World War Z

Filmrezension

Berlin, (ZENIT.orgtextezumfilm) Dr. José García | 513 klicks

Regie:Marc Forster; Darsteller:Brad Pitt, Mireille Enos, Daniella Kertesz, James Badge Dale, Matthew Fox, David Morse, Moritz Bleibtreu; Land, Jahr:USA 2013; Laufzeit:116 Minuten; Genre:Science-Fiction/Fantasy; Publikum:ab 16 Jahren

Auf der ganzen Welt beginnt ein ganz normaler Tag, so suggerieren Bilder aus verschiedenen Ländern im Vorspann. Auch für den früheren UN-Krisensoldaten Gerry Lane (Brad Pitt), seine Frau Karen (Mireille Enos) und die kleinen Töchter Rachel (Abigail Hargrove) und Constance (Sterling Jerins) fängt der Tag zunächst normal an. Dies ändert sich jäh, als die Familie in die Innenstadt von Philadelphia fährt, wo sie mitten in einem überdimensionalen Verkehrsstau stecken bleiben. Plötzlich bricht das Chaos über die Menschen- und Automassen herein. Der Grund: Eine Horde Untote stürzt sich auf die Menschen. Mit jedem Biss verwandeln sie Menschen in Zombies. Wie das geht, zeigt Marc Forsters Film „World War Z“ auf eindrückliche Weise, als ein junger Mann in der Nähe der Familie Lane Opfer einer solchen Attacke wird: Mit spastischen Zuckungen fängt es an, bis sich alsbald die Pupillen ins Unermessliche weiten.

Gerry kann die Verbindung zu seinem früheren Führungsoffizier herstellen. Ihm und seiner Familie wird Zuflucht auf einem Flugzeugträger gewährt, wo sich nach dem Tod des US-Präsidenten die Regierung befindet. Gerrys Familie kann dort bleiben, allerdings unter der Voraussetzung, dass er wieder fürs Militär tätig wird: Die Verwandlung der Menschen in Zombies geht auf einen Krankheitserreger zurück. Gerry soll zusammen mit einem Wissenschaftler nach Korea fliegen, um den Patienten Null und damit den Ursprung des Virus zu identifizieren. Unterstützt von heldenhafter Musik beginnt für Gerry eine Reise, die ihn auf der Suche nach einem Mittel gegen die Epidemie von Korea über Jerusalem nach Wales führt. Die Zeit drängt, denn immer mehr Menschen verwandeln sich in Untote. Wie schnell sich die Pandemie weltweit ausbreitet, zeigen etwa Bilder aus Taiwan. Die gesamte Zivilisation steht am Rande des Untergangs. Es herrscht ein weltweiter Krieg, daher der Filmtitel „World War Z“.

Basierend auf Max Brooks postapokalyptischem Thriller „World War Z: An Oral History of the Zombie War“ entwirft Marc Forster ein ähnliches Szenario wie zuletzt Steven Soderberghs „Contagion“ (siehe Filmarchiv), in dem sich ein tödliches Virus im rasanten Tempo über die ganze Welt verbreitet. Die Besonderheit von „World War Z“ besteht aber in der Verknüpfung von Seuchen- und Zombiefilm. Allerdings interessieren Forster an den Zombies eher deren Schauwerte: Ihr choreographiertes Schwarmverhalten beeindruckt an mehreren Stellen, insbesondere als sie gleich einem Ameisenhaufen die Mauer zwischen Israel und dem Westjordanland überwinden. Dazu führt der Regisseur aus: „In dieser Form bewegen sich Vogel- oder Fischschwärme oder Ameisengruppen. Dem liegt geradezu eine Schwarmintelligenz zugrunde. Ich dachte, es wäre interessant zu sehen, wie diese Zombies, die keinen Intellekt haben und lebende Tote sind, sich mit dieser Schwarmmentalität bewegen. Es gibt keine wirkliche Richtung, da die Zombies die Untoten sind. Aber alles in allem gibt es ein unbewusstes Bewusstsein.“ Sonst hält sich „World War Z“ jedoch in den mit dem Zombiegenre verbundenen Horrorelementen samt Blutfließen mit Rücksicht auf ein breites Zielpublikum sehr zurück. Dass einer der Schauplätze von „World War Z“ Jerusalem ist, wo Juden und Muslime zusammen Zuflucht gesucht haben, weckt übrigens Assoziationen mit den biblischen zehn Plagen. Ähnlich Soderbergh in „Contagion“ setzt Forster in „World War Z“ auf schnelle Standortwechsel. Dass er einen Film in atemberaubender Geschwindigkeit inszenieren kann, stellte der Deutsch-Schweizer bereits im vorletzten James Bond-Film „Ein Quantum Trost“ (2008) unter Beweis. Allerdings kann er zwischendurch auch das Tempo drosseln, so etwa in den Szenen mit der israelischen Soldatin Segen (Daniella Kertesz), die sich Gerry in Jerusalem anschließt. Zwar stellt sich ein Gefühl der Bedrohung, der Ratlosigkeit im Hinblick auf die Ausmaße der Katastrophe ein. Teilweise verfällt aber Marc Forster jedoch in denselben Fehler wie in „Ein Quantum Trost“: Er inszeniert die Actionsequenzen in Anlehnung an die „Bourne“-Trilogie teilweise so rasant, dass dabei die Übersichtlichkeit verloren geht.

Darüber hinaus verliert „World War Z“ im letzten Filmdrittel die Geschwindigkeit, die bis dahin den Film ausgezeichnet hatte. Wie häufig im postapokalyptischen Genre tun sich die Filmemacher schwer, einen adäquaten Schluss zu finden. Bei „World War Z“ ist dies insofern noch extremer, als dem Vernehmen nach die ganze Schlusssequenz nachgedreht werden musste, nachdem Damon Lindelof und Drew Goddard das Drehbuch von Matthew Michael Carnahan abgeändert hatten. Trotz dieser Hindernisse ist Marc Forster ein überdurchschnittlicher Actionfilm gelungen. Die Spezialeffekte setzt der Regisseur stets im Dienst der Handlung ein. Auch die 3D-Effekte wirken nicht als Selbstzweck, sondern ziehen den Zuschauer vielmehr in die Handlung hinein. Die Desorientierung, die beispielsweise in der Eingangssequenz in Philadelphia herrscht, schafft er durch die Verknüpfung von Totalen und extremen Nahaufnahmen, die den Eindruck erwecken, mitten im Geschehen zu sein, gepaart mit schnellen Schnitten. Marc Forsters Film spielt genretypisch gekonnt auf der Klaviatur der diffusen, mit einer solch weltweiten Epidemie verbundenen Angst.