„Woche für das Leben“: Deutsche Bischofskonferenz in Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche

Motto: Engagiert für das Leben

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BERLIN, Mittwoch, 11. Mai 2011(ZENIT.org/Woche für das Leben). -  Armut, Ehrenamt und Engagement für die Schwachen sind die Themenschwerpunkte der „Wochen für das Leben“, die die Deutsche Bischofskonferenz gemeinsam mit der evangelischen Kirche ausrichtet.

Beginn war am 7. Mai mit einem ökumenischen Gottesdienst in Berlin in der Heilig-Kreuz-Kirche in Berlin-Kreuzberg.

Zur Eröffnung sagte der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch:

„Zu Recht erwartet man natürlich hier zunächst einen Ort für Gottesdienste, Andachten und Gebete… Der offene Kirchenraum mit der Empore und den umliegenden Büros lässt hier sichtlich erahnen, dass es noch mehr gibt. Wie wir eben schon gehört haben, kümmert man sich an der Heilig-Kreuz-Kirche noch in anderer Weise um Menschen – beispielsweise um Menschen, die kein Dach über dem Kopf haben. Auf der Internetseite der Kirche kann man unter dem Stichwort ‚Wärmestube‘ lesen: ‚Kaffee, Tee, belegte Brote, Kuchen und Suppe gibt es umsonst sowie Kleidung und Bücher. Um 13 Uhr öffnet die Arztsprechstunde (auch für Patienten ohne Krankenversicherung)‘. Oder aber man findet Hinweise auf eine Beratung für Flüchtlinge. Es werden die Tafeln und Kleiderkammern unterstützt, man besucht die Neugeborenen und ihre Eltern. An diesem Ort ist mitten in der Großstadt christliche Gemeinde lebendig.“

In der Pressemeldungvom 7.5.11 heißt es:

Die katholische und evangelische Kirche haben auf die Bedeutung von ehrenamtlichem Engagement für die Gesellschaft hingewiesen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, sagte beim ökumenischen Gottesdienst zur Eröffnung der gemeinsamen „Woche für das Leben“ am Samstag in Berlin, das diesjährige Motto „Einsatz mit Gewinn“ solle den Gedanken stark machen, „dass trotz aller notwendigen und in unserem Land auch weitgehend gut funktionierenden, professionellen Sozialsysteme der Einsatz und das Engagement von Menschen darüber hinaus notwendig sind, um ein Miteinander human zu gestalten.“ Ehrenamtliches Engagement sei für beide Seiten ein Gewinn: „Für diejenigen, die aus welchen Gründen auch immer, nicht von den professionellen Sozialstrukturen erfasst werden oder, wo diese nicht ausreichen, mehr Hilfe brauchen. Und es ist ein Gewinn für die Menschen, die sich kümmern.“ Soziale Netze in Nachbarschaften, Vereinen und Verbänden, Schulen, Pfarr- und Kirchengemeinden hielten die Gesellschaft zusammen. Der Einsatz für Menschen in Not und sozialer Isolation sei ein christlicher Auftrag.

Auf ihrer offiziellen Homepage liefert die Initiative folgende Erläuterung und den Ausblick auf die nächsten drei Jahre:

Gesetze und staatliche Rahmenbedingungen sind dafür wichtig – aber sie sind nicht alles. Wir brauchen ein Gemeinwesen, in dem die Starken für die Schwachen eintreten. Vor allem Kinder, Sterbende und kranke Menschen, aber auch Menschen mit Behinderung oder Familien, die von Armut bedroht sind, sind darauf angewiesen, dass die Gemeinschaft sie mitträgt und für Unterstützung und Ausgleich sorgt. Mit finanziellen Mitteln, Einrichtungen und Diensten, aber auch im alltäglichen Miteinander. Soziale Netze in Nachbarschaften, Vereinen und Verbänden, Schulen und Kirchengemeinden halten unsere Gesellschaft zusammen. Das Miteinander ist eine starke Kraft. Jeder von uns, auch die, die heute gesund und stark sind, ist auf die Gemeinschaft angewiesen – und jeder kann erfahren, dass sein Leben durch den Einsatz für andere neuen Sinn bekommt.

Unter dem Motto„Engagiert für das Leben“ soll die „Woche für das Leben2011–2013 deutlich machen, was unsere Gesellschaft zusammenhält und wie wichtig ein soziales Miteinander ist. Wenn es um Wert und Würde des Lebens geht, machen Christen keine Unterschiede, gleich, ob es sich – in der Sprache der Bibel gesprochen – um „Männer oder Frauen, Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie“ (1 Kor 12,13) handelt. Christen treten für gelingendes Leben ein – gleich, ob es um Deutsche oder Ausländer, um Kinder oder Alte geht. Sie treten für das Leben ein, auch, wenn es um ungeborenes Leben geht. Erfülltes Leben, davon sind Christen überzeugt, hängt nicht davon ab, ob Menschen gesund oder krank oder behindert sind. Wir können nicht Christ oder Christin sein, ohne uns für die Menschenwürde der anderen einzusetzen.

Der Dreijahreszyklus 2011 bis 2013 im Überblick

Im ersten Jahr 2011geht es unter dem Motto „Engagiert für das Leben: Einsatz mit Gewinn“ um den uneigennützigen, unentgeltlichen Einsatz für andere, um soziales Engagement von Bürgerinnen und Bürgern. Immerhin jede und jeder Dritte in Deutschland engagiert sich ehrenamtlich – viele davon in den Kirchen, in Diakonie und Caritas. Ihr Einsatz in Krankenhäusern und Hospizen, in Schulen und an Mittagstischen für Kinder trägt entscheidend dazu bei, dass die soziale Stabilität unserer Gesellschaft erhalten bleibt und dass soziale Probleme überhaupt wahrgenommen und thematisiert werden. Mit der Woche für das Leben2011 lenken wir den Blick auf den persönlichen Einsatz von Christen und verknüpfen uns zugleich mit dem Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit.

Im zweiten Jahr 2012 soll dann das Miteinander und die Solidarität der Generationen hervorgehoben werden. Wir erleben zur Zeit einen rasanten demografischen Wandel in unserer Gesellschaft: Auf der einen Seite haben wir es mit einer ansteigenden durchschnittlichen Lebenserwartung zu tun – wir leben länger und gesünder –, auf der anderen Seite mit einer „Unterjüngung“ – die Zahl der Kinder ist, wie in allen westlichen Gesellschaften, in den letzten Jahrzehnten gesunken. Wie erhalten wir in dieser Situation das gute Miteinander zwischen Alten und Jungen – in den Familien, die zum Teil schon aus vier Generationen bestehen, aber auch in der Gesellschaft – zum Beispiel in den sozialen Sicherungssystemen? Was lernen wir von guten Initiativen – von Mehrgenerationenhäusern, Familienzentren und Tageseinrichtungen, die mit Altenzentren zusammenarbeiten? Das Jahresmotto für 2012 heißt: „Engagiert für das Leben: mit allen Generationen“

Im abschließenden Jahrdes Dreijahreszyklus soll dann 2013 in den Blick genommen werden, wie das Miteinander vor Ort gelingen kann: in den Kommunen, auf die vielfältige Herausforderungen zukommen, in Vereinen und Verbänden, aber auch und nicht zuletzt in den Kirchen mit ihren Gemeinden und Diensten. Aus vielen Untersuchungen wissen wir, dass gesellschaftliche Institutionen nötig sind, damit wir gemeinsam in der Lage sind, die Werte zu realisieren, für die wir einstehen wollen. Im dritten Jahr geht es also um Fragen der Subsidiarität, um „Kirche in der Gesellschaft“ und „Gemeinde im Gemeinwesen“. Was kann geschehen, wenn finanziell schwache Kommunen Schwimmbäder und Bibliotheken schließen? Wie können Gemeinden gemeinsam mit anderen das Gemeinwesen gestalten? Welche Infrastruktur brauchen Familien und Ältere für ein gelingendes Leben an ihrem Wohnort? Dafür wurde das Motto gewählt: „Engagiert für das Leben: Zusammenhalt gestalten“.