Worte ewigen Lebens

Impuls zum 19. Sonntag im Jahreskreis

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Von Msgr. Dr. Peter von Steinitz*

MÜNSTER, 10. August 2012 (ZENIT.org). - Johannes berichtet im Evangelium dieses Sonntags, wie sich erneut gegen Jesus ein Widerspruch erhebt. Wir können davon ausgehen, dass der Herr sich darüber gar nicht wundert, und zwar aus zwei Gründen. Erstens weil er buchstäblich von Kindesbeinen her daran gewohnt ist, dass man ihm widerspricht. Bei der Darstellung des Jesusknaben im Tempel hatte der Prophet Simeon das schon vorhergesagt: „Dieser ist gesetzt zum Fall und zur Auferstehung für viele in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird“ (Lk 2,34).

Der andere Grund, warum Jesus in dieser konkreten Situation mit Widerspruch rechnen musste, war das Thema, um das es ging: die Eucharistie. Er hatte nämlich gesagt: „Ich bin das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist“ (Joh 6,41). Wenn wir uns in die Mentalität der Leute von damals hineinversetzen – die von der unserer Zeitgenossen gar nicht so sehr verschieden war –, können wir uns gut vorstellen, wie die Bürger von Nazareth und Kapharnaum die Aufforderung Jesu nicht akzeptieren wollten, dass man sein Fleisch isst und sein Blut trinkt. Und dass diese Zumutung obendrein von jemandem kommt, den man ja genau zu kennen meint: „Ist das nicht Jesus, der Sohn Josefs, dessen Vater und Mutter wir kennen?“ Etwa so: „Was will der uns schon erzählen, den haben wir doch schon als kleinen Jungen gekannt!“

Aber abgesehen davon, dass ja bekanntlich „der Prophet im eigenen Land nichts gilt“, ist es vor allem der Inhalt seiner Rede, der das erhabenste Geschenk umschließt, das Gott je den Menschen gegeben hat. In einer ganz und gar kompromisslosen Diktion spricht Jesus davon, dass die Eucharistie „wirklich“ eine Speise ist, und nicht eine sinnbildliche oder metaphorische, sondern eine ganz konkrete, fast könnte man sagen drastische Wirklichkeit. Aus den Worten des Herrn erhellt ganz klar, dass die eucharistische Speise „wirklich“ der Leib Christi sein wird (in Kapharnaum wird das Geheimnis ja zunächst nur angekündigt).

Die Szene ist hochdramatisch, Jesus spricht zu einer größeren Zahl seiner Jünger: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben“ (Joh 6,54), und er sagt, dass wir dadurch in ihm bleiben und er in uns. Um jeden Zweifel auszuschließen, kehrt er auch das Argument um: „Wer mein Fleisch nicht isst, und mein Blut nicht trinkt, hat das ewige Leben nicht“ (Joh 6,53). Jesus war sich wohl bewusst, dass „diese Rede hart“ sein würde. Und in der Tat, viele seiner Jünger wenden sich ab: „Wie kann der uns sein Fleisch zu essen geben?“

Der Herr macht aber keinerlei Konzession (und daher dürfen wir es auch nicht tun). Er sagt nicht abschwächend: Man muss das richtig verstehen… Nein, es ist so wie er es gesagt hat. Das Brot ist nach der Hl. Wandlung nicht mehr Brot, sondern sein Leib, und der Wein ist dann nicht mehr Wein, sondern sein Blut. Und dann sagt er, weiterhin ganz ohne Kompromissbereitschaft, zu den anderen Jüngern: „Wollt auch ihr gehen?“

Und da zeigt sich die verborgene Größe des Petrus. Auch er versteht die Worte Jesu nicht, und wenn wir ehrlich sind: wir verstehen sie auch nicht, weil sie unseren begrenzten Verstand übersteigen. Aber Petrus folgt nicht dem Verstand allein, sein Herz sagt ihm: das verstehe ich nicht, aber da es der Herr sagt, glaube ich es. Und daher ist er im Recht, nicht die „Vernünftigen“.

Die Haltung des Petrus ist wirklich nachahmenswert. „Herr, zu wem sollen wir gehen, du hast Worte des ewigen Lebens“ (Joh 6,68).

Jesus weist an anderer Stelle darauf hin, dass es dem Knecht nicht besser ergehen kann als dem Meister. Wenn schon bei der Ankündigung der Eucharistie der Widerspruch der nur diesseitig orientierten Menschen aufkommt, so muss es uns nicht wundern, dass auch heute so manches „gescheite“ Argument gegen dieses Geheimnis vorgebracht wird. Verstehen kann man das, aber man darf nicht nachgeben, weil es der Herr nicht tut. Im Gespräch zwischen den Konfessionen kann es natürlich auch keinen Kompromiss geben: entweder der Herr ist wirklich – mit Fleisch und Blut, Seele und Gottheit – in der Eucharistie zugegen oder er ist es nicht. Ein Zwischending gibt es nicht.

Schwer zu akzeptieren? Gewiss, war aber auch von Anfang an so. Es ist nun mal das „Geheimnis des Glaubens“.

Bitten wir den Heiligen Geist um die Tugend der Demut, wie sie der Hl. Petrus geübt hat. Auch in unserer an Einzelwissen so überreichen Zeit wird es immer die „Worte des ewigen Lebens“ geben, die auch dann wahr sind, wenn wir sie nicht verstehen.

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“. Im katholischen Fernsehsender EWTN ist er montags um 17.30 Uhr mit der wöchentlichen Sendereihe Schöpfung und Erlösung”, die beiden großen Werke Gottes und die Mitwirkung des Menschen, zu sehen.