den Weg der Versöhnung zu machen, dürfe heute mit Recht feiern und sich feiern lassen.

Als Konsequenz aus der Mordserie der Zwickauer Terrorzelle forderte die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, einen neuen Anlauf für ein NPD-Verbotsverfahren. Die rechtsextreme Partei passe nicht in ein modernes Deutschland und dürfe nicht länger mit staatlichen Mitteln unterstützt werden.

Der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff, Vorsitzender der Unterkommission der Deutschen Bischofskonferenz für die religiösen Beziehungen zum Judentum, hatte in seiner Ansprache das Verhältnis von katholischer Kirche und Juden als von Freundschaft und Offenheit geprägt bezeichnet.

Der Bischof lobte auch das Engagement von Papst Benedikt XVI. für die Beziehungen zum Judentum. Der Papst habe es als unsere heutige Aufgabe bezeichnet, dass die christliche und die jüdische Schriftlektüre miteinander in Dialog treten müssten, um Gottes Willen und Wort recht zu verstehen. Damit habe Benedikt XVI. der rabbinischen Theologie eine besondere Bedeutung zugesprochen.