Woche für das Leben: 8 Millionen Abtreibungen in Deutschland?

In 37 Jahren junges Leben im Umfang von vier Millionenstädten wie Berlin, Hamburg, München und Köln zerstört

| 1236 klicks

von Kurt J. Heinz

KÖLN, Dienstag, 10. Mai 2011 (ZENIT.org/MEDRUM). -  Die Zahl der Abtreibungen spielt in der Debatte um das Lebensrecht ungeborener Kinder immer wieder eine Rolle. Dabei taucht mitunter die hoch erscheinende Zahl von 8 Millionen Abtreibungen in Deutschland auf. Ist eine solche Zahl realistisch oder (zweckdienlich?) aus der Luft gegriffen? Welche Bedeutung kann dieser Zahl beigemessen werden?

Seit 1996 wird eine amtliche Statistik über die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland geführt. Nach dieser Statistik wurden in den letzten 15 Jahren jährlich zwischen 110.000 und 135.000 Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt. Die meldestatistisch erfassten Abbrüche sind jedoch, wie in den ersten Jahren das Statistische Bundesamt selbst anmerkte, lückenhaft.

Tatsächlich finden deutlich mehr Schwangerschaftsabbrüche statt als die Statistik ausweist. Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) geht beispielsweise davon aus, dass der Erfassungsgrad bei etwa 60 Prozent liegt. Wer aus diesen Angaben eine realistische Aussage über die tatsächlichen Abtreibungen für den Zeitraum seit Beginn der Liberalisierung der Abtreibung in Deutschland im Jahr 1974 ableiten will, kommt für den Zeitabschnitt von 1974 bis 2010 auf insgesamt etwa 8 Millionen Abtreibungen in Deutschland. Damit wird klar, dass die Zahl der in Deutschland in den letzten 37 Jahren getöteten Kinder die Gesamtbevölkerung der deutschen Großraumstädte Berlin (3,5 Mio.), Hamburg (1,8 Mio.), München (1,3 Mio) und Köln (1,0 Mio) übersteigt. Im Vergleich mit dem Bundesland Rheinland-Pfalz erreicht diese Abtreibungszahl das Doppelte der Gesamtbevölkerung von Rheinland-Pfalz.

Diese Größenverhältnisse veranschaulichen, dass Deutschland im Nachwuchsvergleich mit anderen Ländern Europas am unteren Ende der Vergleichsskala liegt. Wäre auch nur die Hälfte der abgetriebenen Kinder vor dem Tod des Schwangerschaftsabbruchs bewahrt worden, wäre Deutschland kein Land, das sich um seine Überalterung sorgen müsste. Diese, hinter dem Begriff „Demographischer Wandel" verborgene, Überalterung durch Kinderlosigkeit scheint wie ein Fluch der bösen Tat auf die deutsche Gesellschaft zurückzuschlagen. So beschäftigen sich nicht nur die Politik, sondern auch die Kirchen zum Beispiel in der „Woche für das Leben" denn auch folgerichtig statt mit Kindersegen mehr mit Palliativmedizin, Altenpflege und dem bürgerschaftlichen Engagement hierfür. Eine der Buchempfehlungen der diesjährigen Woche für das Leben, „In schwierigen Zeiten hilft mehr Bürgerengagement", ist charakteristisch für diese Entwicklung.

In Artikel 1 des Grundgesetzes steht: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt." Wer kann angesichts der Tatsache, dass während der Lebenszeit von noch nicht einmal zwei Generationen das Leben von 8 Millionen Kindern gewaltsam beendet wurde, glaubwürdig vertreten, dass Politikerinnen und Politiker dem Auftrag, der ihnen an oberster Stelle im Grundgesetz erteilt und vom Bundesverfassungsgericht in Erinnerung gerufen wurde, nachgekommen sind? Lebensvergessenheit, Pflichtvergessenheit und der postmoderne Schlaf des Gewissens stehen hier offenbar in einem unauflöslichen Zusammenhang. Was früher feministisch mit „Mein Bauch gehört mir!" propagiert wurde, wird heute im Namen der Selbstbestimmung unter den Teppich „reproduktive Gesundheit“ gekehrt. Unter diesem dahinfaulenden Teppich liegen die verwesenden Überreste 8 Millionen ungeborener Kinder. Sie sind zum Staub dieser Gesellschaft geworden. Die „normalste Sache der Welt", wie das Magazin FOCUS 2008 schrieb.