Wort, Kontemplation und Dienst: unabdingbar für ein christliches Leben

Im Rahmen des Angelus-Gebetes bittet Papst Franziskus die Gläubigen um geistige Begleitung im Gebet während seiner ersten apostolischen Reise nach Rio de Janeiro

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 465 klicks

Im Folgenden veröffentlichen wir die Worte von Papst Franziskus während des Angelus-Gebetes, das er im Vorfeld seiner ersten apostolischen Reise nach Rio de Janeiro anlässlich des Weltjugendtages heute Vormittag auf dem Petersplatz sprach.

Zur Einführung in das Mariengebet sprach der Papst die folgenden Worte, die wir hier in einer eigenen Übersetzung dokumentieren:

[Vor dem Angelus]

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Das heutige Sonntagsevangelium führt uns einen weiteren Teil des zehnten Kapitels des Evangelisten Lukas vor Augen: den Text über Marta und Maria. Wer sind diese beiden Frauen? Marta und Maria, zwei Schwestern des Lazarus, sind Verwandte und gläubige Jüngerinnen des Herrn, die in Bethanien wohnten. Der hl. Lukas beschreibt sie folgendermaßen: Maria, dem Herrn zu Füßen sitzend, „hörte seinen Worten zu“, während Marta mit vielen Arbeiten beschäftigt war (vgl. Lk 10,39-40). Beide hatten den auf der Reise befindlichen Herrn aufgenommen, aber in unterschiedlicher Weise. Maria setzt sich dem Herrn zu Füßen und hört ihm zu. Marta hingegen lässt sich von den vorzubereitenden Dingen einnehmen. Sie ist so beschäftigt, dass sie sich mit folgenden Worten an Jesus wendet: „Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen!“ (V. 40). Jesus antwortet ihr mit einer freundlichen Zurechtweisung: „Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig“ (V. 41).

Was will Jesus damit sagen? Was ist dieses Bessere, dessen wir bedürfen? Vor allem ist es wichtig zu verstehen, dass hier keine Entgegensetzung der Haltung des Hörens des Wortes des Herrn und des konkreten Dienstes am Nächsten stattfindet. Es handelt sich um keine gegensätzlichen Haltungen, sondern vielmehr um zwei wesentliche Aspekte unseres christlichen Lebens, die nie getrennt werden dürfen, sondern in tiefer Einheit und Harmonie zu leben sind. Warum wird Marta nun, wenn auch freundlich, von Jesus getadelt? Sie hielt allein das, was sie gerade tat, für wesentlich, und ließ sich zu sehr von ihrem „Tun“ einnehmen. In einem Christen sind die Werke des Dienstes und der Nächstenliebe nicht von der Grundquelle all unseres Handelns getrennt: dem Hören des Wortes Gottes, zu Füßen Jesu sitzen wie Maria, in der Haltung des Jüngers. Aus diesem Grund wird Marta getadelt.

Auch in unserem christlichen Leben sollen Gebet und Handeln immer zutiefst vereint sein. Ein Gebet, das nicht zum konkreten Handeln gegenüber den armen, den kranken und den hilfsbedürftigen Brüdern führt, ist ein steriles und unvollständiges Gebet. Wenn man hingegen im kirchlichen Dienst nur dem „Tun“ Beachtung schenkt, wird den Dingen, den Funktionen, den Strukturen, mehr Gewicht gegeben, und man vergisst die Zentralstellung Christ; es bleibt keine Zeit für das Gespräch mit ihm im Gebet, und man läuft Gefahr, sich selbst zu dienen und nicht mehr dem im bedürftigen Brüder gegenwärtigen Gott. Der hl. Benedikt kehrte zu einem Lebensstil zurück, den er für seine Mönche mit zwei Worten zusammenfasste: „Ora et labora“, bete und arbeite. Aus der Kontemplation, einer Beziehung starker Freundschaft mit dem Herrn, entsteht in uns die Fähigkeit, die Liebe Gottes zu leben und zu überbringen, seine Barmherzigkeit, seine Zärtlichkeit den anderen gegenüber. Auch unser Dienst am bedürftigen Bruder und die in unseren Werken der Barmherzigkeit geschenkte Liebe führen uns zum Herrn, denn er ist es, den wir in unseren Not leidenden Geschwistern erkennen.

Bitten wir die hl. Jungfrau Maria, die Mutter des Zuhörens und des Dienstes, uns zu lehren, in unserem Herzen das Wort ihres Sohnes zu betrachten, mit Treue zu beten, um den Bedürfnissen der Brüder immer mehr konkrete Aufmerksamkeit zu schenken.

[Nach dem Gebet des Angelus]

Mit Zuneigung heiße ich die hier anwesenden Pilger willkommen: die Familien, Pfarrgemeinden, Vereinigungen, Bewegungen und Gruppen. Mein besonderer Gruß gilt den Gläubigen aus Florenz, Foggia und Villa Castelli und den Ministranten von Conselve mit deren Familien. Ich lese: „Buon viaggio!“ (Gute Reise). Danke! Danke! Ich bitte euch darum, mich im Gebet geistig auf meiner morgen beginnenden Reise zu begleiten. Wie ihr wisst, werde ich mich anlässlich des 28. Weltjugendtages nach Rio de Janeiro in Brasilien begeben, an dem zahlreiche Jugendliche aus aller Welt teilnehmen werden. Meiner Meinung nach kann diese Woche als die Woche der Jugend bezeichnet werden: genau, die Jugendwoche! Die Protagonisten dieser Woche werden die jungen Menschen sein. All jene, die nach Rio kommen, wollen die Stimme Jesu hören, Jesus zuhören: „Herr, was soll ich aus meinem Leben machen? Welchen Weg soll ich einschlagen?“ Auch ihr – ich weiß nicht, ob heute junge Menschen auf der Piazza sind! Sind junge Menschen da? Ja: auch ihr Jugendlichen auf der Piazza sollt dem Herrn folgende Frage stellen: „Herr Jesus, was soll ich aus meinem Leben machen? Welchen Weg soll ich einschlagen?“. Vertrauen wir der Fürsprache der hier in Brasilien so verehrten und geliebten seligen Jungfrau Maria diese Fragen an: jene der Jugendlichen vor Ort und jene, die ihr heute stellen werdet. Möge uns die Gottesmutter auf diesem neuen Abschnitt der Pilgerreise ihre Hilfe zuteilwerden lassen.

Ich wünsche allen einen schönen Sonntag! Gesegnete Mahlzeit. Auf Wiedersehen!